Das tragische Ende der U-1195

Der Überlebende Rudi Wieser berichtet

Auf Anraten des ehemaligen U-Bootfahrers Horst Bredow fährt Peter Robbins nach Sylt, um den U-Boot-Veteran persönlich zu treffen. Vielleicht ist er endlich der Geschichte auf der Spur, nach der er immer gesucht hat.

Die deutsch-amerikanische Begegnung ist für beide Männer ein aufregender Augenblick. Und der Beginn eines gemeinsamen Weges - zurück in Rudi Wiesers Vergangenheit.

Mitten im Thema



Im Keller des Hauses unterhält der 80-Jährige ein Privatarchiv. Eine Fundgrube mit Karten, amtlichen Dokumenten, Briefen und Fotografien. Schnell sind die beiden mitten im Thema. Der Besucher aus den USA erfährt eine Menge Details. Der Seemann Rudi Wieser diente auf der U-1195 im Rang eines Matrosen-Obergefreiten. Zu seinen zahlreichen Aufgaben gehörte auch die Wartung der Torpedos und das Abfeuern der Zwei-Zentimeter-Flag. Das Geschütz wurde zur Abwehr gegnerischer Flugzeuge eingesetzt.

Ein sorgsam aufbereitete Mappe dient zur Erinnerung an die ersten Schritte bei der Marine. Sogar Flugblätter der U-Bootwaffe, Fotos aus der Jugend und alte Ausweispapiere sind sorgfältig abgeheftet. Eine lückenlose Dokumentation seines militärischen Werdegangs.
1942, mit 17 Jahren, meldet sich Rudi Wieser freiwillig zur U-Bootwaffe. Zunächst fährt er auf der U-763. Nach einem Treffer durch ein englisches Jagdflugzeug steigt die Besatzung um auf ein neues Boot: die U-1195. Am 4. Februar 1945 läuft sie aus zur ersten Feindfahrt. Genau an dem Tag, an dem in Jalta bereits über eine Nachkriegsordnung verhandelt wurde.

Im feindlichen Lager

Vom norwegischen Bergen aus steuert Kapitänleutnant Ernst Cordes die U-1195 Richtung Nordatlantik. Der Plan des erfahrenen Kommandanten: die Nachschublinien von England nach Frankreich anzugreifen. So wie er es schon mit der U-763 versucht hatte. Damals jedoch kam es durch einen Navigationsfehler fast zur Katastrophe. Das Boot hatte sich mitten ins feindliche Lager manövriert.




Und zwar in Portsmouth, wo es von amerikanischen und englischen Zerstörern nur so wimmelte. Doch die U-763 hatte Glück. Denn niemand rechnete dort mit einem deutschen U-Boot. Kommandant Cordes schlich sich hinter einem auslaufenden Frachtschiff aus dem Hafen. Die Flucht gelang. Mit der U-1195 kehrt der Kapitän ein Jahr später in den Ärmelkanal zurück. Am Morgen des 6. April taucht im Periskop ein Truppentransporter auf.




Der letzte große Treffer

Mit der Versenkung der S.S. Cuba verzeichnet die deutsche U-Boot-Flotte den letzten großen Treffer im Zweiten Weltkrieg. Der umgebaute Luxusliner geht schnell unter. Alle Soldaten bis auf einen werden gerettet. Die britische Admiralität entsendet sofort sechs Zerstörer. Als die Jäger in Kiellinie auffahren, macht sich die U-1195 klar zum Abtauchen. Eile ist geboten. Jeder Handgriff sitzt. Doch es gibt ein Problem. Der Kanal ist nicht tief genug, um den Verfolgern zu entwischen.




Als die Schiffsschrauben näher kommen, mahnt der Kapitän zur Stille. Die Hedgehog-Wasserbomben reißen massive Löcher in den Druckkörper des deutschen U-Boots. Der aufsteigende Ölteppich - eindeutiger Beweis für das Ende der U-1195. Wie durch ein Wunder konnte Rudi Wieser mit 17 Kameraden dem stählernen Sarg entkommen.



Das einschneidende Erlebnis ist selbst nach 60 Jahren noch immer gegenwärtig. Dennoch erklärt sich U-Bootveteran Rudi Wieser bereit, mit Peter Robbins zum Ort des Geschehens zurück zu kehren. Sobald die "Alicia" startklar ist, soll die Tauchfahrt stattfinden.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet