Das Erbe des Prinzeps

Wer wird Augustus' Nachfolger?

Je älter er wurde, desto mehr quälte Augustus die Sorge um einen geeigneten Nachfolger. Er war überzeugt davon, das Römische Reich könne nur weiter bestehen, wenn es von einer einzigen Person geführt würde - vorzugsweise aus seinem eigenen Hause.

Obwohl Augustus faktisch Alleinherrscher des Römischen Reiches war, gab es keinen Titel, der seine monarchische Gewalt hätte ausdrücken können. Seine Macht war aus verschiedenen, an seine Person gebundene, Rechten zusammengesetzt. Eine solche Stellung konnte nicht ohne Weiteres auf einen anderen übertragen werden. Hätte Augustus dies getan, wäre sein mühevoll errichtetes "Lügengebäude" von der Wiederherstellung der Republik in sich zusammen gefallen, da Senat und Volk in diesem Falle kein Mitbestimmungsrecht gehabt hätten.

Wer wird der neue Kaiser?

Die Nachfolge war also sowohl staatsrechtlich als auch politisch immer noch offen. Nach geltendem Recht würden nach Augustus' Tod dessen Rechte und Stellung an den Senat und das Volk zurückfallen. In der Vergangenheit hatte sich dieser Umstand als nicht sehr glücklich für Rom erwiesen. Augustus war von Anfang an darauf bedacht, seine Position innerhalb seiner eigenen Familie zu halten.

Um den Senat in seinem Sinne zu lenken, bot er - wie schon bei der politischen Neuordnung - sein komplettes medienpolitisches und manipulatives Geschick auf. So beschäftigte sich der Senat bald nur noch mit der Frage nach dem neuen Kaiser. Aber genau diese Tatsache wurde für Augustus fast zum Stolperstein, denn er hatte selbst keinen Sohn, dem er sein Vermögen und seine Klientel vermachen konnte.

Ein Leben für den Vater

Augustus' einzige Tochter Julia hatte jedoch aus der ihr auferzwungenen zweiten Ehe mit Marcus Aggrippa zwei Söhne, Gaius und Lucius. Der Prinzeps adoptierte die beiden Jungen, seine Enkel wurden seine Söhne. Die Absicht dahinter war klar: Julias Kinder sollten seine Nachfolge antreten. Aggrippa, der Vater der jungen Cesares, verfügte als zweiter Mann im Staat zusätzlich über die Kompetenzen, um den Prinzeps ersetzen zu können, bis Gaius und Lucius alt genug waren.

Doch im Jahre 12 vor Christus starb Aggrippa, die beiden Jungen waren noch unmündig und hätten im Falle von Augustus' Tod nicht die Macht übernehmen können. Der Prinzeps wusste das und ergriff sogleich weitere Vorkehrungen, denn die Nachfolge musste unbedingt gesichert sein. Er adoptierte also Tibrius, den Sohn seiner dritten Ehefrau Livia, zwang diesen, sich von seiner Frau Vipsania scheiden zu lassen und verheiratete ihn wiederum mit seiner eigenen Tochter Julia. Außerdem musste Tiberius Augustus' leiblichen Neffen Germanicus adoptieren. Sowohl Tiberius als auch Julia waren mehr als unglücklich über die Heirat, sie konnten sich dem Willen des Prinzeps aber nicht widersetzen.

Durchkreuzte Pläne


Obwohl Tiberius als Feldherr in Germanien sehr erfolgreich war, stattete Augustus ihn nur mit wenigen Rechten und Gewalten aus. Zudem musste Livias Sohn mitansehen, wie Julias Sohn Gaius vom Prinzeps fünf vor Christus in den Senat berufen und im gleichen Jahr zum Konsul bestimmt wurde. Wenig später empfing der jüngere Lucius die gleichen Rechte.

Doch Augustus' Pläne wurden erneut durchkreuzt. Sowohl Gaius als auch Lucius starben. Die Hoffnung auf einen blutsverwandten Nachfolger musste der Prinzeps mit seinen beiden Adoptivsöhnen begraben. Nun war Tiberius' Stunde gekommen. Er erhielt nun alle Vollmachten, die für die Führung des Staates notwendig waren. In seinem Testament vom 13. April 13 nach Christus setzte Augustus ihn als seinen Haupterben ein.

Tod und Zukunft

Die konsequente Verwirklichung seiner Ideen machte Augustus im Alter einsam und kostete ihn seine Gesundheit. Seine große Schwäche und Verwundbarkeit war die Familie. Und trotzdem opferte er das persönliche Glück seiner Lieben einem grenzenlosen Machtstreben. Ein Feingeist mit dem Hang zu Hochmut und Größenwahn - zeit seines Lebens.

Der Erhabene starb am 19. August 14 nach Christus. Schon bald darauf erhob ihn der Senat zum Gott. Der erste Kaiser Roms trug fortan die Gloriole der Unsterblichkeit. Und alle 91 Nachfolger führten im Titel den Beinamen "Augustus".

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