Das Massaker von Mani

Zerstörtes Heilwissen

Der Bonner Professor Nikolai Grube ist auf dem Weg zu einem neu ausgegrabenen Tempel der geheimnis umwitterten Fürstenstadt Palenque. Erst vor kurzem entdeckten Grube und seine Mitarbeiter einen Altar mit einem feinen Relief an den Seiten. Noch so jedes kleine Detail ist wichtig, denn mit dem Massaker von Mani gingen viele Quellen verloren.

Besonders interessant: Eine Person auf einem Thron hält ein verschnürtes Bündel in der Hand.

Entscheidende Anstöße

Die Schriftzeichen der Maya, die Glyphen, sind für Grube kein Buch mit sieben Siegeln mehr. Er ist einer der ganz wenigen Wissenschaftler, denen es in den letzten Jahren gelungen ist, die Schriftzeichen zu entziffern. Damit gab Grube der Maya-Forschung entscheidende Anstöße.

Aus 3000 Einzelstücken haben die Wissenschaftler in monatelanger mühseliger Arbeit ein Relief des Fürsten Pakal Kinich zusammengesetzt, der Palenque im 9. Jahrhundert regierte. Die Glyphen berichten von den kriegerischen Erfolgen der Fürsten, doch über den Alltag der Untertanen oder gar über die Kenntnisse der Ärzte schweigen die steinernen Schriftzeugen bis jetzt. Zum Glück für die Nachwelt sind diese Zeugnisse erhalten geblieben. Die wertvollen Bücher der Maya dagegen fielen den spanischen Eroberern zwar in die Hände, aber sie bewahrten sie nicht.

Teuflisch und ketzerisch

Der Franziskaner Diego de Landa war Statthalter der Kirche. Der spätere Bischof von Yucatan bestimmte, was mit den Schätzen der Maya geschehen sollte. In der Vorstellungswelt der Maya-Ärzte sind Krankheiten Strafen der Götter. Die Riten der alten Kultur sind für de Landa Teufelswerk und die Heilmethoden der Maya ketzerisch. So nutzten die Indianer Mittelamerikas die berauschende Wirkung von Pilzen als Betäubungsmittel, aber auch um Krieger in Blutrausch und Priester in religiöse Ekstase zu versetzen.

Rätselhafte Göttinnen

Im Kloster Mani auf Yucatan ließ Diego de Landa 1556 ein Massaker anrichten. Es sind Stunden und Tage undenkbarer Grausamkeiten. Es ist aber auch das Ende einer jahrhundertealten Schrifttradition. Viele Handschriften werden in dieser Nacht vor dem Kloster Mani verbrannt, es sind die heiligen Bücher der Maya, die das gesamte Wissen der Hochkultur in sich bergen. Damit sind auch Aufzeichnungen, über die Heilkunde für alle Zeiten vernichtet.


Nur vier Bücher entgingen dem Feuer. Eines davon gelangte nach Dresden. Nikolai Grube besitzt eine Kopie. Er erkennt in dem Buch Indizien für ein detailliertes Heilwissen der Maya. Von rätselhaften Göttinnen ist die Rede. Die weiblichen Gottheiten waren für Geburt und Heilung zuständig. Grube hofft auf bisher unbekannte Schriften, die ihm auch etwas über das alltägliche Leben der Maya enthüllen. Denn vieles, was die Forscher bisher über die geheimnisvollen Gottkönige des Regenwaldes wissen, stammt aus den vier überlieferten Büchern.

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