Das Tote Meer stirbt auf Raten

Wasserknappheit im Nahen Osten

Sein Wasser ist so salzhaltig, dass sich Badende wie schwerelos einfach treiben lassen können - eine Attraktion für Israel-Touristen. Doch das Tote Meer mit seinen bizarren Küsten- und Unterwasserlandschaften aus Salzkristallen ist bedroht: Jährlich sinkt der Wasserspiegel des tiefstgelegenen Sees der Erde um etwa einen Meter.

Totes Meer im Panorama
Totes Meer im Panorama Quelle: ZDF

Anwohner haben das Tote Meer von jeher als unheilvollen Ort betrachtet. Sein Wasser ist extrem salzhaltig und damit lebensfeindlich. Kristallisiert das Salz aus, formt es sich am Ufer und unter Wasser zu Zapfen, die spitz wie Zähne emporragen. Die Felsen in der Tiefe sind mit einer harten, weißen Schicht überzogen.

Bedrohtes Naturwunder

Der Salzgehalt des Sees ist etwa zehnmal so hoch wie im Mittelmeer. Zu ihm hatte er früher in der Erdgeschichte eine Verbindung, die vor rund drei Millionen Jahren austrocknete. Trotz seiner lebensfeindlichen Bedingungen ist aber das Tote Meer gar nicht so tot, wie es scheint: Dort wo Süßwasser ins Tote Meer fließt, hat das Leben eine Chance: in der Schicht, die das leichtere Süßwasser auf dem Salzwasser bildet. Sie ist von einigen Fischen und Mikroorganismen bevölkert. Doch dieses einzigartige Ökosystem ist bedroht.

Versalzter Ast im Toten Meer
Versalzter Ast im Toten Meer Quelle: reuters

Das Tote Meer trocknet allmählich aus. Es verliert mehr Wasser durch Verdunstung, als ihm zuläuft. Jedes Jahr sinkt sein Wasserspiegel um über einen Meter. Zurück bleibt das Salz, das sich anreichert. An den Ufern bilden sich Sinklöcher - mit Brackwasser gefüllte Krater. Sie entstehen, wenn Grundwasser am Seeufer unterirdische Hohlräume auswäscht, die irgendwann in sich zusammenbrechen. Im vergangenen Jahrhundert ist der Wasserspiegel des Toten Meeres um 21 Meter gefallen und seine Oberfläche hat sich seit den 1960er Jahren um ein Viertel verringert. In fünfzig Jahren könnte von diesem "Meer" nur noch eine klägliche Pfütze übrig sein.

Aderlass am Jordan

Sinkender Wasserspiegel des Toten Meeres
Sinkender Wasserspiegel des Toten Meeres Quelle: reuters

Die Ursache des Austrocknens ist eindeutig: Der Jordan, sein Hauptzufluss, kommt nur noch als Rinnsal an. Was passiert mit dem größten Fluss der Region auf seinem 260 Kilometer langen Weg? Die gesamte Region ist auf das Wasser des Jordan angewiesen. Sein Ursprung liegt weiter nördlich: Zur Schneeschmelze sammelt sich Schmelzwasser an den Flanken des Hermongebirges an der Grenze zwischen Syrien und Libanon, das zuverlässig die Quellflüsse des Jordan speist. Sie vereinigen sich zum größten Fluss Israels und speisen wiederum den See Genezareth, den einzigen natürlichen Süßwasserspeicher Israels. An dessen Ende wird ein Großteil des Jordanwassers abgezapft. Israelis und, in geringerem Maße, Jordanier nutzen es als Trinkwasser und bewässern damit ihre Plantagen. Denn in weiten Teilen der Gegend fällt nicht genug Regen. Der kümmerliche Rest des Jordan mündet schließlich am Nordufer ins Tote Meer.

Um das Wasserproblem der Region zu lösen und das Tote Meer vor dem endgültigen Austrocknen zu retten, gibt es derzeit Pläne für einen Kanal. Er soll jährlich 1,8 Milliarden Kubikmeter Wasser vom Roten Meer zum 400 Meter tiefer gelegenen Toten Meer leiten. Doch Gegner des Projekts warnen vor erheblichen Risiken. Unter anderem könnten, so ihre Argumentation, in der erdbebengefährdeten Region Lecks im Kanal entstehen, durch die das Salzwasser aus dem Roten Meer austreten und die Grundwasserspeicher verunreinigen könnte.

Ein Graben durchzieht Israel

Erdstöße sind im Heiligen Land keine Seltenheit. Das ist seiner Geologie geschuldet: Tief unter Israel und Jordanien reiben sich zwei Kontinentalplatten aneinander. Der Jordangraben zieht sich als Teil des afrikanisch-syrischen Grabenbruches durch ganz Israel. Möglicherweise ist die Plattentektonik auch für eine verheerende Katastrophe verantwortlich, die in der Bibel geschildert wird: der Untergang von Sodom und Gomorrha. Der zürnende alttestamentarische Gott soll einst die beiden Städte zerstört haben, weil seine Bewohner in Sünde lebten. In der Bibel heißt es: "Da regnete es Schwefel und Feuer vom Himmel und brachte sie alle um".

Forscher vermuten, dass die Städte von einem der häufigen Beben zerstört wurden. Aber was hat die Feuersbrunst ausgelöst? Tatsächlich gibt es in der Gegend Erdgas im Boden, sogar knapp unter der Oberfläche. Ein Beben kann Risse im Untergrund verursachen. Dann tritt Gas aus und kann sich an Herdfeuern entzünden. Dennoch bleibt ein Rätsel: Bis heute konnten Archäologen keine Überreste von Sodom und Gomorrha finden. Wurden die beiden biblischen Orte buchstäblich vom Erdboden verschluckt?

Sodom und Gomorrha

In einem aufwendigen Experiment erprobten Forscher, wie sich das Unglück abgespielt haben könnte: Im Untergrund unter den Siedlungen wechseln sich wasserdurchlässige Sand- und wasserundurchlässige Lehmschichten ab. Um realistisch die damaligen Bedingungen zu simulieren, setzen Forscher Modellhäuser auf einen solchen geschichteten Boden und ließen mittels einer Zentrifuge die Erdbeschleunigung auf sie wirken. Dann wurde getestet, wie sich in dieser Konstellation ein Erdbeben auswirkt.

Animation: Lehmhütten versinken im Wasser
Trick Sodom und Gomorrha Quelle: ZDF

Das Ergebnis: Schon nach kurzer Zeit drückt Wasser an die Oberfläche, unaufhaltsam versinken in dem Modell die Hütten in dem Gemisch aus Wasser und Sand. Genau so stellen sich Wissenschaftler den Untergang von Sodom und Gomorrha vor: Durch ein Beben drang Wasser aus dem Untergrund, der Boden wurde instabil. Mitgerissen von einer gewaltigen Schlammlawine rutschten die Gebäude ab und schlitterten wie auf einer Rutschbahn unaufhaltsam hinunter ins Tote Meer. Dort, so vermuten einige Forscher, ruhen nun für immer die Ruinen von Sodom und Gomorrha.

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