Das Reich der Kuschan

Verschmelzung fremder Kulturen

200 Jahre nach Alexanders Sieg fallen nomadische Stämme aus dem nördlichen China in Baktrien ein. Baktrien wird von den wilden Kuschan erobert, Vorboten der Hunnen, die bald Europa heimsuchen.

"Sie waren zahllos wie die Sandkörner unter den Hufen ihrer Pferde. Die Sonne ward schwarz gegen Mittag und die Erde bebte." So berichtet eine alte Chronik. "Sie mähten nieder, wer immer sich ihnen in den Weg stellte: Greise, Kinder, Hoch und Niedrig".

Zauber der Kultur

Aber Baktrien heißt nicht umsonst "Land der 1.000 Städte". Die neuen Herren verfallen dem Zauber der überlegenen Kultur und vermischen sie mit eigenen Traditionen. Seit über tausend Jahren wird hier Allah angebetet. Im Reich der Kuschan opfert man griechischen und persischen Göttern und gleichzeitig Geistern der Steppe. Auf Schmuckstücken tauchen Motive auf, wie sie die Wüstenbewohner nie sahen: Delfine, der griechische Meeresgott Triton und eine Aphrodite, die mit Flügeln zur baktrischen Göttin wurde.

In Baktrien treffen die vielen Handelsrouten der Seidenstraße zusammen, aus China und Indien, Persien und Rom. Und mit den exotischen Waren importierten die Händler die Kunst und Kultur ihrer Heimatländer. Mit eigenen Städtegründungen zeigen die Kuschan ihre neu gewonnene Macht und Größe. Ein Bollwerk ragt aus der Wüste Kysilkum: die Kuschanstadt Toprák Kale, errichtet aus luftgetrockneten Lehmquadern.

Gewaltige Ruine

Selbst als Ruine ist sie noch gewaltig. Die Mauern müssen 15 Meter, die Türme 40 Meter hoch gewesen sein. Der Palast überragte weithin sichtbar die Stadt. Der monumentale Bau war durch eigene Schutzmauern gesichert. Die Kuschanfürsten gewöhnen sich schnell an die überlegene Zivilisation der besiegten Völker ohne die eigenen Traditionen zu vergessen.

Die Kuschan sind mächtig und reich geworden. Der ganze China-Handel führt durch ihr Land, das sie bis nach Indien ausgedehnt hatten. Von dort übernehmen sie das indische Statusmal. Selbst Aphrodite schmücken sie mit dem kreisrunden Symbol auf der Stirn. Meisterhaft verschmelzen sie die Einflüsse vieler Kulturen zu einem eigenen Stil. Über allem wacht Anahita, die persische Göttin der Fruchtbarkeit. Das Abbild eines Herrschers aus Grab vier in Tillya-tepe zeigt eindeutig mongolische Züge. Mit starker Hand bändigt er zwei Drachen. Ein typisches Motiv der Kunst der Steppenvölker.

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