Das Ende der Piratenkarriere

Port Royal - Morgans letzte Zuflucht

Die Bergungsexperten suchten in der Lagune vor Port Royal nach Spuren des Herrschers der Karibik - Sir Henry Morgan. Im Jahr 1692 zerstörte ein Erdbeben die Stadt, die in den Fluten versank.

Der größte Teil der Stadt Port Royal auf Jamaika liegt heute unter Wasser. Die Ruinen der versunkenen Stadt erstrecken sich einige Hundert Meter weit in die Lagune, in einer Tiefe von vier bis acht Metern.

Die versunkene Stadt

Die Fundamente der Häusern sind von Muscheln und Algen überwuchert. Kannen und Kelche aus purem Silber zeugen vom einstigen Reichtum einer blühenden Stadt. Die Taucher fanden auch Figuren aus feinem chinesischen Porzellan, Beutestücke, die Morgan und seine Leute von ihren Überfällen mitbrachten.


Im 17. Jahrhundert stand die Stadt Port Royal auf Jamaika unter englischem Protektorat. Die Briten nutzten die Hafenanlage als strategischen Brückenkopf, denn von hier aus konnten die Piraten die spanischen Handelsschiffe mühelos abfangen. Port Royal war angelegt wie die Metropole an der Themse. "Klein-London unter Palmen", so nannten die Bewohner stolz das paradiesische Domizil. Die Straßennamen lauteten: Queen Street, Lime Street oder Honey Lane, als Erinnerung an die ferne Heimat. Selbst das Baumaterial kam aus England.

Port Royal, der Piratenunterschlupf

In der tropischen Idylle war Henry Morgan stets willkommen. In der Stadt lebten Piraten, englische Bürger und Soldaten Tür an Tür. Nach erfolgreichen Überfällen segelten Henry Morgan und seine Truppe nach Port Royal und verschleuderten ihre Beute. Für die Einheimischen war das ein lukratives Geschäft. Die erbeuteten spanischen Gold- und Silbermünzen waren in Port Royal über lange Zeit offizielles Zahlungsmittel.

Im Januar 1672 traf eine Depesche aus London ein. Auf Erlass des Königs sollten der Gouverneur, Thomas Modyford, und Henry Morgan als Gefangene nach England gebracht werden. Der Grund: Die Zerstörung Panamas hatte die britische Regierung in politische Schwierigkeiten gebracht, denn zum Zeitpunkt des Angriffs gab es zwischen Spanien und dem englischen Königshaus bereits ein unterzeichnetes Friedensabkommen. Charles II. sah sich genötigt zu handeln: Der britische Gouverneur Modyford wurde unter Anklage gestellt und zu zwei Jahren Haft verurteilt.

Auszeichnung durch die Krone

Der Waffenstillstand zwischen Spanien und England war nur von kurzer Dauer. Das war Morgans Glück, der Seeräuber wurde nun als Nationalheld umjubelt und eilte von Bankett zu Bankett. Besondere Ehre wurde dem Sohn eines armen walisischen Bauern zuteil, als der König ihn zu einer persönlichen Audienz bat. Charles II. schlug den Piraten zum Ritter seiner Majestät und erhob ihn damit in den Adelsstand. Gleichzeitig wurde er zum Vizegouverneur von Jamaika ernannt. Sir Henry Morgan war auf dem Höhepunkt seiner zweifelhaften Karriere und kehrte nach Port Royal zurück.

Nach seiner Ernennung zum Vizegouverneur wechselte Henry Morgan das Lager und ließ seine ehemaligen Kumpane gnadenlos verfolgen. Ein Kriegsschiff der englischen Marine jagte auf Morgans Befehl die "Brüder der Küste" quer durch die Karibik. Morgan zog sich ins Hochland von Jamaika zurück, baute Zuckerrohr an und lebte in einer luxuriösen Villa in Llanrumney, benannt nach seinem Geburtsort in Wales.


Der einst gefürchtete Freibeuter verbrachte Nacht für Nacht in den Spelunken von Port Royal und verfiel dem Alkohol. Der Kirche St. Peters Church überließ er seinen Anteil an der Beute von Panama. Den Schatz halten die Geistlichen noch heute in Ehren. Am 25. August 1688 starb Henry Morgan. Der Nationalheld Englands erhielt ein Staatsbegräbnis.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet