Das Pferdegrab

Schliemanns Erben - Das Gold von Tuva

Zurück nach Tuva. Seit einem großen Regen musste die Grabung unterbrochen werden. Parzinger ist gespannt, was auf der wahrscheinlich bestbewachten Grabung der Welt inzwischen passiert ist.

Jeden Abend vertraut Konstantin Cugunov seinem Laptop die neuesten Fundberichte an. In der Zwischenzeit sind sie auf weitere Gräber gestoßen. Leider oder "Gott sei Dank" war wenig Gold dabei, Bronze überwiegt: ein großer Topf, Messer, Streitpickel, Pfeilspitzen. Zwei Goldohrringe von derselben Machart wie im Fürstengrab. Ganz außergewöhnlich sind die farbigen Reste eines Teppichs. Ein Kunstwerk frühester sibirischer Webtechnik.

An Grab 16 steigt die Spannung

Durch Zurücksetzen der Schnitte wird endlich das ganze Ausmaß klar. Das bisher größte Grab weckt Hoffnungen. Ein Arbeiter stößt beim oberflächlichen Putzen der Steinabdeckung auf Gold! Ein unverziertes Goldblech, durch die Tonnenlast der Steinplatten zerknittert. Die Ausgräber spekulieren: Es könnte zu einer Pferdebestattung gehören. Möglicherweise wurden die Lieblingspferde des Herrschers, prachtvoll hergerichtet, mit ihm begraben. Ein alter Bahnwagon ist Schauplatz der letzten Lagebesprechung vor der Bergung des vermutlichen Pferdegrabs. Die Bergung von Grab Nummer 16 beginnt. Nur der innerste Zirkel ist anwesend. Die Nerven sind angespannt. Wieder stoßen sie auf Goldbleche und dann auf bronzenes Zaumzeug.

Organische Funde

An Grab 13 haben Restauratorinnen aus St. Petersburg alle Hände voll zu tun. Auch hier läuft die entscheidende Grabungsphase. Organische Reste mit Perlenbesatz müssen schnell konserviert werden, nachdem die jahrtausende alte Schutzschicht aus Lehm und Stein plötzlich fehlt. Bernstein aus dem Baltikum, ein Kopfschmuck aus Filz mit Gold- und Perlen, Reste eines Pelzmantels. Die organischen Funde sind besonders wertvoll, da äußerst selten.

Erfahrungen auf den Kopf gestellt

Das Grab 16 ist mittlerweile vollkommen freigelegt. Dicht an dicht liegen 14 Pferdeskelette. Eine außergewöhnliche Zahl für ein Skythengrab. Dazwischen immer wieder Goldbleche, die wahrscheinich als Zierde in Mähne und Schweif geflochten waren. Das Zaumzeug, das die Pferde noch im Maul haben, weist genau die gleichen Ornamente auf wie Objekte aus dem Fürstengrab. Das ist der Beweis, dass sie zusammengehören. Vielleicht wurden die Pferde zu Ehren der Toten geopfert. In Ostsibirien gibt es eine jahrhundertealte Legende: Wenn ein Anführer stirbt, wird am ersten Jahrestag ein Pferderennen abgehalten. Das schnellste Pferd wird getötet und in sein Grab gelegt. Doch hier gibt es 14 Pferde als Opfer, ein goldenes Fürstengrab und Scheingräber: insgesamt 26 Bestattungen. Alle bisherigen Erfahrungen sind auf den Kopf gestellt. Noch lässt sich gar nicht abschätzen, wie groß ihre Bedeutung für die Wissenschaft ist. Es bleiben noch viele Fragen für die Archäologie im eurasischen Steppengebiet. Doch anhand der Forschungen wird man manches überdenken und korrigieren müssen.

Meilenstein in der Skythenforschung

Woher kam der bisher unvorstellbare Reichtum der sibirischen Reiternomaden? Waren Pferde, deren Knochen hier vermessen werden, ihr großes Kapital, ihre Handelsware? Sicher ist jetzt, dass schon die frühen Skythen einmalige Kunstwerke schufen. Lange vor der Berührung mit der griechischen Kultur. Das "Land der goldbehütenden Greifen", so nannte Herodot die Ur-Heimat der Skythen weit im Osten. Durch die Grabfunde von Tuva ist dieser 2.000 Jahre alte Mythos erstmals wissenschaftlich bewiesen. Doch neben der schieren Goldpracht, zeigen uns die freigelegten Textilreste erstmals die Kleidung der Skythen, deren Aussehen wir bisher nur von persischen Reliefs kannten.

Das Goldgrab von Tuva, eine archäologische Weltsensation, ist der erste vollständig erhaltene Kurgan Sibieriens. Ein Meilenstein in der Skythenforschung. Die Nomaden, die später bis in die Mitte Europas vordrangen, hatten, viel früher als bisher vermutet, eine hochstehende eigenständige Kultur entwickelt. So fällt ein neues Licht auf den Ursprung der Skythen, von denen ein altes Volkslied erzählt; "dort lebt meine Schöne, mit den himmelblauen Augen, sie ist wie ein eiliges Flüsschen, wie der einzigartige Mond, der am Himmel wartet..."

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