Das Goldene Goa

Heilige Gebeine im einst prächtigen Kloster St. Augustin?

Mitte des 16. Jahrhunderts nannte man die glanzvolle Hauptstadt "Goa Dourada", das Goldene Goa. Unvorstellbar, dass sie zeitweise mehr Einwohner als Rom oder London hatte. Die ehemalige Metropole ist heute eine Geisterstadt.

Goa Computeranimation Quelle: ZDF

Bauforscher Sidh Mendiratta sucht nach den Alltags-Zeugnissen der portugiesischen Herrschaft. Er durchstreift die Ruine eines verlassenen Wohnhauses. Die Natur hat sich Stück für Stück zurückerobert, was die Kolonialherren ihr im Laufe der Jahrhunderte entrissen. Die Wildnis am Heiligen Hügel Old-Goas war einst das Zentrum einer pulsierenden Weltstadt, das "Rom des Ostens".

Mehr Kirchen als Rom

Vor 400 Jahren war Portugals strahlendste Perle im Kolonialreich eine der größten Städte der Welt. Gebaut nach dem Stadtplan von Lissabon. Hafen und Handel hatten sie reich gemacht. Sie besaß zeitweise mehr Kirchen als Rom. Die Ruine des Glockenturms von St. Augustin ist noch zu einem Drittel erhalten. Prachtvolle Klosteranlagen beherrschten den Heiligen Hügel.

Ruine St. Augustin (2) Quelle: ZDF

Seit Jahren arbeiten indische Archäologen an ihrer Freilegung. Ihnen geht es um mehr als um pure Kolonialgeschichte, sie wollen auch ein altes religiöses Geheimnis lösen, ein Sakrileg, das inzwischen die Regierungen zweier Staaten beschäftigt. Unter dem Schutt von St. Augustin werden die heiligen Gebeine einer Königin vermutet.

Virtuelle Rekonstruktion St. Augustin Quelle: ZDF

Legende vom Schwarzen Schrein

Durch präzise Grabungen wollen die Wissenschaftler herausfinden, welche Rolle das Kloster St. Augustin im Machtkampf der Religionen spielte. Sie wollen verstehen, warum der Schwarze Schrein mit seinen Reliquien eine so überragende Bedeutung besitzt. Doch die Puzzleteile liegen weit verstreut, die Ausmaße der Klosteranlage sind gewaltig. Die Suche des portugiesischen Wissenschaftlers Sidh Mendiratta basiert auf Indizien, die er in alten Chroniken entdeckt hat. Dort ist die Legende des Schwarzen Schreins aufgezeichnet. 1627 entführten Augustinermönche eine schwarze Kiste aus Persien nach Goa. Ihr Inhalt: Gebeine der georgischen Königin Ketevan.

Schwarzer Schrein Quelle: ZDF

Nach schweren Foltern starb Ketevan als Märtyrerin für ihren christlichen Glauben. Die Reise ihrer Gebeine führte über die Arabische See in den Konvent von St. Augustin. Dort wurden ihre Reliquien als größter Schatz gehütet. Bis sich mit der Auflösung des Klosters die Spur des Schwarzen Schreins verliert. Raub oder Schändung einer Reliquie gilt als Frevel, als Sakrileg. Im katholischen Märtyrerkult gilt, dass in den Reliquien der Heilige gleichsam persönlich zugegen sei. Zu dieser Zeit herrschte eine regelrechte Reliquien-Manie. Die Reliquien von Heiligen und Märtyrern schweißten die Menschen in einer Art religiösem Fieber zusammen.




Schatzkarte Quelle: ZDF

Lokalisierung des Schreins

Aus den alten Chroniken hat Sidh Mendiratta den einstigen Standort des Schreins rekonstruiert und eine Art "Schatzkarte" gezeichnet. Demnach lag er in der Kapitel-Kapelle des Klosters, am zweiten Fenster rechts vor dem Altar. Doch dort ist von einem Schrein keine Spur zu sehen. Die indischen Archäologen haben über 100 Arbeiter in St. Augustin zusammengezogen. Bauforscher Mendiratta sammelt Daten, um den Komplex virtuell aufleben zu lassen. Das Kloster beherrschte Old-Goa und den Mandovi River und wurde von über 200 Mönchen und mehreren hundert Bediensteten bewohnt.

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