Das Papyrus Ebers

Nachschlagewerk der Pharaonen

Die altägyptische Medizin war eine Geheimwissenschaft, ihre Papyri streng gehütet. Nur wenige wertvolle Exemplare sind der Nachwelt erhalten. Fein säuberlich in Glas gerahmt ist die 18 Meter lange Rezeptsammlung des Papyrus Ebers, das größte medizinische Nachschlagewerk der Pharaonen.

Ein gewisser Georg Ebers erwarb den Papyrus 1873 von Grabräubern. Renate Germer hat sich im Lesesaal der Universitätsbibliothek Leipzig angemeldet um die 3500 Jahre alte Originalhandschrift unter die Lupe zu nehmen. Über 800 Rezepturen zur Behandlung verschiedenster Krankheiten sind darin enthalten.

Entschlüsselung der Botschaften

In einem Kapitel steht, was die Arzneidetektivin sucht: Die von den Ägyptern verwendeten Heilpflanzen. Die altägyptischen Pflanzennamen sind zwar fein säuberlich auf dem Papyrus benannt, jedoch ohne eine Abbildung der entsprechenden Gewächse. Das macht die Entschlüsselung der Botschaften aus der Vergangenheit äußerst schwierig: Welche Pflanze mag hinter einem bestimmten Namen stecken? Hunderte von Kombinationen Pflanzenname - Krankheit - Rezeptur werden durchgespielt um das Rätsel einer einzigen Heilpflanze zu lösen.

Die Papyruspflanze ist heute in Ägypten so gut wie ausgestorben, die Kunst der Herstellung von Schreibmaterial aus ihren Stengeln nur noch im Freilichtmuseum zu bewundern. Ebenso verschollen ist das Wissen um ihre Heilwirkung. Wie können wir es wiederentdecken, wenn immer mehr alte Pflanzen immer schneller aussterben?

Kostbare Samen

Die Blätter des Mimusopsbaums wurden bei Tutenchamuns prachtvollen Mumienkränzen verarbeitet, seine Früchte waren ihm mit ins Grab gegeben. Renate Germer besitzt einen von den kostbaren Samen. Sie stammen vom einzigen noch erhaltenen Exemplar eines Mimusops in ganz Ägypten. Der deutsche Biologe Georg Schweinfurth hat ihn angepflanzt. Ende des 19. Jahrhunderts begleitete er archäologische Expeditionen zum Nil und barg die unscheinbaren Pflanzenfunde aus den Königsgräbern. Was damals niemanden interessierte, rettete Schweinfurth für die Nachwelt: das grüne Gold der Pharaonen.

In einer der Grabkammern wurden Rizinussamen gefunden. Rizinus ist eine der wenigen Pflanzen, die bereits eindeutig als altägyptische Heilpflanze identifiziert werden konnte. Doch selbst so anspruchslose Gewächse wie der gemeine Rizinus werden von ihren natürlichen Standorten verdrängt.

Ein Kosmos versinkt

Die Biologin sucht auf einer Baustelle an einem Kanal bei Sakkara nach dem Strauch, dem im Papyrus Ebers eine eigene Abhandlung gewidmet ist - und wird fündig: Rizinus in "freier Natur". Sie sammelt für das Herbarium, denn der seltene Anblick wird hier bald verschwunden sein. Nachdem das Wissen um die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten der Heilkräuter verloren ist, trifft es nun die Pflanzen selbst. Ein ganzer Kosmos versinkt unwiederbringlich.

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