Das Gesicht des Neandertalers

Von der virtuellen Rekonstruktion zur Büste

Längst nicht jeder Forscher darf den Neandertaler einfach unter die Lupe nehmen. Nur für die erfolgversprechendsten Untersuchungen geht der Mann aus dem Kalk hin und wieder auf Reisen. Zum Beispiel um die Frage zu beantworten: Wie hat der Neandertaler ausgesehen?

Die Kalotte allein ließ keine Rückschlüsse auf die Gesichtszüge des Eiszeitlers zu.

Rekonstruierter Schädel

Die Rekonstruktionsspezialisten Christoph Zollikofer und Marcia Ponce de Léon aus Zürich sind erst durch die von Schmitz neu entdeckten Teile in der Lage, den für immer verloren geglaubten Gesichtsschädel des Neandertalers zu rekonstruieren. Mit einer speziell entwickelten Software fügen die Wissenschaftler alle Stücke zusammen, ohne die Originalfossilien zu berühren.




Die Suche nach dem Gesicht des Neandertalers führt ins Institut caesar nach Bonn. Hier werden die von Ponce de León und Zollikofer angelieferten Daten von der virtuellen Welt in die reale Welt übersetzt. In einem Gefäß mit flüssigem Kunstharz bewegt sich ein Laserstrahl, der das Harz Schicht für Schicht nach der Vorlage der Computerrekonstruktion aushärtet. In mehr als 24 Stunden entsteht auf diese Weise detailgenau der Schädel des Mannes aus dem Neandertal. Zum ersten Mal seit 150 Jahren ist die Knochenstruktur des ursprünglichen Gesichtes wieder erkennbar.

Individuelle Züge

Doch wie wird aus einem Schädel ein Gesicht? Das Atelier Manufaktur in München ist die nächste Station. Hier soll auf der Basis der Stereolithographie eine Büste entstehen, die möglichst viele individuelle Züge des Mannes aus dem Neandertal spiegelt. Um die Dicke der Fett- und Muskelschichten zu bestimmen, kann man mit den Werten eines durchschnittlichen mitteleuropäischen Mannes arbeiten, aber welches Leben hat der Neandertaler geführt und welche Spuren hat es im Gesicht des Neandertalers hinterlassen?

Eine Büste zeigt, wie der Neandertaler ausgesehen haben könnte: Wimpern aus Naturhaar, eine realistisch wirkende Darstellung der Narbe, Augen, deren Schnitt und Farbe zum Gesamtbild passen müssen. Einzeln implantierte Kopf, Bart- und Brustbehaarung. Für Ralf Schmitz ist es die erste Begegnung mit dem Mann aus dem Neandertal: "Ich finde es sehr schön, dass die Haare nicht in die Stirn fallen, weil man hier natürlich noch die charakteristischen Überaugenwülste sehen kann, die fliehende Stirn."




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