Das Rätsel der unsichtbaren Burg

Die Spur des Heiligen Grals führt in die Pyrenäen

Einige Personen aus den Überlieferungen lassen sich auf reale Vorbilder zurückführen. Doch wo liegen die sagenhaften Orte der Artussagen und Gralsgeschichten? Bei der Überprüfung der Angaben Wolfram von Eschenbachs und anderer Autoren erleben die Forscher eine Überraschung.

An einer verlassenen Kapelle entdeckt das Filmteam ein Kreuz, das wie eine Waffe gehalten wird - ein Zeichen der Tempelritter. Die Templer, die einst in Jerusalem das Heilige Grab bewacht haben, wurden nach dem Scheitern des letzten Kreuzzuges zu Hütern des Grals. Das Gemäuer mit dem charakteristischen Kruzifix gehört vermutlich zu einer Einsiedelei, die im "Parzival" erwähnt wird.

Wichtiger Fund

Wolfram von Eschenbach hat beschrieben, wo von der Einsiedelei aus gesehen die Gralsburg lag: eine Tagesreise entfernt, verborgen und unsichtbar in der Wildnis. Doch wie kann eine Burg, Symbol für Macht und Zeichen militärischer Präsenz, unsichtbar sein? Die Forscher suchen das zerklüftete Gebiet in einem Umkreis von 20 Kilometern systematisch ab. In einem abgelegenen Tal werden sie schließlich fündig.

Unter einem Felsüberhang verbirgt sich tatsächlich eine befestigte Anlage - die Klosterburg San Juan de la Peña. An diesem Ort erwartete der todkranke Herrscher Alfons I. sein Ende. Oberhalb des Klosters erhebt sich ein steiler Berg, der Monte San Salvador, auf okzitanisch Mont Sant Salvatge oder Mont Salvatge. Bei Wolfram von Eschenbach heißt der Berg "Munsalvaesche". Alles nur Zufall?

Heiße Spur

Einen möglichen Hinweis auf den Heiligen Gral liefert das Königsregister der Bibliothek in Barcelona. Eine Urkunde bestätigt eine Schenkung an die Klosterburg. Danach soll sich ein Gegenstand mit der spanisch-lateinischen Bezeichnung "calice lapideum", ein steinerner Kelch, in der Kapelle des Klosters befunden haben.


Die Kapelle ähnelt in ihrem Bau einem Tempel. In den Grals-Geschichten wird ausdrücklich ein Tempel inmitten einer Burg als Aufbewahrungsort des Heiligen Grals genannt. Alles deutet darauf hin, dass die Kapelle von San Juan de la Peña der historische Ausgangspunkt der bis heute überlieferten Legenden vom Heiligen Gral ist. Doch offenbar hat der sagenumwobene Kelch irgendwann und aus bislang ungeklärter Ursache die Gralsburg wieder verlassen.

Päpstliche Würdigung

Eine Seitenkapelle der Kathedrale von Valencia trägt den Namen "Capilla del Santo Caliz", "Kapelle des Heiligen Grals". Seit fast 600 Jahren wird hier der Wunderkelch verehrt. Obwohl die katholische Kirche den Gral offiziell nie in die Liste der heiligen Reliquien aufgenommen hat, pilgern dennoch alljährlich Tausende frommer Beter zu dem mit Panzerglas gesicherten Schrein, in dem das einmalige Gefäß ausgestellt wird.


Auch Papst Johannes Paul II. hat während seines Spanien-Aufenthaltes 1982 den uralten Kelch geehrt. Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge sollen zumindest die Trinkschale und der Kelchfuß - beide aus Onyx - aus dem Nahen Osten stammen und um die Zeitenwende gefertigt worden sein. Doch selbst wenn viele Details zu den mittelalterlichen Berichten passen - letzte Gewissheit über die Identität des Kelches von Valencia konnte bisher niemand gewinnen.

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