Das Phantom im Hintergrund

Beim Sturm auf Okinawa bleibt "Hotel Yamato" in Warteposition

Wie verwundbar selbst raffiniert konstruierte Schlachtschiffe sind, wissen die Admiräle des Kaisers spätestens seit dem Überfall auf Pearl Harbour. Mehr als vierhundert japanische Trägerflugzeuge versenken am 7. Dezember 1941 acht amerikanische Schlachtschiffe in einem Überraschungsangriff. Ein Inferno.

Nur drei Tage später attackiert Japan vor der malaiischen Halbinsel einen britischen Schiffsverband. Geschwader von Torpedobombern versenken die soeben erst in Dienst gestellte "Prince of Wales" und einen begleitenden Kreuzer. Das werftneue Schlachtschiff kann dem Angriff aus der Luft nicht standhalten. Für die Royal Navy ist dies ein schwerer Verlust.

Verheerende Schlagkraft

Drei Wochen nach Pearl Harbor dominiert die japanische Marine den Pazifik. Ihre Flugzeuge haben im Pazifischen Ozean nahezu jedes Schlachtschiff der USA und Großbritanniens schwer beschädigt oder gar versenkt: der Beweis für die verheerende Schlagkraft der neuen Kriegführung aus der Luft. Ungeachtet der erfolgreichen Strategie setzt Kaiser Hirohito weiterhin auch auf Schlachtschiffe - vor allem auf das jüngste Glanzstück seiner Flotte, die "Yamato". Sie sollte die errungene Vorherrschaft auf See für die Zukunft sichern.

Zurück zur Basis

Schlachtschiff "Prince of Wales"
Schlachtschiff "Prince of Wales"

Doch die Ära der Duelle "Schlachtschiff gegen Schlachtschiff" geht dem Ende zu. Der Kampf um Midway im Juni 1942 wird zum Wendepunkt im Pazifik-Krieg. Die Amerikaner erobern den Luftraum und vergelten Gleiches mit Gleichem. Schwärme von US-Bombern vernichten innerhalb weniger Stunden vier Flugzeugträger und mehr als 330 japanische Maschinen. Ein Schlag, von dem sich die Kaiserliche Streitmacht nicht mehr erholen sollte.
An der verhängnisvollen Begegnung ist auch die "Yamato" beteiligt: Und zwar als Kommandozentrale in 270 Seemeilen Entfernung, außer Reichweite der feindlichen Flugzeuge. Als die Flugzeugträger getroffen werden, verliert das Superschiff seine Deckung und ist gezwungen, zur Basis zurückzukehren. Im Heimathafen Kure wartet die Mannschaft drei Jahre vergeblich darauf, wieder auszulaufen. Für die Crew eine ungewohnte Situation. Doch die Japaner wollten die "Yamato" nicht aufs Spiel setzen, sie war ein unersetzbarer Schatz. Von Ende August 1942 bis Mai 1943 verbrachte sie nur einen Tag auf See.

Ein letztes Hindernis

Kamikazekommandos Quelle: ZDF

Schon bald nennt die Besatzung den Stahlgiganten liebevoll "Hotel Yamato". Die Besatzung bekommt statt Gersten weißen Reis zu essen und kostenlosen Sake dazu - ein gestundetes Glück. Nach Verrichtung der Alltagspflichten bleibt den Männern viel Freizeit. In der trügerischen Idylle scheint der Krieg weit weg zu sein. Und für die Außenwelt bleibt das Schiff ein Phantom im Hintergrund.
Im Frühjahr 1945 ist Japan militärisch am Ende. Der amerikanische Vormarsch in Richtung Mutterland ist nicht mehr aufzuhalten. Die US-Truppen erkämpfen sich strategisch bedeutsame Positionen im Pazifik. Unter großen eigenen Verlusten nehmen sie die Inseln Tinian, Saipan und Iwo Jima ein. Das letzte Hindernis vor der Besetzung des Kaiserreichs ist die Inselgruppe Okinawa.
Auf die Vorbereitung der Invasion mit Artilleriebeschuss und Luftangriffen reagieren die Streitkräfte Hirohitos prompt. Verzweifelt versuchen Kamikazekommandos, den Sturm auf Okinawa zu stoppen. Die selbstmörderische Aktion erschüttert die Welt. Viele der Todespiloten sind Studenten. Ausgewählte Zivilisten, im Schnellverfahren ausgebildet. Angehende Wissenschaftler jedoch opfert Japan nicht.

Heer von Selbstmördern

Im sicheren Stützpunkt Kure verharrt die "Yamato" weiterhin in Warteposition. Von den Geschehnissen rund 300 Seemeilen weiter südlich hören die Offiziere mit Entsetzen. Tausende amerikanische Seeleute und beinahe genau so viele japanische Piloten sind der blutige Preis für ein aussichtsloses Unterfangen nur wenige Wochen vor Ende des Zweiten Weltkriegs. Doch das Heer der Selbstmörder kann den Vormarsch der USA nicht aufhalten. Bis heute genießen die mutigen Männer in ihrer Heimat hohes Ansehen: Sie stehen für die japanische Tradition des rituellen Freitods - die Bereitschaft, für die Ehre des Vaterlandes zu sterben.

Bombenhagel auf Tokio Quelle: ZDF


Während die 10. US-Armee Okinawa stürmt, sucht Japans Regierung nach einem rettenden Ausweg. Nach einem Luftangriff auf Tokio beklagt das Land mehr als 80.000 Tote. Eine Million Menschen sind obdachlos. Der Auslöser für eine folgenschwere Entscheidung. Die Marine-Führung schickt die "Yamato", das größte Schlachtschiff der Welt, in den Krieg.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet