Das größte Pyramidenzentrum der Welt

Ein Tal mit rund 250 Pyramiden und einst glanzvollen Metropolen

Rund 100 Jahre nach Brünings Pionierleistung versucht ein internationales Team aus Wissenschaftlern, das Rätsel der Pyramidenbauer aus dem Lambayeque-Tal zu ergründen. Etwa 500 Jahre alte Skelette liefern den Fachleuten erste Einsichten über die Bewohner, ihre Rituale und ihr dramatisches Ende.

Überblick über eine Vielzahl von Pyramiden-Ruinen von Tucume Quelle: ZDF

Grabbeigaben aus unterschiedlichen Epochen belegen, dass Generationen von Fürsten in Tucume residierten und bis zuletzt ihren Glauben an die Allmacht der Naturgötter zelebrierten. Ihr Hauptheiligtum war die Pyramide Huaca Larga, die wie eine Himmelsrampe dem angrenzenden Berg "La Raya" entgegenwächst. Für jeden Herrscher bedeutete es eine Frage der Ehre, die Anlage immer weiter auszubauen.

Drei glanzvolle Metropolen

Das Lambayeque-Tal ist von Pyramiden überzogen, nicht nur Tucume. Insgesamt sind es rund 250 und es gibt nichts Vergleichbares. Im Tal liegt das größte Pyramiden-Zentrum der Welt. Und drei einst glanzvolle Metropolen führen die Rangliste an. Zunächst Pampa Grande, dort steht nur eine Pyramide, aber sie ist riesig. Der Koloss aus Lehmziegeln misst immerhin 30 Meter Höhe und 200 Meter Breite. In Batan Grande sind es über ein halbes Dutzend. Schließlich der Ausnahmeort in Südamerika: Tucume mit 26 gewaltigen Monumenten, geballt auf einer Fläche von 220 Hektar, etwa der Größe des Fürstentums Monaco.

Karte mit Lage aller Pyramiden im Lambayeque-Tal Quelle: ZDF

Die Tradition der Pyramiden im Lambayeque-Tal reicht weit in die Vergangenheit zurück. Im 2. Jahrhundert glänzten zunächst die Moche als frühe Architekten in dem fruchtbaren Gebiet. Ihnen folgten die Lambayeque, die um 1100 einwanderten. Einer Legende zufolge begründete ihr Nationalheld Naymlap die Dynastie von Tucume und ließ dort den ersten Tempel errichten. Es war der Beginn eines beispiellosen Baubooms. Ähnlich wie im Alten Ägypten waren die Anlagen das weithin sichtbare Symbol herrschaftlicher Macht.

Ruhestätten für die Ewigkeit

Mit eigenen Händen einen Berg zu schaffen schien die Patentlösung für den Traum der Sterblichen, den Göttern nahe zu sein. So türmten die Maya im mexikanischen Chichén Itzá Steinquader zu imposanten Stufentempeln auf. Ruhestätten für die Ewigkeit ließen die Pharaonen im Land am Nil hochziehen. In der sudanesischen Wüste stehen zahllose Mausoleen. Wie spitze Keile wachsen sie aus dem weichen Sand. Der Prototyp des Erfolgsmodells aber ist Ur im heutigen Irak.

Wie auf den Stufenpyramiden in Mexiko, so hielten Priester auch in Tucume auf den Tempelbauten regelmäßig Rituale ab. Im Schutz des zentralen Berges gruppierten sich die 26 Heiligtümer zu einem architektonischen Ensemble der Extraklasse. Im Zentrum die Huaca Larga, 700 Meter lang, 100 Meter breit und 40 Meter hoch. Es ist die größte Pyramide der Welt - mitten in der Stadt. Angelegt in Stufen mit Rampen. Auf unterschiedlichen Flächen liegen Wohnräume und Magazine, auf der obersten Plattform stehen Haupt- und Nebentempel. Der Lehmziegel-Gigant stellt alle anderen Bauten in den Schatten. Allein die Fläche der Plattform umfasst sieben Fußballfelder. Eine überwältigende Machtdemonstration, um feindliche Stämme das Fürchten zu lehren.

Grafik der 26 Heiligtümer von Tucume Quelle: ZDF

Abgeschirmter Platz für die Elite

Für eine gelungene Statik der Monumente sorgte ein massives Fundament aus Kammern, die mit festgestampftem Geröll verfüllt wurden. Immerhin trug der künstliche Berg die schwere Last großzügig angelegter Gebäude. Ein abgeschirmter Platz für die Elite des Staates, den nicht jedermann betreten durfte. Von der Ebene aus führte der einzige Zugang über eine 120 Meter lange Rampe auf das Plateau. Entlang der Strecke warteten Wachposten in kleinen Schutzräumen. Sie kontrollierten jeden Besucher, der die endlos langen Gänge hochlaufen wollte.

Immer nach der Maisernte begann im Lambayeque-Tal die Saison des Pyramidenbaus. Heerscharen von Bauern machten sich gemeinsam ans Werk. Wie am Fließband fertigten sie Abermillionen von Lehmziegeln - die Menge für einen einzigen Tempelturm. Form und Größe der Ziegel variierten - von brotähnlichen bis hin zu lang-rechteckigen Exemplaren. Bevor die brennende Sonne die so genannten Adoben aushärtete, drückten die Männer unterschiedliche Zeichen in den feuchten Lehm - je nach Arbeitsgruppe oder Stifter.

Fertigung der Lehmziegel (Spielszene) Quelle: ZDF

Masterplan für eine ganze Epoche

Die Konstruktion der Pyramiden folgte einem bestimmten Muster, wie ein Architekturmodell aus jener Zeit beweist. Sozusagen ein Masterplan, der einer ganzen Epoche Form, Aufbauten und Material vorgab. Für Gerüste und Deckenkonstruktionen benutzten die Arbeiter Baumstämme aus den umliegenden Wäldern. Radiocarbon-Analysen des Holzes datieren die Huaca Larga um das Jahr 1100. Um die Ziegel haltbarer zu machen, mischten die Männer der Erde Lamadung bei. Die künstlichen Berge aus dem umweltfreundlichen Baustoff sollten auf ewig vom Ruhm der Lambayeque künden.

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