Das Ende des Mongolenreiches

Das Imperium zerfällt in vier Khanate

Der Franziskanermönch Wilhelm von Rubruk verlässt die Stadt am Orchon im Frühjahr 1254. Und noch einmal lernt er eine Errungenschaft der Mongolen kennen, die im krassen Gegensatz zur europäischen Vorstellung von den "unzivilisierten Barbaren" steht. Doch um 1388 wird die Hautptstadt dem Erdboden gleich gemacht. Das Ende des Mongolenreiches.

Der "Geheimen Geschichte" zufolge hatte Ögödei Khan verfügt: Aus den einzelnen Truppen der verschiedenen Gebiete sollen Postleute und Pferdeburschen gestellt, und einzelne Poststationen eingerichtet werden, so dass man die Kuriere nicht mehr bei der Bevölkerung entlang leitet, sondern über die Poststellen reiten lässt." Diese Poststationen dienen Reisenden zum Wechsel der erschöpften Pferde und zur Versorgung mit Proviant. Rubruk berichtet, dass ihm seine Begleiter wegen seiner Leibesfülle besonders kräftige Tiere aussuchen und sich über ihn lustig machen.

Nachrichten in jeden Winkel

Bevorzugte Behandlung genießen sonst ausschließlich die Träger von bestimmten Siegeln. Die so genannten "Paixas" weist einen Reiter als Kurier aus, der Erlasse und Botschaften im Auftrag des Khan zu überbringen hat. Unser Wort Pass leitet sich vom mongolischen "Paixas" ab. Kurierreiter haben Vorrang vor anderen Reisenden. Sie erhalten umgehend ein ausdauerndes und schnelles Pferd. Höchstens 20 bis 30 Meilen liegen zwischen den Stationen, Schätzungen gehen davon aus, dass im ganzen Mongolenreich über 200.000 Pferde bereitgehalten wurden. Innerhalb von nur sieben bis elf Tagen gelangen Nachrichten über Tausende von Meilen vom Hof des Khan in jeden Winkel des riesigen Imperiums.

Seine größte Ausdehnung erfährt das Reich unter Kublai Khan, der 1260 seinen Bruder Mönke beerbt. Kublai, der von chinesischen Lehrern erzogen wurde, unterwirft das gesamte Reich jenseits der Großen Mauer und begründet die Yüan-Dynastie. Er wird in die Abfolge der rechtmäßigen Herrscher Chinas aufgenommen. Auf dem Gipfel seiner Macht verlegt er 1271 die Hauptstadt des Weltreiches von Karakorum ins heutige Peking. China war dem Rest der Welt bislang verschlossen. Kublai Khan öffnet die Grenzen.

Austausch zwischen Ost und West

In der Tradition seiner Vorgänger fördert der weltoffene Herrscher auf dem Himmelsthron den Austausch zwischen Ost und West. Europäische Reisende - unter ihnen Marco Polo - gelangen bis an den Hof des Khan und berichten später einem staunenden Publikum von einer fremden Kultur, von der in Europa bislang niemand etwas ahnte. Die Yüan-Dynastie jedoch sollte kaum 100 Jahre Bestand haben. Denn als Kublai Khan 1294 stirbt, kann keiner seiner Nachfolger die widerstrebenden Kräfte im Reich zusammenhalten. Das Imperium zerfällt in vier Khanate. Nur das "Reich der Goldenen Horde" im südlichen Russland hatte bis in das 16. Jahrhundert Bestand.

In China vertreiben Aufständische die Mongolen-Kaiser nach einer Reihe von Naturkatastrophen, für die die fremden Herrscher verantwortlich gemacht werden. Die mongolische Armee wird in die Steppe jenseits der Großen Mauer zurückgeschlagen. Mit der Rückkehr in die ehemalige Hauptstadt Karakorum versucht man ein letztes Mal, zu alter Größe aufzusteigen - vergeblich. Im Jahre 1388 machen chinesische Truppen die Stadt Dschingis Khans dem Erdboden gleich. Das Ende einer Epoche, in der von diesem Ort in der Steppe aus Weltgeschichte geschrieben wurde.

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