Das verlorene Paradies

Von der Ursünde zur Zivilisation

Es hätte so schön sein können im Paradies, im Garten Eden: keine Kriege, genug zu essen, Tier und Mensch vertragen sich. Die ersten Menschen, Adam und Eva, leben dort in paradiesischer Unschuld. "Und sie waren beide nackt der Mensch und sein Weib", heißt es in der Bibel, "und sie schämten sich nicht." Aber dann kam das Verhängnis.

Wie Kinder leben Adam und Eva im Garten Eden, denn in ihrer Welt gibt es weder Schuld noch Verantwortung. Doch das Paradies ist nicht von Dauer, das Unglück schleicht sich hinterhältig in die Idylle ein.

Verführung oder Aufklärung?

Eine Schlange, heißt es, verführt die Menschen dazu, etwas Verbotenes zu tun, den Apfel vom Baum der Erkenntnis zu essen. Er verleiht die Gabe, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Ein Gleichnis, mit dem die Bibel erklärt, warum der Mensch die Freiheit besitzt, Gutes oder Böses zu tun.





Aber man kann den Text der Bibel auch ganz anders lesen, als die Umarbeitung eines uralten heidnischen Mythos. Er handelt nicht vom Ursprung des Bösen, sondern von einer weit reichenden Entdeckung: Laut der heidnischen Sage ist nämlich die Sexualität und das Geheimnis der Fortpflanzung den Menschen unbekannt gewesen. Aber es wird ihnen von einem Schlangengott verraten, woraufhin die anderen Götter diesen Schlangengott ebenso bestrafen wie die Menschen, denen man aber das Geheimnis der Fortpflanzung nicht mehr entreißen kann.

Konkurrenzkampf

Das verlorene Paradies - Symbol für den Verlust der kindlichen Unschuld. Der Mensch ist erwachsen geworden und von jetzt an verantwortlich für das, was er tut. Und schon die Söhne der ersten Menschen, so erzählt die Bibel, geraten in Streit. Kain, der Bauer erschlägt seinen Bruder Abel, den Hirten. Eine Legende, die zurückführt an den Anfang der menschlichen Zivilisation.


Schon vor Jahrtausenden zogen Menschen als Nomaden mit ihren Tieren durch die endlosen Weiten des Orients. Ein Leben, das eine Welt ohne Grenzen und Besitzansprüche voraussetzt. Doch dann verändert sich die Gesellschaft radikal. Vor etwa 10.000 Jahren beschließen Menschen, am selben Ort zu bleiben, Häuser zu bauen und Ackerbau zu treiben. Sie betrachten das Land als ihren Besitz. Dadurch geraten sie in Streit mit den umherziehenden Nomaden.

Der Mensch ist böse

In der Erzählung von Kain und Abel erinnert die Bibel zwar an diesen Kampf der Kulturen. Sie liefert aber eine andere Erklärung dafür, warum unsere Welt so friedlos ist und Brüder zu Feinden werden. Denn seit dem Sündenfall im Paradies habe sich der Mensch von Gott entfernt, und das sei der Grund für alles Schlechte in der Welt.



Kain erschlägt Abel, weil er glaubt, Gott bevorzuge seinen Bruder. Kain - das Urbild des Mörders aus Eifersucht. "So ging Kain hinweg von dem Angesicht des Herrn und wohnte jenseits von Eden." Das Paradies war für immer verloren und mit ihm der Traum von einer Welt ohne Mühe, ohne Arbeit.

Weil der Mensch nicht mehr im Paradies lebt, ist er gezwungen, sich in der Welt einzurichten. Er muss das Land bestellen, er baut Häuser und Straßen, er erfindet die Schrift und das Geld: Er entwickelt eine neue Zivilisation.

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