Das Geheimnis der Mona Lisa

Debatte um die Identität der realen Person auf dem berühmten Gemälde

Im Jahre 1503 kehrt Leonardo da Vinci nach Florenz zurück und beginnt mit dem bekanntesten seiner Gemälde. Die Mona Lisa ist ein Meisterwerk, das niemals fertig wird. Bis zu seinem Lebensende im Dienst des Königs von Frankreich, bewahrt er es bei sich auf. Nur wenigen Besuchern führt er es stolz vor. Wen zeigt dieses Gemälde, an dem das Genie jahrelang gearbeitet hat?

Nachbildung Mona Lisa abgefilmt
Nachbildung Mona Lisa abgefilmt Quelle: ZDF

Der Biograf Giorigio Vasari (1511 bis 1574) nennt als Einziger einen Namen für die Person mit dem unergründlichen Lächeln: "Auch unternahm Lionardo für Francesco del Giocondo, das Bildnis der Mona Lisa, seiner Frau zu malen." Die Bezeichnung "Mona Lisa" kommt aber erst im 19. Jahrhundert in Gebrauch. Seitdem ist viel darüber debattiert worden, ob dieser Hinweis richtig ist. Denn die erste Biografie über Leonardo ist nicht frei von Mängeln.

Mehrfach modifiziert?

Leonardo malt an dem Bild vier Jahre und lässt es unvollendet. Niemand weiß, wie oft Mona Lisa in dieser Zeit überarbeitet und damit verändert wurde. Einige Forscher behaupten, dass Leonardo das Werk deshalb nicht herausgab, da es nur noch wenig Ähnlichkeit mit der realen Person gehabt habe. Für den Leonardo-Biografen Carlo Vecce stellt die unbekannte Schönheit eine Kurtisane namens Isabella Guallanda dar. Die Edelprostituierte verkehrte zu Zeiten von Leonardos Aufenthalt in Rom in den höchsten Kreisen der dortigen Gesellschaft. Als ein reicher Gönner das Porträt in Auftrag gab, soll Leonardo das Ursprungsbild modifiziert haben.

Randnotiz zum Thema "Wer war die Mona Lisa?"
Randnotiz zum Thema "Wer war die Mona Lisa?" Quelle: ZDF

In Heidelberg haben Wissenschaftler im Tresorraum der Universitätsbibliothek ein Dokument entdeckt, das vielleicht endgültig das Rätsel der Mona Lisa löst. In einem Archivkarton verbirgt sich eine seltene Druckschrift aus der Zeit der Mona Lisa. In einem Buch hat im Oktober 1503 ein Bekannter Leonardos aus Florenz eine handschriftliche Notiz hinterlassen. Leonardo habe in diesem Monat begonnen, das Porträt einer Kaufmannsgattin zu malen. Ihr Name: Lisa del Giocondo. Die Aussage in Vasaris Biografie wird somit immer wahrscheinlicher.

Abschied in Frankreich

Ein weiteres Spätwerk und sein vermutlich letztes Gemälde ist "Johannes der Täufer". Es könnte auf einen Auftrag des Florentiner Papstes zurückgehen, den Schutzheiligen der Stadt Florenz auf einem Gemälde verewigen zu lassen. In der Folge wird er den Pinsel nur noch für Retuschierarbeiten in die Hand nehmen. Aufträge für neue Gemälde nimmt er nicht mehr an. Im Jahre 1516 fasst Leonardo den Entschluss, Italien zu verlassen. 64-jährig macht er sich nach Frankreich auf - die längste Reise seines Lebens. Als "Maler des Königs" lässt er sich in der königlichen Festung Amboise an der Loire nieder. Leonardos letzte Adresse ist das Herrenhaus in Cloux, das heutige Schloss Clos Lucé.

Da Vinci als alter Mann (Spielszene)
Da Vinci als alter Mann (Spielszene) Quelle: ZDF

Am 10. Oktober 1516 sind der Kardinal von Aragon und sein Sekretär auf dem Weg zum größten Wunder ihrer Zeit. "Wir gingen dorthin, um Meister Leonardo aus Florenz zu treffen", wird der Sekretär später in seinem Tagebuch notieren. Der berühmte Mann empfängt sie freundlich. Den Besuchern scheint er vor der Zeit gealtert, er ist krank und schwach, aber ungebrochen im Geist. Noch einmal wird er den überraschten Gästen sein berühmtestes Gemälde zeigen, die Mona Lisa. Nie hat er dieses Bild mit seiner rätselhaften Figur aus der Hand gegeben. Auf all seinen Reisen hat er es stets mit sich geführt. Das Werk eines Meisters, der schon damals Legende ist. Der Kardinal von Aragon ist tief beeindruckt. Die Besucher des Meisters haben das wirkliche Geheimnis dieses einzigartigen Bildes erkannt: Es ist die unendliche Mühe und Sorgfalt des Malers. Leonardo hat es mit all seinen Fähigkeiten gemalt. Das Rätsel, das sich darin verbirgt, ist das Rätsel seines Genies. Leonardo stirbt im Frühjahr 1519 im Alter von 67 Jahren.

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