Das große Sauropoden-Sterben

Geologe Lee Kump erforscht die Ursachen an stehenden Gewässern

Das globale Förderband verbindet die Ozeanströme der Welt. 1000 Jahre dauert es, bis das Wasser einmal die Erde umrundet hat. Sein globales Netzwerk kontrolliert den gesamten Planeten. Wie wichtig das Förderband tatsächlich ist, wird vor allem dann klar, wenn es einmal nicht funktioniert. Forschungen am Green Lake sollen die Folgen verdeutlichen.

Computeranimation Sauropoden Quelle: ZDF

Im Perm, vor 250 Millionen Jahren, war die Erde von spektakulären Wesen bevölkert. Man nennt sie Sauropoden wegen ihrer Ähnlichkeit mit den Dinosauriern, aber sie lebten schon einige Millionen Jahre vor den ersten Sauriern. Zu ihrer Zeit erwärmte sich die die Erde gerade. Hitze und Dürre machten den Tieren erheblich zu schaffen, aber es sollte noch schlimmer kommen. Als die Temperaturen weltweit so angestiegen waren, dass an den Polen das Wasser nicht mehr ausreichend abkühlen konnte, um abzusinken, war ein kritischer Punkt für das globale Förderband überschritten. Die Ozeanströmungen kamen zum Erliegen und das Meer verwandelte sich in einen Friedhof.

Überreste toter Meeresbewohner

Schwarze Ablagerungen in den Dolomiten Quelle: ZDF

Beweise für die große Katastrophe kann man an ziemlich ungewöhnlichen Orten finden, zum Beispiel in den Dolomiten. Die Gesteinsschichten der majestätischen Gebirgskette an der Grenze zwischen Österreich und Norditalien, lagen nicht immer in luftiger Höhe. Vor 150 Millionen Jahren waren diese Schichten ein Meeresboden. An vielen Stellen findet man hier eine schwarze Ablagerung, die sich deutlich von den anderen Sedimenten abhebt. Sie besteht aus den Überresten von Milliarden toter Meeresbewohner. Normalerweise entsteht eine solche Schicht, wenn ein Gewässer stagniert. Diese Schicht beweist, dass der Lebensraum Meer zusammenbrach, als das Globale Förderband zum Stillstand kam.

Tierschädel in der Wüste Quelle: ZDF

Was aber hat das Sterben im Meer mit den Sauropoden zu tun? Seltsamerweise starb zu dieser Zeit auch nahezu jedes Landlebewesen aus. Dass es zu einem Massensterben der Meeresbewohner kam, ist nicht verwunderlich. Denn ohne Sauerstoff- und Nährstoffverteilung war vielen die Lebensgrundlage entzogen. Warum aber starb auch ein Teil der Landbewohner aus? Bis vor kurzem war diese Verbindung nicht ganz klar. Nähere Untersuchungen an stehenden Gewässern gaben nun Aufschluss über diese Entwicklung. Der Greenlake im Staat New York könnte darauf eine Antwort bereithalten.

Green Lake Quelle: ZDF

Gifte in großen Mengen

Das Tauchen im Greenlake ist ziemlich gefährlich. Man muss aufpassen, dass man sich nicht zu lange den Giften aussetzt, die hier in großen Mengen im See vorhanden sind. Deswegen taucht Geowissenschaftler Lee Kump nie allein, zu groß ist die Gefahr unter Wasser ohnmächtig zu werden. Sobald das Wasser rosa wird, beginnt die Gefahrenzone.

Taucher im Green Lake Quelle: ZDF

In 20 Meter Tiefe ist der Bereich, wo das sauerstoffhaltige Wasser plötzlich aufhört. Ohne Sauerstoff erwartet man eine öde Welt, in der es kein Leben gibt. Das bedeutet, Lee setzt sich einem der gefährlichsten Gifte der Welt aus. Man nennt die Substanz Schwefelwasserstoff. Sie entsteht in stagnierenden Gewässern.

Zerstörung aus dem Wasser

In diesem See ist der Schwefelwasserstoff unter der Oberfläche gefangen, aber vor 250 Millionen Jahren scheint das anders gewesen zu sein. Die schwefelwasserstoffreichen Wassermassen stiegen an die Oberfläche und gelangten in die Atmosphäre. Auf diese Weise kam die Zerrstörung vom Wasser an Land. Auf dem Weg zur Oberfläche löschte das Gift fast alles marine Leben aus. Schwefelwasserstoff ist etwa so giftig wie Cyanid. Als es schließlich aus den Ozeanen ausgaste tötete es nahezu alles Leben, das mit ihm in Berührung kam. Vermutlich war der Zusammenbruch des Globalen Förderbandes dafür verantwortlich, dass rund 90 Prozent aller Tierarten ausstarben. Diese Katastrophe ist eine Mahnung, was passieren kann, wenn das feine Geflecht der Meeresströmungen einmal zum Stillstand kommen sollte.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet