Das "Fleisch der Götter"

Edelmetall mit magischen Eigenschaften

Für die Grimms jedenfalls war Materie, die vom Himmel fällt, ein heiliger Lohn und daher aus Gold. Das glänzende Metall wurde schon immer mit den Mächten der jenseitigen Welt in Verbindung gebracht. Als "Fleisch der Götter" blieb es über Jahrtausende mächtigen Herrscherfamilien vorbehalten.

Sie ließen daraus prachtvolle Gegenstände für ihre Tempel und Paläste anfertigen. Als filigraner Schmuck zeugte das edle Material vom außerordentlichen Reichtum des Besitzers.

Verjüngende und heilende Eigenschaften

Heilkundler schrieben Gold magische Eigenschaften zu. Ihrer Meinung nach hat es eine verjüngende Wirkung und vertreibt Krankheitserreger aus dem Körper. Im späten Mittelalter experimentierte mit dem kostbaren Rohstoff auch der berühmte Arzt und Naturforscher Paracelsus. Er löste Goldpulver in Flüssigkeit auf und setzte das Wundermittel gegen Infektionen aller Art, Depressionen und Herzbeschwerden ein.


Als Messbecher benutzten die Alchimisten jene am Rand hoch gewölbten Regenbogen-Schüsselchen, die dem Volksglauben nach als Goldtropfen zur Erde fielen. Die elementare Kraft der Sonne soll die Gebilde in der Luft geschaffen und geformt haben. Daher hüteten die studierten Männer die kleinen Kostbarkeiten und verehrten sie wie Reliquien. Medizin aus der uralten Münze auf die Zunge geträufelt, versprach sofortige Genesung - so die Vorstellung. Woher die geheimnisvollen Stücke, die in der Phantasie der Menschen Zauberkräfte besaßen, aber tatsächlich stammten, wusste keiner. Nicht einmal der spektakuläre Fund von 1751 im Landkreis Dachau brachte Licht ins Dunkel.

Die Schüsselchen der Kelten

Erst 1860 gelang dem Archäologen Franz Streber für die Herkunft der Münzen eine bahnbrechende Erkenntnis. Er entwarf eine Karte mit den Fundorten und stellte fest, dass sie mit Siedlungsplätzen der Kelten zusammenfallen. Die niedlichen Näpfchen sind demnach mehr als 2000 Jahre alt. Die sagenhaften Schüsselchen sind das schimmernde Gepräge eines Volkes, das der Forschung bis heute Rätsel aufgibt. Fest steht: Die Stämme breiteten sich zwischen dem 7. und 3. Jahrhundert vor Christus über Europas aus.

Viele ihrer Zeitgenossen beschimpften die Kelten als ungehobelte Barbaren, denn sie kämpften ständig gegeneinander, brachten Menschenopfer und waren Kopfjäger. Andererseits pflegten die stolzen Krieger Traditionen und religiöse Bräuche, haben aber offensichtlich nichts niedergeschrieben. Zumindest existiert kein literarisches Vermächtnis. Sie lebten in Familienverbänden und nutzten das Land gemeinschaftlich.

Autarkes Volk

Ihre Neuerungen im Ackerbau und bei der Verarbeitung von Getreide verschafften ihnen die Möglichkeit, ihre Produkte zu guten Preisen zu vermarkten. Um autark zu sein, stellten sie so viele Erzeugnisse wie möglich selbst her. Darunter Textilien wie Kleidung, Teppiche und Decken. An den Webstühlen entstanden aus Rohwolle kleine Kunstwerke. Die Frauen kreierten ständig neue attraktive Muster aus Farbe und Form.


Nach griechischem Vorbild schufen die Kelten auch eigene Münzen. Dafür wurden zunächst Rohlinge zu gleichmäßig schweren Klumpen gegossen. Durch einen Schlag mit dem Hammer prägte sich das Motiv der Stempelvorlage ins weiche Metall. Dabei stülpte sich der Rand nach oben. Der Mythos vom Regenbogen-Schüsselchen endet also in einer simplen Erklärung. Die Kelten selbst vergruben die Münzen in der Erde, um sie vor Feinden zu verstecken. Oder sie übergaben die Näpfchen in einem Opferritual dem Wasser - mit der Bitte um Schutz für die Gemeinschaft.

Nur der Mythos bleibt



Mit dem Untergang ihrer Kultur ging das Wissen um das geheimnisumwitterte Gepräge verloren. Und rückte vollends in die Welt des Märchens und der Magie. Bei der Niederschrift der Geschichte im Jahr 1812 kannten die Brüder Grimm also nur den Mythos vom Gold am Ende eines Regenbogens.

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