Das Ende der Ming-Dynastie

General Wus Entscheidung zwischen innerem und äußerem Feind

Dem Bau der Großen Mauer folgte die finanzielle und gesellschaftliche Bankrotterklärung. Die Bevölkerung setzte sich gegen die steigenden Abgaben zur Wehr. Im Jahre 1644 brach der Aufstand aus. Plündernd zog eine Rebellenarmee unter der Führung des Bauern Li Zicheng Richtung Peking. Aber nicht nur im eigenen Reich geriet die marode Dynastie unter Druck.

General Wu Sanguai

In der Steppe hatte sich einhundert Jahre nach Altan Khan ein neuer, mächtiger Gegner formiert: die Mandschu. Vor dem östlichen Ende der Mauer, am Drachenkopf, hatte ein Reiterheer der Mandschu Stellung bezogen, bereit einen Angriff auf die Hauptstadt der Ming-Kaiser zu verüben. 1629 waren die Mandschu bereits bis zu den Außenbezirken Pekings vorgedrungen. Da sie weder über genügende Soldaten noch über genügend Kanonen verfügten, mussten sie sich wieder zurückziehen.

Festung Shanhaiguan

Beruhigende Ähnlichkeit

Die anschließenden Jahre verbrachten die Mandschu damit, das Verteidigungssystem im Nordosten jenseits der Festung Shanhaiguan zu zerstören. Wann immer es ihnen möglich war, versuchten die Mandschu sich als geeignete Herrscher über China zu präsentieren. Sie ermunterten die Chinesen in den von ihnen eroberten Gebieten, Felder zu bearbeiten, anstatt auf die Jagd zu gehen. Sie richteten eine Regierung ein, die der Ming-Regierung nachempfunden war und wählten einen neuen Namen für ihre Dynastie, der eine beruhigende Ähnlichkeit zu Ming aufwies: Sie nannten sich Qing - "die Reinen". Nun mussten die Mandschu nur noch zusehen, wie China von seinen inneren Streitigkeiten zerrissen wurde.

Die Ming-Festung Shanhaiguan, der "Erste Pass unter dem Himmel", sicherte die Ebene, die sich etwa zehn Kilometer zwischen den Bergen und dem Drachenkopf an der Küste erstreckt. Hier kam es im Mai 1644 zu einer folgenschweren Entscheidung. General Wu war Kommandant der Festung. Schon seit Wochen lagerten die Vorposten der Mandschu in Sichtweite, doch sie hatten noch keinen Versuch unternommen, die Festung einzunehmen. Sie warteten ab.

Unerfreuliche Botschaft

Ein Bote aus der Verbotenen Stadt kam mit einer persönlichen Nachricht für Wu Sanguai. Der 32-jährige General war einer der letzten Militärs, der loyal zum Ming-Kaiser stand. Er wusste, wenn seine Garnison die Mauerfestung nicht halten würde, wäre die Dynastie am Ende. Doch die Nachricht des Boten war wenig erfreulich. Er berichtete vom Selbstmord des Kaisers und von der Einnahme der Stadt durch den Rebellen Li Zicheng, der ihn nun um Unterstützung bat und bedingungslosen Gehorsam verlangte. Die Hauptstadt befand sich zwar in der Hand des Feindes, doch im Süden gab es genug treue Ming-Anhänger, um eine Gegenoffensive gegen die Rebellen einzuleiten. General Wu war sich dessen bewusst, aber er war isoliert.

Wu schickte einen Brief in die Mandschu-Hauptstadt Mukden und ersuchte sie um Hilfe im Kampf gegen die Rebellen in Peking. Als Belohnung sollten sie einen Anteil an der Beute der Banditen bekommen. Die Mandschu sagten ihm zwar Hilfe zu, doch nicht zu seinen Bedingungen. Ohne auf Wus Antwort zu warten, marschierten mandschurische Truppen auf Shanhaiguan zu. Da von Peking bereits Soldaten des Rebellen Li Zicheng im Anmarsch waren, war die Entscheidung schnell getroffen.

Tore der Festung Shanhaiguan werden geöffnet

Neue Dynastie

Im Morgengrauen des 27. Mai 1644 öffnete General Wu den Invasionstruppen das Tor seiner Festung. Eher sollten die Mandschu über China herrschen als dass ein Bauer den Drachenthron bestieg. Tatsächlich vertrieben die Mandschu den Rebellen aus der Verbotenen Stadt - und übernahmen selbst die Macht. Ihre Qing-Dynastie sollte das Reich der Mitte bis 1911 regieren.

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