Das Schicksal der Israeliten

Plünderungen und Verschleppung

Jahrhunderte lang wird das Volk der Israeliten von Mesopotamien dominiert, politisch und religiös. Doch als es sich gegen Ende des siebten Jahrhunderts vor Christus wieder auf den Einen Wahren Gott besinnt, reagiert die Armee Babylons gnadenlos: Sie belagert und zerstört Jerusalem und verschleppt die Bevölkerung ins Zweistromland.

Wundersamer Fund

Die Könige Jerusalems sind Marionetten der mächtigen Herrscher von Euphrat und Tigris. In den Tempel über der Stadt, einst von Salomo für den Gott Israels gebaut, haben die Götter von Euphrat und Tigris Einzug gehalten.


Doch Ende des 7. Jahrhunderts vor Christus geschieht etwas, das die Welt völlig verändern sollte. Die Bibel selbst kleidet das epochale Ereignis in eine Legende. Bei Renovierungsarbeiten im Tempel finden Zimmerleute eine alte Schriftrolle. Der mysteriöse Text enthält nichts weniger als das seit langem in Vergessenheit geratene Gesetz des Moses. Es fordert die Verehrung eines einzigen Gottes, des Gottes Israels mit Namen Jahwe.

Der Jerusalemer König Josia lässt die babylonischen Priester aus dem Tempel werfen und macht die Verehrung des Einen Gottes zum Gesetz. Für viele Forscher beginnt mit dieser radikalen "Reform des Josia" der historische Siegeszug des Monotheismus.





Doch schon damals hat Religion auch mit Politik zu tun, denn die Entmachtung der babylonischen Götter ist auch Ausdruck des Anspruchs auf politische Eigenständigkeit, die Loslösung von der Hegemonie Babylons.

Zerstörung Jerusalems

Ende des 7. Jahrhundert vor Christus macht sich die Großmacht Babylon daran, die ganze Welt zu erobern. In nur zwei Jahrzehnten überrollen die Armeen Babylons die alten Reiche des Orients. 587 vor Christus stehen sie vor den Mauern Jerusalems. Nach einem Jahr Belagerung siegt die erdrückende Übermacht der Babylonier.









Die Bibel berichtet auch, was nach der Eroberung geschieht: Der prächtige Tempel, das Werk Salomos, fällt den Siegern zum Opfer. Die Babylonier zerschlagen seine wertvolle Ausstattung und schaffen die Stücke zum Einschmelzen an den Euphrat.

In allen Details schildert die Bibel den Untergang. Lange Listen von Beutegut führt sie auf. Nur einen, den wichtigsten Gegenstand, erwähnt sie nicht: die Bundeslade, den berühmten Schrein mit den zehn Geboten aus dem Allerheiligsten des Tempels.

Entführung nach Babylon

In der Phantasie der Israeliten lebt die Bundeslade an einem geheimen Versteck weiter, als Symbol der Hoffnung, dass nicht alles zu Ende sei. Denn Hoffnung brauchen die Menschen im August des Jahres 587 vor Christus. Die Eroberer treiben die Bevölkerung Jerusalems zusammen - allen voran die Familien der Gebildeten und Handwerker - und verschleppen sie nach Babylon. Hinter ihnen liegt die verwüstete Heimat und vor ihnen ein ungewisses Schicksal im Exil.


Die Verschleppten treffen in einer Stadt ein, bei deren Anblick ihnen der Atem gestockt haben muss. Nichts im damaligen Orient hält den Vergleich mit dieser atemberaubenden Metropole stand. Gerade Straßen durchziehen rechteckige Wohnblocks, in denen eine Million Menschen leben. Die Israeliten sind im Machtzentrum der damaligen Welt angekommen.

Wahrung der Identität

Aber die Stadt, in die es sie verschlagen hat, ist so ganz anders als das bescheidene Bergnest Jerusalem. Mondän, freizügig, voller Verlockungen, die es in der Heimat nicht gibt. Werden sie davon abgestoßen? Oder geschieht das Gegenteil: Vergessen sie in den Gassen Babylons, wer sie waren und woher sie kamen?





Sie bewahren ihre Eigenart und schreiben ihre Erinnerungen auf, sie verfassen die Geschichte ihres Volkes, damit sie nicht vergessen wird. Sie schaffen das Werk, das einmal die Bibel wird.

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