Das Ende der letzten Eiszeit

Neue Seen und Flüsse durch Schmelzwasser

Vor 15.000 Jahren bringt eine Verschiebung der Erdumlaufbahn das Ende der letzten Eiszeit. Auf der Nordhalbkugel werden die Sommer wieder länger, die Winter milder. In Nordeuropa steigen die Temperaturen rapide - um bis zu 10 Grad in weniger als einem Jahrhundert. Die Gletscher schmelzen dahin.

Über 100.000 Jahre haben sich im Norden des Kontinents alle Niederschläge in Form von Eis gesammelt. Jetzt kommen ungeheure Wassermassen in Bewegung.

Zehntausende Seen werden geboren

Das Schmelzwasser schafft ausgedehnte Flusssysteme. Reißende Fluten transportieren Unmengen Schutt und Geröll, die ganze Täler füllen. So entstehen viele von Europas Ebenen. Rhein und Donau führen 50 mal mehr Wasser als heute. Die Gletscherkappen der Alpen und der Pyrenäen und auch der nördliche Eisschild ziehen sich zurück. Ein Teil des Schmelzwassers sammelt sich in neuen Seen, Zehntausende werden geboren.


Der größte nach der Eiszeit entstandene See ist der Ladogasee, an der finnisch-russischen Grenze. Die einstige Bucht wurde vom Meer abgetrennt, als sich das unter dem Gewicht des kilometerdicken Eises abgesunkene Land nach dem Abschmelzen wieder zu heben begann. Heute ist der Ladogasee einer der wertvollsten Naturräume Europas. Elche durchstreifen die dichten Uferregionen. Fischadler finden hier reichlich Beute. Und Biber bauen ungestört ihre Dämme.

Lebende Eiszeitrelikte

Neben all diesen bekannten Arten leben hier Vertreter einer seltenen Tierart. Vor 9.000 Jahren schließt sich die letzte Verbindung zum Meer. Im See bleiben Ringelrobben zurück. Mittlerweile haben sie eine eigene Art gebildet. Heute sind nur noch wenige Tausend Ladoga-Ringelrobben übrig. Wie die Baikalrobben in Sibirien haben auch sie sich an das Süßwasser angepasst. Solche lebenden Eiszeitrelikte finden sich heute in fast allen kalten Regionen des Kontinents.


Mit dem wärmer werdenden Klima ziehen sich Kälte liebende Arten in kühle Höhenlagen zurück. Von den schottischen Highlands bis zu den Alpen sind die heutigen Hochgebirge Europas arktische Inseln, fernab der eigentlichen Arktis. So sind Steinböcke während der Eiszeit aus den Gebirgen Zentralasiens nach Europa eingewandert. Sie sind dem Rand des kontinentalen Eisschildes nach Westen gefolgt und hier geblieben, als sich das Eis zurückzog. Während der Kaltzeiten besiedelten manche dieser Arten fast den ganzen Kontinent. Heute liegen ihre Restpopulationen weit auseinander.

Echo aus der Eiszeit

Schneehühner gehören zur Landschaft der arktischen Tundra. Nun leben sie in den Alpen, in Nordskandinavien und in Schottland. Ihr weißes Winterkleid, Tarnung und Isolation zugleich, ist ein Echo aus der Eiszeit. Ein anderer Eiszeitspezialist ist der Schneehase. Die breiten Fußsohlen sind perfekte Schneeschuhe. Im Gegensatz zu seinen Verwandten, den Feldhasen, hat er sehr kurze Ohren und ein langes Fell, um Wärmeverluste zu verringern. Schneeammern brüten in der Arktis und 3000 Kilometer südlich im Hochgebirge. Und doch sind es nicht die Eiszeittiere allein, die uns an Europas kalte Vergangenheit erinnern.

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