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Das Tuch von Edessa

Abbild Jesu revolutioniert die Christusdarstellungen

In Jerusalem feiern alljährlich Christen aus aller Welt das Wunder der Auferstehung. Tausende versammeln sich um die Grabeskirche - den Ort, an dem sich nach historischer Überlieferung das Grab Jesu befunden hat.

Gibt es tatsächlich ein Grabtuch Jesu Christi, dann muss seine Geschichte an der Grabeskirche begonnen haben. Eine Legende gibt einen ersten Hinweis. Die Spur führt von Jerusalem aus nach Norden in die Stadt Edessa.

Vom Tuch geheilt

Nur kurze Zeit nach Jesu Tod soll der Jünger Taddäus von der Heiligen Stadt aus aufgebrochen sein, um dem schwer kranken Herrscher von Edessa, König Abgar V., ein geheimnisvolles Tuch zu überbringen. Durch die Berührung mit diesem Tuch wird der König von seiner Krankheit geheilt. Die Legende berichtet, auf dem Stoff sei als schwaches Abbild Jesu Gesicht zu erkennen gewesen. Verbürgt ist, dass König Abgar sich daraufhin zum Christentum bekannte. Sein Herrschaftsgebiet wird zum ersten christlichen Königreich. Doch die Spur des legendären Tuches verliert sich.

Noch werden die Christen im ganzen Römischen Reich verfolgt. Ihr Glaube gilt als staatsfeindlich, seine Anhänger werden gejagt und in den Untergrund gedrängt. Ein Tuch mit dem Abbild von Jesus hätte vor den Augen der Obrigkeit verborgen werden müssen. Erst zu Beginn des vierten Jahrhunderts erobert der neue Glaube die Paläste. Unter Kaiser Konstantin wird das Christentum jetzt offiziell zugelassen. Im gesamten ost-römischen Reich von Byzanz wird es zur Staatsreligion und tritt einen unaufhaltsamen Siegeszug an. Reliquien werden zum Zeichen der Gottesverehrung und ihr Besitz ein Symbol für Macht.

Kultische Verehrung

Fast ein halbes Jahrhundert nach der Herrschaft König Abgars in Edessa taucht plötzlich erneut ein wundersames Tuch auf. Edessa ist jetzt von den Persern belagert. Nicht mehr eine Legende, eine Chronik dokumentiert den spektakulären Fund.



Zufällig entdecken Einwohner bei Befestigungsarbeiten an der Stadtmauer in einem Hohlraum ein verborgenes Tuch mit dem Antlitz Jesu. Wie durch ein Wunder ziehen sich die Belagerer kurze Zeit später von der Stadt zurück. Von diesem Zeitpunkt an wird das Tuch von Edessa mit dem Christusantlitz als Schutzheiligtum kultisch verehrt. Den Blicken der Menschen bleibt es aus Sorge um seine Wunderwirkung jedoch verborgen.

Völlig neue Sicht auf den Messias

Als "nicht von Menschenhand geschaffen" wird das Edessa-Bild über die Region hinaus bekannt. Die Kunde vom wahren Aussehen Jesu revolutioniert die Christusdarstellungen. Es kommt zu einer völlig neuen Sicht auf den Messias. Ein Porträt auf einer Silbervase aus dieser Zeit zeigt ihn mit langen Haaren, kurzem Bart und schmaler Nase. Das Edessa-Bild ist das Urbild Jesu und für viele Gläubige sein wahres Antlitz.




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