Das letzte Revier

Eine rätselhafte Krankheit bedroht den Tasmanischen Teufel

Eingeschleppte Arten wie Dingos, Füchse oder Kaninchen haben die natürlichen Lebensgemeinschaften Australiens über Jahrhunderte völlig verändert. Vor der Südküste aber liegt eine Insel, die sich ihren ursprünglichen Charakter weitgehend bewahrt hat: Tasmanien. Hier regiert der Tasmanische Teufel - eine ungewöhnliche Tierart, die weltweit nur hier vorkommt. Eine rätselhafte Krankheit bedroht nun seine Existenz.

Zwei junge Tasmanische Teufel
Tasmanische Teufel sind in ihrer Heimat vom Aussterben bedroht. Quelle: abc

Tasmaniens grünes Paradies, der Regenwald, ist das Revier des einzig erhalten gebliebenen Raubbeuteltieres der Welt, des Tasmanischen Teufels. Die Räuber und Aasfresser stehen in weiten Teilen ihres Verbreitungsgebietes an der Spitze der Nahrungspyramide - eine Schlüsselposition im Ökosystem der Insel. Durch die Beseitigung von Kadavern erfüllen sie die Aufgaben einer "Hygienepolizei".

Die Letzten ihrer Art

Früher waren die Beutelteufel in ganz Australien verbreitet, konnten sich dort aber nicht gegen die vielen neuen Eindringlinge behaupten. Nur in Tasmanien überlebten einige Tiere. Doch genau diese enge genetische Verwandtschaft macht die Teufel anfällig für Krankheiten und bringt sie in große Gefahr: 1996 wurde im Nordosten Tasmaniens eine rätselhafte Krebsart entdeckt, die das Gesicht der Beutelteufel befällt. Erkrankt ein Teufel daran, stirbt er in der Regel innerhalb von sechs Monaten.

Inzwischen wissen die Forscher, dass dieser Krebs ansteckend ist und durch Bisse übertragen wird. Er hat schon mehr als 80 Prozent der Bestände auf der Insel ausgelöscht und die Spezies damit an den Rand des Aussterbens gebracht. Zwei Faktoren begünstigen die schnelle Ausbreitung des Tumors: die geringe genetische Vielfalt der Beutelteufel und die Übertragung der infektiösen Krebszellen durch engen Körperkontakt.

Zwei kämpfende Tasmanische Teufel
Rauflustig von Anfang an Quelle: abc

Kampf gegen die teuflische Krankheit

Dieser Übertragungsweg ist ein wahrer "Teufels-Kreis". Denn die angriffslustigen Tiere von der Größe kleiner Hunde tragen ihren Namen nicht zu Unrecht. Schon im Mutterleib beginnt der Verdrängungskampf: Mit jedem Wurf werden zwischen 20 und 40 winzige Junge geboren, die Mutter hat in ihrem Beutel aber nur vier Zitzen. Von entscheidender Bedeutung für die Übertragung des Krebses ist das Fortpflanzungsverhalten des Tasmanischen Teufels: Das Männchen muss das Weibchen in einem brutalen Kampf besiegen, bevor es zur Paarung kommt. Auf diese Weise stellt das Weibchen sicher, dass ihre Jungen einen starken Vater bekommen. Doch die Bisse verbreiten den Krebs unaufhaltsam weiter.

Da bisher noch kein Gegenmittel gefunden werden konnte, versucht man, die wenigen gesunden Tiere durch Schutzprogramme zu retten. Sie sehen unter anderem die genaue Beobachtung und Analyse der Populationen, die Untersuchung von Blut- und Gewebeproben erkrankter und gesunder Tiere sowie Zuchtprogramme mit den wenigen verbliebenen gesunden Tieren vor. Letztere könnten im Erfolgsfall - als letzte Rettungsmaßnahme - ermöglichen, dass die Art in australischen Zoos überlebt und irgendwann später wieder ausgewildert wird. Verschwände der Beutelteufel aus Tasmanien, wäre auch seine Heimat in Gefahr.

Gondwana-Wald

In den Regenwäldern Tasmaniens leben Pflanzen in engen Gemeinschaften, die sonst auf verschiedenen Erdteilen vorkommen - zum Beispiel Südbuchen, die auch in Chile und Argentinien wachsen, oder Farne, die man auch im südlichen Afrika findet. Dieses ungewöhnliche Nebeneinander hat seinen Ursprung in einer lange zurückliegenden Episode der Erdgeschichte. Einst waren die südlichen Landmassen im Urkontinent Gondwana vereint. Viele Pflanzen, die hier wuchsen, sind inzwischen ausgestorben - genauso wie die Dinosaurier, die einst durch den Urwald streiften. Doch eine "geologische Arche" sorgte für den Fortbestand der Pflanzengemeinschaft.

Vegetation auf dem Urkontinent Gondwana (Animation)
Auf Tasmanien und in Teilen Australiens blieb der Gondwana-Wald erhalten. Quelle: ZDF

Als Gondwana vor rund 100 Millionen Jahren auseinanderbrach und die Kontinente an ihren heutigen Platz weiter nördlich drifteten, nahmen sie die Vegetation mit sich. In Südamerika und Afrika aber waren die neuen Bedingungen nur für wenige Arten geeignet. Auf Tasmanien dagegen blieb das Klima günstig, und die Abgeschiedenheit bewahrte weite Teile der ursprünglichen Pflanzengemeinschaft. So öffnet sich auf dieser Insel ein Fenster in eine längst vergangene Zeit.

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