Das unsichtbare Universum

Mit der Superzeitlupe neue Welten erschließen

Nach vielen tausend Jahren der Existenz überlisten wir Menschen immer gekonnter die Grenzen, die uns die Natur ursprünglich gesetzt hat. Mit wunderbaren Erfindungen sehen wir genauer, hören über ungeheure Distanzen und machen die Welt immer durchsichtiger. Fernrohr und Flugzeug, Mikroskop und Mobiltelefon, aber auch das Fernsehen sind technische Meisterleistungen.

Shaolin-Mönch wirft Nadel auf Glasscheibe
Shaolin-Mönch wirft Nadel auf Glasscheibe Quelle: ZDF

30.000 statt 20 Bilder pro Sekunde

Auf Knopfdruck blicken wir auf alle Kontinente, in Konzertsäle und Stadien, in Hauptstädte und Reservate, gerne auch live, hochauflösend und in Stereo Surround. Dabei hat das Medium magische Möglichkeiten, die wir gerade bei Sportübertragungen oder Dokumentationen häufig nutzen: Zeitraffer und Zeitlupe als wundersame Zeitreisen.


Wir verlangsamen oder beschleunigen je nach Bedarf, erkennen so Zusammenhänge und sind verblüfft. Plötzlich sehen wir eilig fließende Gletscher oder rasant wachsende Wolkenkratzer. Stunden werden zu Sekunden. Oder umgekehrt: Hundertstelsekunden werden zu ausgedehnten Sequenzen. Dann beschweren wir uns über üble Fouls oder ein knappes Abseits bei der Bild-für-Bild-Betrachtung - und staunen nach aufwendigen Dreharbeiten über die Wunder der Natur.

Feuerball bei einer Explosion
Feuerball bei einer Explosion Quelle: ZDF


Aus der Zeitlupe ist mittlerweile die Superzeitlupe geworden - und sie lädt uns immer intensiver ein in das Reich des Unsichtbaren. Das menschliche Auge kann maximal 20 Bilder in der Sekunde wahrnehmen, die neuesten Spezialkameras schaffen dagegen 300.000! Das eröffnet eine neue Welt und erstaunliche Einsichten. Bilder von großer Schönheit bannen und begeistern auch die Wissenschaftler: Bienen schlagen 200 Mal pro Sekunde mit ihren Flügeln. Pferde fliegen. Explosionen erzeugen Schockwellen, als wären es gläserne Kuppeln. Auch wir Profis für bewegte Bilder sitzen elektrisiert vor den Ergebnissen der Hochgeschwindigkeitskameras.

Eine Boxerin im Geschwindigkeits-Check

Bis heute ist es nicht gelungen, den Flug der Vögel, insbesondere die Stellung und Aerodynamik der Flügel, vollständig zu entschlüsseln. Erst die Megazeitlupe enthüllt das Rätsel, das Forscher seit Jahrhunderten zu begreifen versuchen. Und auch das Wunder Mensch offenbart neue Einsichten.

Für die zweiteilige "Terra X"-Reihe "Schneller als das Auge" wurde Susi Kentikian, die dreifache Boxweltmeisterin im Fliegengewicht, so exakt vermessen wie kein Boxer zuvor. Mit Hochgeschwindigkeitskameras und sechs Infrarotkameras wollten die Wissenschaftler herausfinden, wie schnell sich die Athletin bewegt. Mit einem bemerkenswerten Ergebnis: Susi Kentikian ist mit bis 300 Schlägen pro Minute die schnellste Boxerin der Welt. Ein Schlag von ihr liegt unter 200 Millisekunden, zu schnell für das menschliche Auge, meist auch zu schnell für ihre Gegnerinnen.

Wir blicken mit hoch empfindlichen Kameras auch in das Herz einer Explosion. Die Detonation erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 10 000 Metern pro Sekunde - das ist 30 Mal schneller als der Schall. Das bloße Auge sieht nur einen Feuerball, der in den Himmel steigt. Die Megazeitlupe offenbart die sogenannte Machwelle.

Das gesprengte Steak

Das Resultat der Hochgeschwindigkeitsaufnahmen beschäftigt die Wissenschaftler verschiedenster Fachrichtungen so sehr, dass sie nicht nur die Türen zu ihren Forschungsprojekten weit öffneten, sondern für die Dreharbeiten sogar eigene Experimente entwickelten. Im besten und empfindlichsten Windkanal Europas durften etwa ein Falke und ein Uhu die besondere Physik des Vogelflugs vorführen, und bei unserem Explosions-Dreh wurden wir Zeuge einer sagenhaften Steak-Sprengung.

Die Verlangsamung von Superschnellem ist ein Blick in eine faszinierende Parallelwelt. Reichlich Stoff für zwei "Terra X"-Ausgaben, die trotz Spiel mit der Zeit jeweils 45 Minuten lang sind - und wie immer sonntags um 19.30 Uhr starten.

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