Das Schwert des Samurai

Mehr als nur eine Waffe

Das Schwert des Samurai ist Symbol für seine Tapferkeit, Macht und Autorität. Ein Barren Eisen von mehr als 20 Pfund Gewicht ist nötig, um eine drei bis vier Pfund schwere Klinge zu fertigen. In der Legende der Samurai wird das Schwert in der Hand des Kämpfers zum lebendigen Ausdruck seiner Seele.

Kurzes Samuraischwert
Kurzes Samuraischwert Quelle: imago/Blickwinkel

Seit dem 8. Jahrhundert beherrschen japanische Schmiede die Kunst, Schwerter aus Stahl herzustellen. Waffenschmiede genießen im Reich des Shogun hohes Ansehen. Japaner sind überzeugt: Der Meister, der eine Klinge formt, überträgt auch einen Teil seiner Persönlichkeit auf sie. Eine Überlieferung besagt: Einst gab es zwei vor allen anderen ausgezeichnete Schmiedemeister: Muramasa und Masamune. Die Klingen des Muramasa waren so scharf, dass sie - senkrecht in fließendes Wasser gestellt - ein Blatt mühelos geteilt haben, das gegen die Schneide trieb. Stellte man jedoch ein Schwert von Masamune auf die gleiche Probe, so wichen die Blätter ehrfurchtsvoll vor der Schneide auseinander, um an beiden Seiten der Klinge vorbei zu strömen. Das Schwert des Muramasa ist furchtbar, sagte man. Das des Masamune ist menschlich.

Samurai Meister Yamakoshi

Hohe Schmiedekunst

Die Erde Zentral-Japans ist reich an eisenhaltigem Gestein. Im 12. Jahrhundert erreicht die Kunst der Waffenschmiede ihren Höhepunkt. Das Schmiedehandwerk ist Teil eines kriegerischen Meditationsrituals, das den Weg eines Schwertes aus dem erzhaltigen Gestein bis zum tödlichen Duell auf dem Kampffeld bestimmt. Der Schmied (japanisch: kaji) und seine Helfer beginnen ihre Arbeit mit Reinigungszeremonien, um sich auf die vor ihnen liegende Aufgabe vorzubereiten. Bis zu zwei Jahre kann es dauern, das Werk zu vollenden. In weiße Gewänder gekleidet ziehen sie sich von allen weltlichen Freuden zurück. Ihr Speiseplan folgt strengen Regeln. Auch die Werkstatt muss gereinigt werden. Bahnen aus weißem Reispapier werden aufgehängt, um böse Geister fern zu halten. Alle Konzentration richtet sich auf das erzhaltige Gestein - ausgewählt, um ein einziges Schwert zu schmieden. Video: Maximilian Schell erklärt, was die Harmonie eines Samuraischwerts ausmacht.Das Erz wird im Schmelzofen aus dem Gestein gelöst und zum Rohbarren geformt. Dann beginnt die Arbeit des Kaji. Er schlägt alle Unreinheiten aus dem Barren heraus, um ihn flach zu schmieden. Immer wieder wird das Eisen sorgsam in glühender Holzkohle erhitzt. Ein Vorgang, der sich vielmals wiederholt, bis die Zeit für den Meister reif ist, das flache Eisen umzuschlagen, es zu falten. Unter ungezählten Wechsel zwischen Ofen, Amboss und Wasserbecken entsteht so härtester Stahl. Er besteht aus vielen Tausenden hauchdünner Schichten. Die Klinge besteht zuletzt aus einem weicheren Metallkern, den ein Mantel aus solchem Stahl umhüllt. Besondere Aufmerksamkeit gilt dann der Schneide und der Spitze. Sie lassen sich messerscharf schleifen. Immer wieder werden sie poliert, bis sie zuletzt in feiner Maserung glänzen. Oft setzt dann der Kaji sein Zeichen auf die Klinge, doch erst der Samurai, dem er das Schwert angefertigt hat, gibt ihm einen Namen.

Ein Schwert findet seinen Herren

Ende des 12. Jahrhunderts begründet der mächtige Familienclan der Minamoto das erste Shogunat. Der politische Einfluss des Kaiserhofs geht zurück. Der Shogun gründet seine Macht auf erkämpften Landbesitz und auf die unbedingte Treue und Loyalität seiner Vasallen und Gefolgsleute. Viele Schwertträger, Ronin genannt (freie Männer), streifen durch das Land auf der Suche nach einem Herren, dem sie sich anschließen können. Dahinter steht die Hoffnung auf Aufstieg in der Militärhierarchie. Die Hoffnung auf eine Laufbahn als Samurai. Viele von ihnen wenden sich der neuen Lehre des Zen-Buddismus zu. Der Zen-Buddismus ist für den Militäradel besonders attraktiv, da er von seinen Anhängern die gleiche Hingabe fordert, mit der ein treuer Vasall das Kriegshandwerk ausführen soll. Für die Samurai eine nahezu ideale Philosophie.

Zen-Garten des Tempels Ryoan-ji Quelle: imago/Pohling

Der Zen-Buddhismus betont die absolute Selbstkontrolle und die Selbsterkenntnis. Beides ist Grundlage für den Glauben, dass es möglich ist, aus eigener Kraft den Weg zur Erkenntnis und Wahrheit zu finden. Jeder kann durch Meditation, Disziplin und Konzentration zur Erleuchtung (Satori) gelangen. Zen-Lehrer werden zu Ausbildern einer neuen Militärelite. Die Samurai sollen lernen, sich in der Konzentration auf den Kampf frei zu machen - Angst und alle störenden Gedanken auszublenden. Ein Schwertmeister drückt es im 17. Jahrhundert so aus: Ein Erleuchteter brauche keine Anweisungen. Er handle frei und spontan. Denn er besitze als Mann große Erkenntnis und große Tatkraft. Das Schwert des Samurai am Gürtel des zum Kampf gerüsteten Kriegers ist Ausdruck von Stolz und der Persönlichkeit seines Besitzers.

Samurai in Aktion (Spielszene)
Samurai in Aktion (Spielszene)

Der Weg der Samurai

Der Abwehrkampf gegen die Mongolen trägt entscheidend zur Legende der Samurai als unerschrockene Krieger und Verteidiger Japans bei. Kublai Khan, ein Nachkomme Dschingis Khans, erobert bis 1280 ganz Süd-China. Er will auch Japan unterwerfen. Ein erster Angriff scheitert. Bei nächsten Angriff sind beide Seiten besser vorbereitet. Kublai Khan bietet eine gewaltige Flotte mit über 4000 Schiffen und mehr als 140.000 Soldaten auf. Die hoffnungslos unterlegenen Japaner begnügen sich jedoch nicht allein mit der Verteidigung. Bei überraschenden Angriffen auf vor der Küste ankernde Schiffe der Mongolen sorgen die Schwerter der Samurai für Angst und Schrecken. Noch vor der großen Entscheidungsschlacht ergreift der Himmel in Gestalt eines Taifuns Partei für die Japaner. Die große Flotte der Mongolen und ihrer Verbündeten wird in alle Winde zerstreut und vernichtet. Die Überlebenden haben gegen die Schwerter der Samurai keine Chance.

Als der Tokugawa Ieyasu im Jahr 1600 das 250 Jahre währende Shogunat seiner Familie begründet und in der Folge Japan von allen Kontakten mit der Außenwelt abschließt, ändert sich auch das Leben der Samurai, der Kriegerkaste. Die Samurai werden Teil der vom Shogun neu geordneten Verwaltungsbeamtenschaft und besetzen Schlüsselstellungen in der Wirtschaft des Landes. Überkommene Kampftechniken werden im Frieden erhalten und zur Kampfkunst verfeinert. Überall in der Kunst und Kultur erlebt Japan eine Blütezeit, die entscheidend geprägt und getragen wird von Angehörigen der alten Kriegerkaste. Doch auch später, als Feuerwaffen längst in Japan eingeführt waren, behält das Schwert seinen Bedeutung im Werte-system des Inselreichs. Shogun und Samurai präsentieren ihren Rang durch ihre Waffen. Das Schwert bleibt das Symbol für ihre Macht über Leben und Tod.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet