Das neue Herrschaftsprinzip

Unter Papst Sixtus IV. erreicht der Nepotismus neue Dimensionen

Der erste bedeutende Renaissance-Papst ist Sixtus IV. Das Gotteshaus, das er bauen lässt, hat man später als das achte Weltwunder bezeichnet: die Sixtinische Kapelle. Die größten Künstler der Zeit haben an diesem Gesamtkunstwerk mitgearbeitet. Noch heute findet dort die Papstwahl statt. Eine Kirche wie ein Palast und ein Papst wie ein Kaiser.

Gemälde Papst Sixtus IV. mit seinen Lieblingsneffen Quelle: ZDF

Sixtus IV. will wie ein weltlicher Herrscher mit Soldaten, viel Geld und einem eigenen Reich regieren. Seine Krone, die man Tiara nennt, übertrifft alles. 75 Edelsteine, drei Kilo Gold. So widersprüchlich wie die Zeit ist auch dieser Papst selbst. Denn die Karriere von Sixtus IV., der Prunk und Pracht anstrebt, beginnt als Bettelmönch.

Das neue Haupt der Welt

Porträt von Papst Sixtus IV. Quelle: ,ZDF

Als Franziskanermönch predigt der am 21. Juli 1414 in einem Dorf nahe Savona geborene Francesco della Rovere sein Leben lang die Armut. Er lebt fromm und bescheiden, macht Karriere als Theologe und verfasst gelehrte Schriften über das Heilige Blut Christi. Als er 1471 als Sixtus IV. zum Papst gekrönt wird, ist er Ende 50 und entwickelt eine erstaunliche Ader für die Machtpolitik. Sixtus will ein Familienimperium errichten. Rom soll unter seiner Herrschaft das neue Haupt der Welt werden, ausgestattet mit einer Pracht, die einem Monarchen auf dem Papstthron gebührt.




Sixtus IV. und Lorenzo di Medici Quelle: ZDF

Gleich zu Beginn seiner Amtszeit empfängt der 57-jährige Sixtus den 35 Jahre jüngeren Lorenzo di Medici. Dabei geht es nicht um die Vergebung von Sünden und den Segen des Papstes. Es geht um Geschäfte und Positionen. Als Bankiers der Päpste sind die Medici reich und mächtig geworden. Lorenzo will die Beziehungen zu Rom festigen. Er strebt nach einem roten Hut, um das Prestige seiner Familie zu steigern. Sixtus indessen verlangt einen Kredit, um für einen Neffen ein eigenes Herrschaftsgebiet zu kaufen. Das verstößt gegen die Machtinteressen der Medici, und Lorenzo verweigert das Geld. Der Papst entlässt seinen Bankier - der Konflikt ist programmiert.

Gefahr der Fremdherrschaft

Italien ist im 15. Jahrhundert zersplittert in Fürstentümer und Territorialstaaten. Die Regenten tun, was sie wollen, und gehen ständig wechselnde Bündnisse ein. Mittendrin herrscht der Papst über ein eigenes Reich, den Kirchenstaat, den er vor der Gefahr einer Fremdherrschaft schützen muss.
Die Fehde mit Florenz beginnt 1473. Die prachtvolle Hochburg der Renaissance wird beherrscht von den Medici, die ihren Reichtum in politische Macht umgemünzt haben. Der selbstbewusste Lorenzo liebt die Kunst und die Poesie - und Rom ist gegen das schillernde Florenz noch finstere Provinz. An ihrem Hof versammeln die Medici die Geistesgrößen ihrer Zeit. Maler wie Botticelli erschaffen unsterbliche Meisterwerke. Einer Kraftprobe mit dem Stellvertreter Christi sieht Lorenzo gelassen entgegen.

Loyale Weggefährten

Der Papst braucht loyale Weggefährten, die seine Machtpolitik stützen. Er verlässt sich auf seine Neffen, seine Nepoten, die er zu Fürsten und Kardinälen macht und mit Geld und Land an sich bindet. Es ist nicht anstößig, die Familie an den Segnungen des Aufstiegs teilhaben zu lassen. Doch unter Sixtus erreicht der Nepotismus eine völlig neue Dimension.

Der ideale Renaissance-Mensch

Gemälde Fedarico de Montefeltro Quelle: ZDF

In seinen Entscheidungen lässt sich der Papst immer stärker von den Forderungen seiner Neffen lenken. Ein Gemälde verklärt das neue Herrschaftsprinzip des Papstes: Sixtus als huldvoller alter Mann im Kreis seiner Lieblingsneffen. Mit Amtsketten behängt stehen sie für die weltliche, als Kardinäle für die kirchliche Macht. Ein Bild, das Propaganda und tiefe Überzeugung vereint. Auch Lorenzo di Medici, der "Pate" von Florenz, braucht eine treue Gefolgschaft. Zu seinen Freunden und Verbündeten zählt Federico de Montefeltro. Wie der Medici ist auch er ein großer Kunstmäzen und zugleich der mächtigste Condottière von ganz Italien.



Von einer mächtigen Festung aus herrscht Federico de Montefeltro über sein Herzogtum Urbino und lenkt im Verborgenen die Geschicke Italiens. Schon oft hat er sein Söldnerheer in den Dienst der Florentiner gestellt. Doch bei der Bereitstellung von Truppen, zählt nicht die Freundschaft, sondern einzig und allein der Gewinn. Federico de Montefeltro ist so etwas wie eine Ikone der Renaissance. Er ist ein skrupelloser Krieger und gleichzeitig ein sehr gelehrter Humanist. Er verkörpert in gewisser Weise den idealen Renaissance-Menschen, indem er Wissenschaft und Waffen, Krieg und Frieden zusammenfügt und beides zur gleichen Zeit ausübt.

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