Das Maß aller Dinge

Von Kartenmachern, Forschungsreisenden und Astronomen

Vermessung durch Triangulation (Spielszene mit Trick)

Dokumentation | Terra X - Das Maß aller Dinge

Ein Kommentar von Professor Harald Lesch zur Sendung "Faszination Universum: Das Maß aller Dinge"

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Messen steht am Anfang jeder Wissenschaft - ohne Messen bleibt alles Spekulation. Die erste Folge von Faszination Universum begibt sich auf die Spuren von Menschen, die es ganz genau wissen wollen. Revolutionen und wissenschaftliche Auseinandersetzungen führten in der Geschichte zu gefährlichen Expeditionen. Grenzen wurden ausgelotet, bestehende Maßstäbe hinterfragt: Wie genau ist eigentlich genau? Wo ist unser Platz im Universum? Und was ist das Maß aller Dinge?

Wenn verschiedene Einheitensysteme aufeinandertreffen, kann das im Extremfall zur Beinahe-Katastrophe führen. 1983 startet eine Boeing 767 vom kanadischen Flughafen Ottawa.

Dramatisches Missverständnis

Mitten im Flug fallen die Motoren und mit ihnen die meisten Instrumente aus. Der Pilot ist zufälligerweise ein passionierter Segelflieger, doch die Maschine sinkt zu schnell, um den nächstgelegenen Flughafen zu erreichen. Der Kopilot erinnert sich an einen stillgelegten Flughafen aus seiner Militärdienstzeit - nicht weit von ihrer Position. Gemeinsam schaffen sie es, die Maschine auf der alten Rollbahn zum Stehen zu bringen.

Was in einer Katastrophe hätte enden können, ging für die Passagiere glücklich aus. Eine Untersuchungskommission findet später heraus: Air Canada war gerade dabei, von den angloamerikanischen Maßen auf das metrische System umzustellen. Die Bodencrew in Ottawa hatte bei der Tankfüllung einen unglaublich einfachen Fehler gemacht und die Maßeinheiten falsch umgerechnet.

Ein allgemeines Maß

Schemazeichnung einer Pyramide
Meisterwerk der Präzision: Cheopspyramide

Vor 4000 Jahren hatten die Ägypter für Großprojekte schon durchdachtere Strategien. In allen Kunstwerken finden wir die gleichen normierten Maße. Erst mit einer einheitlichen "Elle", gemessen von der Fingerspitze der ausgestreckten Hand bis zum Ellenbogen, konnten die Pyramiden als Meisterwerke der Präzision entstehen. Unser heutiger Meter entstand aus dem immer stärker werdenden Wunsch, sich vom Menschen als Maß zu lösen.

Erst die französische Revolution konnte diesen Wunsch verwirklichen. Die Gleichheit, die man für die Menschen forderte, sollte auch ein gleiches Maß für alle bedeuten. Der Umfang der Erde wurde zum Maßstab, ein Meter wurde definiert als der zehnmillionste Teil eines Meridianquadranten, das heißt des viertel Erdumfangs. Heute wissen wir, dass sich die Experten damals um 0,2 Millimeter vermessen haben.

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Neue Welten am Horizont

Kolumbus mit Schiffsbesatzung landet auf Bahamas-Insel (Gemälde)
Kolumbus mit seiner Besatzung bei der Landung auf den Bahamas Quelle: ap

Im Alltag hat für uns eine solche Ungenauigkeit kaum Konsequenzen. Anders sieht es aus, wenn man versucht, von der Erde aus einen Asteroiden in sechs Millionen Kilometer Entfernung zu treffen. Dann entscheiden Nanometer über Erfolg oder Misserfolg der Mission. Startet heute ein Weltraumflug auf der Grundlage präzisester Daten, so standen Seefahrer zu Kolumbus' Zeiten vor ganz anderen Herausforderungen. Nur eine Reihe von Messfehlern und Ungenauigkeiten ließen Kolumbus in dem Glauben, Asien in vertretbarer Zeit zu erreichen und westwärts nach Indien aufzubrechen. Die aktuellste Weltkarte seiner Zeit baute auf 1400 Jahre alten Daten auf.

Während Kolumbus unter Lebensgefahr den Rand unserer Weltkarte um einen neuen Kontinent ergänzte, war die Suche nach einem neuen Planeten am Rande unseres Sonnensystems im 20. Jahrhundert denkbar risikolos. 1930 fand ein Farmersohn Pluto - allein durch das Studium von Daten in einem Observatorium. Der immer weitere Blick ins Universum und genaue Messungen führten später zu einem Streit über seinen Planetenstatus.

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Die Gestalt der Erde

Erde vom All aus ausgesehen (Ausschnitt)
Vom All aus erscheint die Erde als perfekte Kugel. Quelle: Getty images

Ein wissenschaftlicher Streit ganz anderer Art entbrannte im 18. Jahrhundert in Europa, als man durch Messungen und Berechnungen entdeckte, dass die Erde keine vollkommen runde Kugel ist. War es möglich, dass die Erde, wie Newton behauptete, durch die Fliehkraft ihrer Drehung um sich selbst einen Bauch am Äquator bildete?

Die Vermessung der Erde ermöglicht uns heute, jeden beliebigen Ort auf ihr mit höchster Präzision anzusteuern. Wie aber würde man einem Außerirdischen den Weg zu uns erklären? Die Konstrukteure der Voyager-Sonde haben dafür eine faszinierende Lösung gefunden: eine Botschaft an Außerdische. Ob sie sie jemals erhalten werden? Und wenn ja, ob sie etwas damit anfangen können?

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