Das Waisenhaus von Nyaru Nenteng

Pflege für Orang-Utan-Babys

Heute werden die letzten Urwälder durch Raubbau und Kahlschlag vernichtet. Alle zwei Sekunden fällt eine Fläche von der Größe eines Fußballfeldes den Motorsägen zum Opfer - für Reisfelder und Plantagen zum Beispiel. Indonesien, zu dem heute der größte Teil des malaiischen Archipels gehört, hat bereits zwei Drittel seines Regenwaldes abgeholzt.

Allein in Kalimantan, dem indonesischen Teil von Borneo, leben heute neun Millionen Menschen. Die letzten, wertvollen Wälder, glauben Experten, werden hier bis 2010 ausradiert sein.

Affenbabys vom Schwarzmarkt

Die einmalige Tierwelt Borneos, die Alfred Russel Wallace einst so magisch anzog, findet man heute auf legalen und illegalen Tiermärkten - wie in Banjarmasin. Und obwohl der Handel mit Affen inzwischen verboten ist, kann man sich sogar ein Orang-Utan-Baby problemlos auf dem Schwarzmarkt bestellen.

Viele Krankheiten

Lone Dröscher-Nielsen rettet seit zehn Jahren Orang-Utan-Babys auf Borneo. 159 Affen leben in ihrem Waisenhaus bei Palangka Raya. Nun kommt Nummer 160 an. Dem Neuankömmling geht es beinahe wie jedem Menschenbaby beim Kinderarzt: Er wird gewogen und muss allerlei Untersuchungen über sich ergehen lassen, deren Ergebnisse Lone im Aufnahmeprotokoll festhält.


Den schlimmsten Schicksalsschlag hat der Neue allerdings schon hinter sich. Denn wie alle Orang-Utan-Babies, die hier landen, hat der kleine Menschenaffe mit ansehen müssen, wie seine Mutter umgebracht wurde. Der Neue bekommt den Namen Kaj. Und auch wenn Kaj offenbar nicht in bester Verfassung ist, hofft Lone, dass er weder Typhus, Ruhr, Hepatits noch sonst eine Krankheit hat, mit der so viele Babys bei ihr abgegeben werden.

Normalerweise hätte Kaj sich die ersten sieben Jahre an seiner Mutter festgeklammert - hoch oben in den Bäumen des Regenwaldes. Im Waisenhaus muss er nun von Menschen lernen, wie ein Affe im Urwald überlebt. Mit der Babygruppe beginnt im Waisenhaus von Nyaru Menteng die Erziehung für ein Leben im Regenwald. Die künftigen Kumpels von Neuankömmling Kaj werden noch rund um die Uhr betreut. Auf drei bis vier Babys kommt dabei eine Pflegerin. Meistens Indonesierinnen aus der Nachbarschaft.

Affenmutter aus Dänemark

Die gebürtige Dänin Lone Dröscher-Nielsen ist eine der wenigen Europäerinnen hier. Lone war früher Stewardess. Sie verfiel den Orangs bei einem Tropen-Urlaub. Seither ersetzt sie den Waisenkindern von Borneo die Affenmutter. Und das kostet viel Kraft: Orangutans krallen sich die ersten Lebensjahre ununterbrochen an ihre Mütter. Ihr Instinkt verbietet ihnen loszulassen. Denn das wäre in den Gipfeln des Regenwaldes lebensgefährlich. Die ersten Monate dürfen die Affenbabys sogar mit Lone im Bett schlafen, bis sie Plastikkörbe oder Hängematten als sicheres Nest akzeptiert haben.

Orangs sind schon von Kindesbeinen an kleine Persönlichkeiten, wie sich das für Primaten gehört. Manche wollen unbedingt an die Hand oder auf den Arm, andere sind stolz, schon allein zu laufen - oder können sich gerade nicht entscheiden, was sie eigentlich wollen. Fortgeschrittene schaffen den täglichen Marsch in den Dschungel schon auf eigenen Beinen.

Lone Dröscher-Nielsen und ihre indonesischen Mitarbeiter versuchen allen hier die Mutter zu ersetzen und sie trotzdem über Jahre auf ein Leben im Regenwald vorzubereiten - wenn es den Wald dann noch gibt. Eine ganze Schwadron von Helferinnen ist täglich im Einsatz. Im Vorschulalter ist es den menschlichen Primaten noch erlaubt, die Primatenkinder zu bemuttern. Erst später muss man den Orang-Utans Angst einjagen - vor den Menschen.

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