Das Tor des Drachen

Chinas langer Aufbruch

Über Jahrtausende sahen die Chinesen ihr Reich als Zentrum der Welt. Abgeschieden von anderen Völkern entwickelte sich in China eine Zivilisation, die sich vom Rest der Welt grundlegend unterschied. Doch immer wieder versuchten fortschrittliche Herrscher, das Land zu öffnen.

Das Tor des Drachen - Chinas langer Aufbruch Quelle: ZDF

Bereits in den Anfängen ihrer Kultur waren die Chinesen ihrer Zeit weit voraus. Frühzeitig entwickelten sie beispielsweise Schrift, Staatsform und Gesetze. Die Shang (1600-1045 vor Christus) stellten die erste, heute bekannte Dynastie. Sie hoben die chinesische Hochkultur aus der Wiege. Doch das Land war lange Zeit in Kleinststaaten zersplittert, was die Entwicklung Chinas bremste. Herzöge regierten über das Volk. Mit der Zeit gewannen sie mehr und mehr an Macht und Einfluss. Erst Ying Zheng, Führer der Qin, einte 221 vor Christus das Land mit politischen als auch militärischen Mitteln und erhob sich zum "Ersten Erhabenen Kaiser" (Qin Shi Huangdi). Er gilt bis heute als Begründer des chinesischen Kaiserreiches.

Ein zerfallenes Reich

Chinesische Münzen aus der Kaiserzeit Quelle: ZDF

Ying Zheng stellte die Weichen für den Aufstieg des Landes zur Großmacht. Maße und Gewichte wurden vereinheitlicht. Er zentralisierte die Verwaltungsstrukturen, führte Münzen als Zahlungsmittel ein, die Steuerpflicht sowie den Militär- und Arbeitsdienst. Er hatte seine Ziele klar vor Augen: eine florierende Agrarwirtschaft und ein großes Heer .



Der Erste Kaiser ließ sich wie ein Gott verehren. Bereits zu seinen Lebzeiten entstanden ein riesiges Mausoleum und die berühmte Terrakotta-Armee. Großprojekte wie der erste Befestigungswall und die erste Große Mauerrealisierte er - mit Hilfe von Zwangsarbeitern. Sein harter Führungsstil war im Volk gefürchtet. Selbst kleinste Vergehen ächtete Ying Zheng mit harten Strafen. Sein Tod löste 210 vor Christus schließlich einen Bürgerkrieg aus, der einen Dynastie-Wechsel mit sich brachte. Neuer Kaiser wurde Liu Bang, der das Geschlecht der Han begründete. Er und seine Nachfolger setzten vor allem auf Expansionspolitik und eine zentrale Verwaltung des Landes.

Spielszene Bau der Großen Mauer Quelle: ZDF

Das Land entwickelte sich unter der 400-jährigen Herrschaft der Han-Kaiser gut weiter - bis die Barbaren einmarschierten und weite Teile des Landes einnahmen. Mit ihnen brach das chinesische "Mittelalter" an. Nur unter der Regentschaft der Sui und später der Tang (581-907) erreichte ein wiedervereintes China kurzzeitig politische und wirtschaftliche Stabilität. In dieser "Goldenen Periode" des Kaisertums öffnete sich das Land. Über die Seidenstraße und grenznahen Millionen-Metropolen begannen die Chinesen mit anderen Völkern Handel zu betreiben und sich mit ihnen kulturell auszutauschen. Kriege, Umweltkatastrophen und innerpolitische Machtkämpfe führten jedoch dazu, dass das Land erneut zerfiel.

Zu neuer Blüte

Erst mit dem Beginn der Ming-Dynastie Mitte des 14. Jahrhunderts erhob sich das stolze Kaiserreich wieder aus dem Chaos aus Bürgerkrieg, Reichsteilung und Besatzung von außen. Yongle (1360-1424), dritter Kaiser der Dynastie, führte das Land zu neuer Blüte. Er setzte auf Zentralisierungspolitik und stärkte die Institutionen des Reiches. Der Kaiser ließ die neue Hauptstadt Peking (Beijing) mitsamt Königspalast, der "Verbotenen Stadt", errichten.

Spielszene Einzug des Kaisers in die Verbotene Stadt Quelle: ZDF

Außenpolitisch galt sein Streben der Expansion des Landes; er vertrieb die Mongolen und ließ die große Ming-Mauer (1403-1435) bauen. Die Konflikte mit den Stämmen führten schließlich zwischen 1555 und 1644 zur Vollendung der "Großen Mauer". In Yongles Regierungszeit fiel auch der Beginn des Entdeckerzeitalters in China. Der von ihm beauftragte Admiral Zheng He erkundete mit einer 300 Schiffe umfassenden Flotte zwischen 1405 und 1433 den Pazifik und den Indischen Ozean. Dabei knüpfte Zheng He Handelskontakte nach Europa und Afrika. Yongles Nachfolger hatten allerdings andere Prioritäten und stellten die im Unterhalt teure Flotte außer Dienst.

Opium-Kriege

Innenpolitisch kehrte Stabilität ein, doch außenpolitisch zeichneten sich angesichts der immer stärkeren Abschottung Konflikte ab. Um an hochwertigen Tee zu gelangen, setzte die Handelsmacht England auf Opium als Tauschware. Die daraus resultierende Drogensucht durchdrang alle gesellschaftlichen Schichten und wurde zur Volksseuche - mit gravierenden sozialen und wirtschaftlichen Folgen. Erst spät setzte sich China zur Wehr. Doch Niederlagen auf dem Schlachtfeld im Ersten und Zweiten Opiumkrieg (1839-1842 / 1856-1860) hatten zur Folge, dass China seine Märkte öffnen und den Opium-Handel dulden musste.

Der letzte Kaiser

Angesichts tiefgehender Eingriffe in die Souveränität Chinas dauerte es nicht lange, bis es zu Aufständen gegen die ausländischen Mächte kam. Der bekannteste gewaltsame Protest war der "Boxer-Aufstand". Mitglieder der Sekte "Faust für Recht und Einigkeit" belagerten 1900 das Gesandten-Viertel in Peking und attackierten zunächst einzelne Ausländer. Im Laufe der Zeit entwickelte sich aus diesen kleinen Scharmützeln jedoch ein Krieg zwischen Europa und China.

Der Konflikt endete mit der neuerlichen Niederlage Chinas und dem Abschluss des so genannten Boxerprotokolls. Cixi, Mutter des jungen Thronerben und heimliche Herrscherin, musste aus der Verbotenen Stadt flüchten, als alliierte Truppen in den Palastkomplex einmarschierten - die größte, mögliche Demütigung für die Chinesen. 1912 schließlich dankte Pu Yi, Chinas letzter Kaiser, auf Druck der chinesischen Militärs ab. Die Volksrepublik China wurde ausgerufen.

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