Das Leben der Alexandriner

Weltoffenes Klima

Nur wenige Jahre nach der Stadtgründung im Jahr 331 vor Christus war die Einwohnerzahl Alexandrias auf eine halbe Million Menschen empor geschnellt. Prächtige Paläste und Tempel säumten damals die Alleen.

Doch in welchen Häusern lebten die gewöhnlichen Alexandriner? Grzegorz Majcherek von der Universität Warschau ist es gelungen, die Überreste von Wohnhäusern aus der Anfangszeit der Stadt auszugraben.

Wertvolle Tanagrafiguren

Auf Parzellen von rund 600 Quadratmetern spielte sich das Leben einer wohlhabenden Familie ab. Eine großzügige Stadtvilla mit Platz für Garten und Stall. Entdeckungen, wie ein Haus mit seinem griechischen Mosaik, sind selten, aber noch rarer sind Gegenstände aus dem Alltag der Alexandriner. Im griechisch-römischen Museum in Alexandria werden die wenigen Zeugnisse jener Zeit bewahrt. Unter ihnen wertvolle Tanagrafiguren. Man fand sie in den Gräbern junger Frauen. Wahrscheinlich waren sie schon zu deren Lebzeiten ihre Begleiter, Spielzeug und Glücksbringer zugleich.

Güter aus dem Mittelmeerraum

Im weltoffenen Alexandria war das Bild der Frau vom griechischen Ideal geprägt. Das belegen die Details der Tanagrafiguren. Ihre kunstvolle Bemalung hat sich über Jahrtausende erhalten. Sie zeigen, dass sich die Frauen Alexandrias nach griechischer Mode kleideten und frisierten. Doch folgten sie auch den griechischen Konventionen? In Alexandria waren die Griechen auf eine pharaonische Tradition getroffen. War in Griechenland für eine Frau das Leben nur innerhalb ihres Hauses vorgesehen, kannte man in Ägypten sogar mächtige Herrscherinnen.


Wie jede Großstadt war Alexandria von Anfang an auch eine gigantische Produktionsstätte. Wie heute drängten sich die Menschen in den Gassen und versuchten, ihre Güter zu verkaufen. Auf der Straße versorgten sie sich auch mit Essen. Das Frühstück bestand in der Regel aus Brot, eingetunkt in unverdünnten Wein. Wo heute die Fischer ihren Fang an Land bringen, entluden vor 2300 Jahren Sklaven die Handelschiffe der Antike. Güter aus dem gesamten Mittelmeerraum wurden hier umgeschlagen. Der Hafen Alexandrias war Ägyptens Tor zur Welt.

Seit der Gründung veränderte Alexandria immer wieder das Gesicht. In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts war die antike Metropole eine von mediterraner Architektur geprägte Hafenstadt. Heute hält der Fortschritt mit dem Bau moderner Geschäftsgebäude Einzug - auf geschichtsträchtigem Grund.

Rom greift nach der Macht

Inmitten undefinierbaren Abraums kam völlig unerwartet der Torso einer Marmorstatue ans Tageslicht. Der kostbare Fund wurde in den Werkstätten des Forschungszentrums untersucht und präpariert. Zum Erstaunen des Teams stellte sich heraus, dass man die Marmorstatue eines römischen Kaisers gefunden hatte. Alexandria war über 300 Jahre lang die strahlende Königin der antiken Metropolen, als auf der anderen Seite des Mittelmeeres der Aufstieg einer neuen Stadt begann: Rom griff nach der Macht im Mittelmeerraum.

Im Jahr 31 vor Christus unterwarf das römische Imperium auch das Reich der Ptolemäer. Sie überbauten die griechische Stadt radikal und zwangen Alexandria ihre eigene Kultur auf. Die Grabung der Universität von Warschau brachte eine römische Prachtstraße zum Vorschein. Sie verläuft direkt über dem ptolemäischen Wohnviertel. Das Miteinander der Kulturen wurde jäh beendet - die Römer duldeten keine Herren neben sich. Sie machten die glanzvolle Metropole zu einer Provinzstadt ihres Imperiums.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet