Das Wunder von Cajamarca

180 Spanier gegen 12.000 Inka

Der Weg nach Cajamarca schien endlich frei, trotzdem ließ Pizarro Vorsicht walten. Als Vorhut schickte er seine besten Männer zur scheinbar uneinnehmbaren Festung von Cajamarca. Auf dem Marktplatz kam es zum Show-Down zwischen den Inka und den Spaniern.

Wieder erlebten Pizarros Kundschafter eine Überraschung: Die Stadt war menschenleer. Niemand stellte sich ihnen in den Weg, die Zugbrücke war unbewacht.

In die Höhle des Löwen

Während Pizarros Truppen Cajamarca besetzten, badete Atahualpa mit seiner Lieblingsschwester in den nahegelegenen Thermen von Pultamarca. Er war überzeugt, dass ihm die kleine Schar der Fremden nicht gefährlich werden konnte. Von Cajamarca aus schickte der Konquistador drei Boten mitten in die Höhle des Löwen. Der Gottkönig empfing sie mit scheinbar kühler Würde. Die Spanier waren beeindruckt: "Aus der Starre ihrer Blicke loderte ein bedrohliches Feuer," berichtete der Chronist.

Demonstrativ blieben die Spanier im Sattel sitzen, hoch zu Ross fühlten sie sich sicher. Die Inka, denen Pferde unbekannt waren, hielten sie für unbesiegbare Fabelwesen. Mit keiner Regung verriet Atahualpa seine Gefühle, dann trank er plötzlich aus dem Schädel eines Hingerichteten auf das Wohl der Spanier. Den Fremden wurden goldene Becher gereicht. Atahualpa versprach, am nächsten Tag nach Cajamarca zu kommen, um ihren Anführer kennen zu lernen, doch die Spanier blieben misstrauisch.

Letztes Gebet


Bei Anbruch der Dunkelheit flackerten auf allen Hügeln der Stadt bedrohlich die Lagerfeuer der mächtigen Inkaarmee. Tausende Krieger hatten seine Kundschafter ausgemacht - gegen 180 Spanier. In der Nacht des 16. November 1532 versammelten sie sich zum letzten Gebet. Im Morgengrauen verschanzten sich die Soldaten. Angespannt warteten sie in ihren Verstecken, doch Stunden vergingen, ohne dass sich der Inkakönig zeigte.

Plötzlich erschienen die Inka auf den umliegenden Hügeln. Auf 12.000 Mann schätzten die Spanier die Armee der Indios, doch augenscheinlich waren sie unbewaffnet. Jubelschreie kündigten das Erscheinen Atahualpas an, ein eigenartiges Ritual begann: Als Vorhut des königliches Trosses säuberten Hunderte von Dienern dem Gottkönig den Weg. Von den vornehmsten Adeligen seines Hofstaates ließ er sich in die Mitte des Platzes tragen. Nach einem festgelegten Ritual gruppierte sich sein Gefolge um den prunkvoll geschmückten Thron aus purem Gold. Zum ersten Mal bekamen die Eroberer einen Eindruck vom Reichtum des Inkafürsten. Atahualpa glaubte, dem Gegner mit seiner gottgleichen Erscheinung Respekt einzuflößen.

Feuer aus dem Hinterhalt


Auf dem Marktplatz von Cajamarca trafen zwei Welten aufeinander. Pizarros Priester ging mit Kruzifix und Bibel auf den König zu. Er forderte Atahualpa auf, seinem Irrglauben abzuschwören, sich taufen zu lassen und sich der spanischen Krone zu unterwerfen. Der Pater überreichte ihm die Bibel, doch die Inka kannten weder Schrift noch Buch. Wie ein indianisches Orakelkästchen hielt er sich die Heilige Schrift ans Ohr. Als der Inka-Herrscher den unerklärlichen Gegenstand zu Boden warf, schlugen die Spanier los. Aus dem Hinterhalt ließ Pizarro gegen 12.000 Inkakrieger das Feuer eröffnen.

Die riesige Indio-Armee floh in heillosem Chaos. Der große Sonnengott stürzte in den Staub und wurde unter Arrest gestellt. "Niemand, dem sein Leben lieb ist, vergreife sich am Inka!" soll Pizarro ausgerufen haben. Er war ihm so kostbar wie das Gold des Landes, denn mit ihm als Geisel hatte er dessen Untertanen nicht zu fürchten.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet