Das Ende des Imperiums

Erst scheitert die Kompanie, dann die ganze Kolonie

Vom Ausgleich mit den Engländern verspricht sich die Vereinigte Ostindische Compagnie (VOC) hohe Gewinne im Muskathandel. Doch das ausgehandelte Monopol gerät schnell wieder ins Wanken. Und auch die Inselbewohner Indonesiens lassen sich nicht ewig unterdrücken.

Eine Holländerin kauft bei einem kleinen indonesischen Kind Quelle: ZDF

Der Niedergang wird unausweichlich

Ein einziger Mann machte das Monopol auf den Muskathandel ein für allemal unmöglich: Ein französischer Missionar, der den Namen Pierre Poivre, zu deutsch Peter Pfeffer, trägt. Er klaut den Holländern junge Muskatnussbäume und pflanzt sie in der französischen Kolonie Mauritius an. Hier gedeihen die wertvollen Gewächse ebenfalls prächtig. Das Muskat-Monopol der Niederländer ist gebrochen.
Finanziell ist die VOC damit in einer misslichen Lage. Ihr Preisdiktat für das Gewürz ist dahin. Und insgesamt vier Kriege gegen England haben zu viel Geld gekostet. Um 1800 ist die stolze Niederländische Ostindienkompanie pleite. Indonesien wird eine Kolonie der niederländischen Krone.

Während der Kolonialzeit beherrschen ein paar tausend Beamte ein Inselreich, in dem über 100 Millionen Menschen leben. Getreu dem Motto "Teile und herrsche" regieren die Europäer über die Einheimischen. Die Niederländer nutzen die Profitgier der indonesischen Fürsten und verdienen an deren Ausbeutung der Landbevölkerung kräftig mit.

Profit für das ferne Heimatland

Die niederländischen Regierungsbeamten nennen sich heuchlerisch "Große Brüder", doch in Wirklichkeit schauen sie den Stammesfürsten genau auf die Finger. Das letzte Glied in der Kette sind die Bauern Indonesiens. Sie werden mit Hungerlöhnen abgespeist - obwohl sie mit ihrer Arbeit ein Drittel des gesamten niederländischen Haushalts erwirtschaften.

Holländische Kolonialisten kontrollieren Erträge der Einheimischen Quelle: ZDF

Doch dann tritt etwas ein, das die niederländische Kolonie zutiefst erschüttert: eine Katastrophe von gigantischen Ausmaßen. Am 27. August 1883 fliegt der Krakatau in die Luft, ein 800 Meter hoher Vulkan, der Java vorgelagert ist. Es ist die stärkste Eruption die jemals gemessen wurde. Der dadurch ausgelöste Tsunami fordert auf Java und Sumatra fast 40.000 Todesopfer.

Die Stimmung kippt

Wut und Verzweiflung treibt die Überlebenden zu den islamischen Geistlichen. Die Inselbewohner beginnen sich zu fragen: Hat nicht Gott den Himmel verfinstert und den Boden des Meeres angehoben? Begehen sie nicht eine schlimme Sünde, weil sie Ungläubigen dienen? Sie kommen zu einem Schluss: Die Ungläubigen müssen bekämpft werden. Damit wird die Naturkatastrophe zum Auslöser für einen Aufstand gegen das Kolonialregime.


Im Morgengrauen fallen die Unzufriedenen über Siedler und Beamte her und machen sie nieder. In den Hass auf die Ungläubigen mischt sich ihre Wut über drückende Steuerlasten der niederländischen Verwaltung. Zwar kann das Kolonialregime die blutige Revolte im Westen der Insel Java wieder ersticken. Aber das Ausmaß des Aufstandes zeigt, dass der Widerstand gegen die Herrschaft der Niederländer wächst.

Holländische Stadt mit tropischem Klima

Trotz der Unruhen lenken die Holländer zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Batavia aus ein Reich, das den Anschein hat, als sei es für die Ewigkeit gemacht. Eine Kolonie, tausendmal größer als das Mutterland, verwaltet von einem niederländischen Beamten. Einheimische haben kein Mitspracherecht. Die Hauptstadt hat sich zu einer quirligen Metropole mit über 200.000 Einwohnern entwickelt, deren Zentrum sich auf den ersten Blick kaum von einer europäischen Kapitale unterscheidet. In Batavia leben in erster Linie Niederländer. Das Ende der Kolonie kommt schließlich unerwartet - und es kommt von außen.

Sie können nicht loslassen

Aufmarsch japanischer Soldaten Quelle: ZDF


Der Zweite Weltkrieg bricht aus. Zwischen Dezember 1941 und März 1942 erobern Japaner große Teile Indonesiens. Die Sieger stecken die ehemaligen Kolonialherren in Internierungslager, in denen sie ein menschenunwürdiges Leben fristen. Drei Jahre später scheint der Spuk vorbei. Am 17. August 1945 muss Japan kapitulieren, doch die Besatzungszeit hat Folgen.

Noch am Tag der japanischen Kapitulation ruft Achmed Sukarno, Kopf der indonesischen Unabhängigkeitsbewegung, die Republik aus. Aber die Niederlande werden ihre Kolonie nicht kampflos aufgeben und entfesseln einen blutigen Krieg, der offiziell als "Polizeiaktion" bezeichnet wird.

Achmed Sukarno Quelle: ZDF

Doch die Regierung in Den Haag gerät durch die Aktion unter internationalen Druck. Vor allem durch die USA und England, die Sukarnos Republik anerkennen. 1949 geben die Niederlande schließlich nach und entlassen Indonesien nach über dreihundertjähriger Kolonialherrschaft in die Unabhängigkeit. Für viele Holländer ist es ein schmerzlicher Abschied von einem Leben unter tropischer Sonne. Heute erinnern nur noch überwachsene Gräber an Niederländisch-Indien, wo einst das Gold auf den Bäumen wuchs.

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