Das Inferno

Ein Komet tötet Tausende von Kelten

Im Herbst 2000 erkunden Schatzsucher die Region um den Chiemsee. Sie suchen zunächst erfolglos mit Detektoren nach wertvollen Gegenständen aus der Vergangenheit, bis sie ein ihnen völlig unbekanntes, metallhaltiges Gestein finden.

An einem kraterähnlichen Loch schlagen die hochempfindlichen Metall-Detektoren plötzlich an. In nur wenigen Zentimetern Tiefe stoßen die Ausgräber auf Unmengen von fremdartigem metallischem Gestein. Keiner von ihnen kann die Herkunft der seltsamen Gebilde erklären. Und keiner ahnt, dass sie vor mehr als 2000 Jahren buchstäblich vom Himmel gefallen sind.

Untergangs-Szenario am Chiemsee

Wie gebannt müssen die Kelten die überraschende Attacke aus dem All beobachtet haben. In nur wenigen Augenblicken bricht das Unheil über sie herein. Eine Wolke aus Staub und Asche verdunkelt die Sonne. Blitzschnell rasen Feuerkugeln auf die Erde zu. Verzweifelt versuchen die Siedler, dem höllischen Inferno zu entrinnen.

Ein Untergangs-Szenario, wie es in Millionen von Jahren nur wenige Male vorkam. Die gleißenden Objekte - Bruchstücke eines Kometen - schieben eine gewaltige Druckwelle vor sich her. Tausende Menschen rund um den Chiemsee sterben auf der Stelle in glühender Hitze. Nur wenige können sich retten. Häuser, Felder und Wälder entflammen. Es ist die Stunde Null für die Kelten im heutigen Bayern.

Haarstern aus Eis und Ammoniak

An der Aufklärung des gewaltigen Unglücks arbeitet seit Jahren ein Forschungsteam aus Astronomen, Geologen und Historikern. Inzwischen steht fest: Es war ein riesiger Himmelskörper, der auf der Erde einschlug - mit der Zerstörungskraft von 8000 Hiroshima-Bomben. Es soll zwar schon größere Einschläge gegeben haben, aber dieser ist wahrscheinlich der mächtigste jemals von Menschen beobachtete gewesen.


Der todbringende Himmelskörper war den Experten zufolge ein Komet. Der Haarstern bewegt sich in der Regel auf einer elliptischen Bahn um die Sonne. Bei jedem Umlauf verliert er einen kleinen Teil seiner Masse, die er als Gas- und Staubschweif mit sich führt. Der Kern besteht hauptsächlich aus Methan, Wassereis und Ammoniak. Daher bezeichnen Fachleute das Objekt auch als "schmutzigen Schneeball".

Hitze und giftige Gase

Die Anziehungskraft der großen Planeten Saturn und Jupiter hat den Chiemgau-Kometen auf eine Bahn ins innere Sonnensystem gezwungen. Deshalb steuerte das gefährliche Projektil mit einem Durchmesser von etwa 1,1 Kilometern direkt auf die Erde zu. Als der Komet mit 43.000 Kilometern pro Stunde in die Erdatmosphäre eindringt, erhitzt er sich binnen weniger Sekunden auf mehrere tausend Grad.


Nach der Explosion in etwa 70 Kilometern Höhe prasseln die Bruchstücke mit atomarer Vernichtungskraft auf die keltischen Siedlungen nieder. Dabei entwickeln sich hochgiftige Gase, die schon für sich allein eine Gefahr für Mensch und Tier bedeuten. Doch vor allem die bis zu 30 Meter großen Gesteinsbrocken bringen das Verderben. Denn sie lösen eine Feuerwalze von fast 15.000 Grad Celsius aus, die nahezu alles Leben auf einer Fläche von 2000 Quadratkilometern vernichtet.

Verlust der Heimat

Das Gebiet nach dem Einschlag - ein gespenstisches Szenario. Giftiger Nebel wabert über dem Land. Wenig später setzen sintflutartige Regenfälle ein, die über viele Tage andauern. Die gefährlichen Wassermassen löschen die Flammen und waschen Asche und verkohlte Überreste weg. Die wenigen Überlebenden müssen wochenlang ausharren, bis die Sonne wieder durch die staubverhangene Wolkendecke dringt.

Als das Unwetter endlich aufhört, haben die Kelten keine Heimat mehr. Ihre Siedlungen sind wie vom Erdboden verschluckt, die Region gleicht einer Mondlandschaft. Vielleicht sind das die Gründe dafür, dass die Wissenschaft bis vor kurzem nichts von dem Jahrtausendereignis ahnte. Auch deshalb, weil die Kelten keine Geschichtsschreibung kannten und niemand von ihnen das verheerende Unglück dokumentierte.

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