Das Reich der Maurya

Vom Buch der Könige zur Lehre Buddhas

320 vor Christus: Chandragupta Maurya, ein Mann aus dem einfachen Volk erobert die Macht in Magadha. Das fruchtbare Reisland im Osten Indiens ist reich an Erzen und besitzt eine alte Schmiedetradition. Der Aufstieg des ersten Großreichs auf indischem Boden beginnt.

Das Buch der Könige
Das Buch der Könige Quelle: ZDF

Kriege nach allen Seiten


Am Knotenpunkt der wichtigsten Handelsrouten gelegen, ist das Herz des Maurya-Reiches eine ideale Machtbasis für expansionshungrige Eroberer. 2000 Jahre vor Machiavelli entsteht am Hof Chandraguptas das erste Lehrbuch für Könige, das "Arthasastra." Sein Verfasser, Kautilya, war vermutlich Minister am Hof des Königs. Er propagiert ein gewalttätiges Königstum.


Im Kampf um Macht und Eroberungen ist jede Grausamkeit gerechtfertigt: "Wer zu schwach ist, den Feind im ehrlichen Kampf zu besiegen, soll vor keinem noch so heimtückischen Mittel zurückschrecken." Und weiter heißt es: "Vor allem anderen muss der Herrscher das Nachbarland als natürlichen Feind bekämpfen". Für seine Expansionspolitik unterhält der König eine gewaltige Armee mit Fußtruppen, Reiterei, Streitwagen - und als furchtbarste Waffe: Hunderte von Kampfelefanten. Unaufhaltsam erweitern die Herrscher der Maurya-Dynastie die Macht ihres Reiches in ständigen Kriegen nach allen Seiten.

Abkehr vom alten Modell

Buddhistische Mönche
Buddhistische Mönche Quelle: ZDF


Chandragupthas Sohn Bindusara dringt weit nach Süden vor. Ihm folgt sein Sohn Ashoka. Beide festigen ihre Herrschaft durch vielfachen Brudermord. Nach der Sicherung seiner Königsmacht greift Ashoka 260 vor Christus das benachbarte Stammesfürstentum Kalinga an. Es wird seine letzte gewaltsame Eroberung. Vermutlich unter dem Eindruck unvorstellbarer Massaker während der Eroberung Kalingas verwirft er die Lehren des "Arthasastra", des Lehrbuchs der Könige.

Auf der Höhe seiner Macht wird Ashoka Laienanhänger des buddhistischen Mönchs-Ordens. Überall an den Grenzen seines Reiches lässt der König Felsinschriften und Säulenedikte anbringen, die seine Botschaft der friedlichen Koexistenz verbreiten. Damit rückt Ashoka vom alten Modell des von Brahmanen gestützten arischen Königstums ab. Statt weitere Kriege zu führen, reformiert er den Staat, fördert Handel Kultur und Wissenschaft.

Toleranz gegenüber Andersgläubigen

Ashoka lässt Felsinschriften anbringen Quelle: ZDF


Ashoka nutzt den Buddhismus als neue Legitimation seiner Macht, ohne ihn zur Staatsreligion zu machen. Als Mönchsreligion ist der Buddhismus nicht für die Staatsordnung zuständig. Doch der König ergreift als Laienbruder Gelegenheit, die Befolgung der Ordensregeln durch die Mönche zu reglementieren. Aus seinen Felsinschriften spricht die hohe Auffassung, die Ashoka von seinem Königstum besitzt.

Der Herrscher soll nicht zur Jagd und zum Vergnügen ausfahren, sondern zu religiösen Anlässen. Eroberungen soll er nicht mit Mord oder Blutvergießen, sondern mit Hilfe religiöser Überzeugungskraft gewinnen. Gegen Sklaven und Diener verhält sich der rechte König wohlwollend, gegen ehrwürdige Personen mit Ehrerbietung. Ashoka fordert Schonung für alle Lebewesen und Freigiebigkeit gegen Weise und Asketen. Vor allem aber fordert der König Toleranz gegenüber Andersgläubigen.

Die Grenzen des Maurya-Reiches und Fundorte von Ashoka-Stelen Quelle: ZDF

Chronik von Maurya


Vor
2300 Jahren vereint erstmals ein Fürst den indischen Subkontinent: König Ashoka. Die Begegnung mit einer kleinen religiösen Sekte wird zum Wendepunkt in seinem Leben. Sie verwandelt den grausamen Herrscher zum indischen Krieger Buddhas. Unter seinem Schutz beginnt der Aufstieg einer neuen Weltreligion.


323 v. Chr. Alexander der Große stirbt auf dem Rückmarsch von Indien.


321 v. Chr. Chandagupta Maurya, Herrscher von Magadha, erobert das von den Griechen besetzte Land östlich des Indus und gründet das Reich der Maurya. Pataliputra (heute: Patna ) wird Hauptstadt.


297 - 268 v. Chr. Bindusara Maurya, sein Sohn, erweitert das Reich nach Süden.


268 - 232 v. Chr. Ashoka, der Enkel des Reichsgründers, herrscht über ganz Indien.


261 v. Chr. Kriegszug Ashokas gegen das Stammesfürstentum Kalinga. Danach: Abkehr von der Gewalt. Beginn der Friedensherrschaft Ashokas. Neuorganisation der Verwaltung sowie Ausbau der Infrastruktur führt zur wirtschaftlichen und kulturellen Blüte des Maurya-Reiches.


250 v. Chr. Nach einjähriger Pilgerreise des Königs: Buddhistisches Konzil in der Hauptstadt Pataliputra. Ashoka verkündet und unterstützt mit großen Mitteln die Entsendung buddhistischer Missionare in alle vier Himmelsrichtungen.


232 v. Chr. Nach dem Tod Ashokas Ausbruch von Bürgerkriegen. Gegenreformation der Brahmanen verdrängt den Buddhismus. Das Maurya-Reich zerfällt, und der erste Herrscher über ganz Indien gerät in Vergessenheit.


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