Das lebenswichtige Nass

Königin der Karawanen – Das Geheimnis von Saba

40 Kilometer südwestlich von Marib liegt die Oase Sirwah, die erste Hauptstadt der Sabäer. Die kunstvoll gefügte Befestigungsmauer ist unübertroffen in ihrer Perfektion.

Mammut-Projekt

Das weitläufige Gelände ist über und über mit sabäischen Steinen bedeckt. Die Brocken waren in islamischer Zeit als Baumaterial benutzt worden. Ziel der Archäologen war es, die ursprüngliche Architektur möglichst genau wieder herzustellen. Schon vor Jahrzehnten hatten die Wissenschaftler des Deutschen Archäologischen Instituts in Sirwah Hand angelegt und umfangreiche Grabungen durchgeführt. Mehrere Wohnbauten, ein Palast und fünf Tempel waren das Ergebnis der bisherigen Kampagnen.

Geniales Dammsystem

Iris Gerlach leitet seit zwei Jahren die Zweigstelle im Jemen. Sie suchte nach archäologischen Befunden für die Bewässerungstechnik der Sabäer. Das Errichten von Dämmen und Kanälen war die Grundlage für den Reichtum des alten Wüstenvolks. Das Wasser wurde vor einem Damm gestaut und dann über eine kleine Schleusenanlage durch Kanäle in die Oase verteilt. Höchstens zweimal im Jahr regnete es. Auch in Marib gelang den Ingenieuren des Altertums der große Wurf. Schon um 1500 vor Christus errichteten sie einen Damm, der das Tal an bestimmten Stellen abriegelte. Mehr als 500 Jahre lang, bis in die Zeit der Königin von Saba, soll die massive Konstruktion gehalten haben. Nach Schätzungen von Experten ernährte das Land damals etwa 20.000 Menschen. Dammbrüche waren in jener Zeit trotz der soliden Bauweise kein seltenes Ereignis, denn bei Regen stürzten tosende Wassermassen in Windeseile ins weite Tal hinab.

Grüne Inseln mitten im Sandmeer

Um 600 vor Christus errichteten die Sabäer in Marib einen neuen Damm zwischen zwei gewaltigen Schleusen. 2.000 Tonnen Wasser und Schlamm donnerten pro Sekunde gegen dessen 16 Meter hohen Wall. Die breiten Schleusentore regulierten den Druck, weil sie die Fluten sofort in breite Kanäle weiterleiteten. Einen Stausee gab es also nicht. Noch heute nennen die Einheimischen den großen Damm von Marib das achte Weltwunder. Fast 10.000 Hektar Land wurden geflutet und mit Schwemmstoffen gedüngt. Der fruchtbare Schlamm lagerte sich ab und erhöhte den Boden jährlich um elf Millimeter. Im Laufe von 1.200 Jahren mussten daher der Damm und die Kanäle immer wieder aufgestockt werden. Tausende von Arbeitern waren mit Bau und Instandhaltung der Schleusenanlage beschäftigt. Die Ufer der Kanäle dagegen waren nur mit Sand aufgeschüttet. Die überlebenswichtigen Wasserläufe reichten bis zu 40 Kilometer weit in die Wüste hinein.

Probleme der Neuzeit

Die Kanäle versorgten selbst entlegene Anbauflächen rund um Marib. Die effizienten Bewässerungsmethoden schufen zwei ausgedehnte Oasen. Alle paar Monate konnten die Bauern üppige Ernte einfahren. Die Oasen von Marib im Altertum sind durch ein engmaschiges Netz aus Kanälen entstanden. Die heutige Anbaufläche ist trotz des modernen Damms nur ein bescheidener Rest. Er staut das Wasser lediglich zu einem großen See. Das kostbare Nass wird nicht weiter geleitet, sondern versickert in der Erde. Der Grundwasserspiegel steigt an. Die Übernutzung der Brunnen führt jedoch unaufhaltsam zur Austrocknung der Region.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet