"Das Pferd frisst keinen Gurkensalat!"

Die Geschichte der Nachrichtenübermittlung

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein hatte sich Kommunikation über die Jahrtausende kaum wesentlich verändert. Berichtete 479 v.Chr. ein griechischer Läufer nach einem im wahrsten Sinne des Wortes mörderischen 42-Kilometer-Lauf von dem Sieg der Griechen gegen die persische Übermacht bei Marathon, waren es Anfang des 19. Jahrhunderts Postkutschen und berittene Kuriere, die Nachrichten übermittelten. Bis zur industriellen Revolution wurden Nachrichten fast ausschließlich durch Boten weitergegeben.

Telefon von Johann Philip Reis
Telefon von Johann Philip Reis Quelle: ZDF

Es gab vereinzelte Versuche, das System zu verbessern, indem Nachrichten durch Zeichencodes über größere Strecken weitergegeben wurden. Die Ureinwohner Nordamerikas benutzten ihre berühmten Rauchzeichen. Und in Europa wurden Flaggen eingesetzt. Jede Flaggenstellung entsprach einem bestimmten Buchstaben. Dies war bereits ein enormer Fortschritt. Die Systeme waren jedoch nur lokal einsetzbar und immer an Sichtkontakt gebunden, daher auf gute Wetterverhältnisse angewiesen.

Erst die Einführung des Telegrafen brachte den lang ersehnten Durchbruch. Mit dem nach seinem Erfinder Samuel Morse benannten Morsecode war es erstmals möglich, Nachrichten über weite Entfernungen elektrisch durch einen Draht zu übermitteln. 1844 wurde die erste Strecke zwischen Baltimore und dem 37 Meilen entfernten New York eingeweiht. 30 Jahre später waren bereits Hunderttausende Kilometer Telegrafenkabel verlegt, überzogen spinnennetzartig die Kontinente und lagen sogar auf den Meeresböden, um die Erdteile zu verbinden.

Legendäre Worte

Zeichnung Pionierzeit des Telefons
Zeichnung Pionierzeit des Telefons Quelle: ZDF

Schon 1860/61 hatte der deutsche Lehrer Johann Philipp Reis, 1834 im hessischen Gelnhausen geboren, ein Gerät entwickelt, mit dem er über weite Entfernungen Töne übertragen konnte. Die Konstruktionsweise war einfach und dabei doch sehr elegant: Der Sender bestand aus einem an einem Holzkasten befestigten Schalltrichter, in den gesprochen wurde.

Herzstück des Senders war eine Membran aus Wursthaut, an der ein Metallblatt mit einem elektrischen Stromkreislauf befestigt war. Trafen Schallwellen auf das "künstliche Trommelfell", wurde der Stromkreislauf je nach Schwingung unterbrochen oder moduliert. Diese elektrischen Signale flossen zum Empfänger, eine mit einer Magnetspule umwickelte Nähnadel, die auf einem Resonanzkörper befestigt war. Durch die Schwingung der Nähnadel entstanden wieder Töne.

Experten-Streit

Am 26. Oktober 1861 führte Reis sein Telefon erstmals öffentlich dem Physikalischen Verein in Frankfurt vor. Der Legende nach soll der erste übertragene Satz "Das Pferd frisst keinen Gurkensalat!" gewesen sein. Bis heute spaltet die Frage, ob Reis' Gerät zu so etwas überhaupt in der Lage war, die Fachwelt in zwei unversöhnliche Lager.

Fraglos waren in Reis' Gerät alle Elemente eines Telefons enthalten. Das Prinzip des Senders war das gleiche, das später Bell benutzte. Der entscheidende Nachteil von Reis' Konstruktion ist aber, dass er das geniale Prinzip seines "künstlichen Trommelfells" nicht auch beim Empfänger anwandte. Hätte er auch hier anstelle einer Nähnadel auf einem Resonanzkörper eine Membran angebracht, die frei hätte schwingen können, wäre das Ergebnis zweifellos besser gewesen. Die Annahme, dass nur Töne oder bestenfalls Wortfetzen übertragen werden konnten, erscheint daher gerechtfertigt.

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