Das Imperium schlägt zurück

Neue Grenzverteidigung

Um 300 schlägt das Imperium zurück. Kaiser Diokletian reorganisiert die Grenzverteidigung grundlegend. Welche Rolle spielte dabei das römische Straßennetz? Der Mainzer Althistoriker Theodor Kissel erforscht seine Geschichte.

Palmyra, die sagenhafte Oasenstadt in der Wüste, lag an der neuen Verteidigungslinie. Diokletian sicherte die einst so reiche Handelsmetropole durch die Errichtung eines Legionslagers.

Suche nach der Militärstraße

Die "Strata Diocletiana", die neue Militärstraße, verband Bostra im Süden und Sura im Norden. So ist es überliefert. Gibt es heute noch Überreste? Westlich von Palmyra sucht Theodor Kissel nach den Zeugnissen des römischen Komunikationssystems in der Wüste.


Theodor Kissel findet einen umgestürzten Meilenstein. Einst stand er an einem Handels- und Heerweg zum Mittelmeer. Die Suche nach der Strata Diocletiana geht aus der Luft weiter. Mit den Genehmigungen des Geheimdienstes und von zwei Drei-Sterne-Generälen bewegt sich das Archäologen-Team im syrischen Luftraum. Militärische Sicherheitserwägungen haben erste Priorität.

Erkennbare Unterschiede

Das unter Diokletian erbaute Kastell Han al-Hallabat ist kleiner als Qreiye und mit seinen vorspringenden Ecktürmen stark befestigt. Auch nach beinahe 2000 Jahren sind die Unterschiede immer noch gut zu erkennen. Sie zeigen, wie viel sich im 3. Jahrhundert änderte.

Die Mauern in Qreiye schützten eine überlegene Streitmacht vor nächtlichen Überfällen. Bei Gefahr rückte man aus und besiegte den Feind in offener Feldschlacht. In Han al-Hallabad war eine viel kleinere Truppe stationiert. Nach den bitteren Erfahrungen mit Schapur konnten sich die Soldaten nun bei Gefahr in das Kastell zurückziehen und auf Hilfe warten.

Gigantischer Schutthügel

Weiter Richtung Nordosten, wo die Grenze des Imperiums weit über den Euphrat hinausreichte, wurde am Nebenfluss Chabur über hundert Jahre vor Diokletian der Limes ausgebaut. Der Berliner Hartmut Kühne ist ein Veteran der Syrien-Archäologie. Rund um den Chabur kennt er beinahe jeden Stein. Seit 25 Jahren gräbt er in Tell Sheich Hamad. Der Tell ist ein gigantischer Schutthügel, in dem eine assyrische Metropole steckt. Doch aus der Luft erkennt Kühne auch die Wälle eines römischen Kastells. Es passt genau in die neue, diokletianische Strategie.

Eigentlicher Forschungsschwerpunkt ist die assyrische Luxus-Stadt Dur-Katlimmu aus dem 7. Jahrhundert vor Christus, in der bis zu 10.000 Menschen lebten. Doch unter dem Wüstensand stößt Kühnes Mannschaft immer wieder auf Spuren der Römer, die 1000 Jahre später datieren, als der Ort Magdala hieß und eine Nebenstrecke der Seidenstraße hier entlang führte.

Doppeltopfbestattung

Über 800 Gräber aus dieser Zeit fanden die Wissenschaftler bereits, häufig mit Beigaben. Besonders interessant sind so genannte Doppeltopfbestattungen. Der Leichnam lag in zwei ineinandergeschobenen Tontöpfen.

Doch Hartmut Kühne steht vor einem Problem, Raubgräber gab es schon in der Antike:

Gemischte Bevölkerung


Die Fibel und weitere Funde aus dem Topfgrab gehörten einer Frau. Da unter römischer Herrschaft eine gemischte Bevölkerung in Magdala lebte, ist es schwer zu sagen, ob es sich um eine einheimische Aramäerin, eine Partherin oder gar eine Römerin handelte. Die Forscher rätseln auch noch, wie Roms Soldaten den Handel am Chabur effektiv schützten.

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