David gegen Goliath

Suche nach wissenschaftlichen Beweisen der Bibelerzählung

Das Alte Testament bezeichnet die Philister als die größten Feinde Israels. Als sie um 1200 Palästina besiedeln, formieren sich die zwölf israelitischen Stämme zur Gegenwehr - aus Angst vor Landverlust. David auf der einen, Goliath auf der anderen Seite.

Zweikampf zwischen David und Goliath Quelle: ZDF

Wer in Zukunft die Macht in Händen hält und als König über Israel regiert, entscheidet ein Stein. So erzählt die Bibel die Geschichte vom Kampf des Hirtenjungen gegen den bewaffneten Riesen aus der Fremde. Im Heiligen Land macht sich der israelische Archäologe Aren Maeir auf die Suche nach dem historischen Goliath. Er will herausfinden, ob unter den Philistern ein Krieger dieses Namens überhaupt existierte. Ihre einstige Metropole Gath liegt unter dem Hügel Tell-es-Safi - verborgen unter meterhohem Schutt. Tell-es-Safi war die größte und bedeutendste Stadt der Philister, vermutlich sogar eine der größten Städte im gesamten Vorderen Orient.

Schriftzug Goliath auf Tonscherbe Quelle: ZDF

Kleinod aus der Erde

Unterhalb des Kamms auf dem ausgedehnten Areal graben die Israelis seit acht Jahren. Inzwischen haben sie ein Wohnviertel freigelegt. In einer Schicht, die in das 10. Jahrhundert vor Christus datiert, holen die Wissenschaftler ein Kleinod aus der Erde. Ein unscheinbares Zeugnis, das für die Schilderung in der Bibel zu sprechen scheint. Das Fragment eines Topfes erregt in Fachkreisen Aufsehen, weil ein paar ungelenke Striche - nebeneinander in die Tonscherbe eingeritzt - lesbare Wörter ergeben. Für Dr. Aren Maeir und sein Team ist die archaische Inschrift die lang gesuchte Nadel im Heuhaufen - eine sprachwissenschaftliche Sensation.

Wer dieser Goliath war, den die Tonscherbe preisgibt, kann wohl niemand mehr herausfinden. Aber sie belegt zumindest, dass im 10. Jahrhundert vor Christus ein Mann dieses Namens gelebt hat. Die Gravur beweist auch die Verschmelzung der beiden Volksstämme. Die Fremden behielten zwar ihre traditionellen Namen bei, schrieben sie aber in der Schrift ihrer Nachbarn in Kanaan, einem frühen Hebräisch.

Tödlich verletzter Goliath Quelle: ZDF

Friedliche Wendung

Auf die Auseinandersetzung zwischen den Israeliten und den Seevölkern folgt ein Austausch - über die Grenzen der feindlichen Lager hinweg. Der siegreiche Held der Israeliten, David, erhebt sogar Krieger des Gegners zu seiner Leibgarde. Als "Kreti und Pleti" sind sie bis heute Sinnbild für eine zusammengewürfelte Truppe. Die Bibel berichtet von der friedlichen Wendung zwischen den ehemaligen Rivalen. Es heißt: "Und David machte sich auf und zog hin mit seinen Männern zu Achisch, dem König von Gath."

Endlich finden die Entwurzelten eine Heimat. Aus Gegnern werden Verbündete - in der Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft. Das Schicksal der Seevölker ist mehr als nur eine Fußnote in der Geschichte der Bronzezeit. Es steht für eine Epoche, in der ein Klimaumbruch die damalige Welt in ihren Grundfesten erschütterte. Um 1000 vor Christus steht die Gruppe der Seevölker für eine Entwicklung, die das gesamte Gebiet in Kanaan wie eine Welle erfasst. Sie sorgt für einen gemeinsamen Aufschwung, der die Unterschiede zwischen den Philistern, wie die Seevölker von der Bibel genannt werden, und Israeliten langsam aber sicher verwischt.

Leibgarde von David Quelle: ZDF

Zeichen für Wandel

Als die Philister zu Beginn der Eisenzeit kommen, haben sie noch eine eigene Kultur, die gut zu unterscheiden ist. Doch der kulturelle Austausch hat auch seine Schattenseiten. Irgendwann, so die Befunde, verliert sich die Unverkennbarkeit des Stils, den die Philister pflegten. Ein Beispiel für den Wandel im Leben der Philister ist der offene Herd in der Mitte ihrer Heiligtümer. Die ewigen Flammen bewacht ihr geflügeltes Wappentier: der mykenische Schutzvogel. Doch schon zwei Generationen später nimmt die Bedeutung der Feuerstelle allmählich ab und verschwindet schließlich völlig aus den Kultstätten. Das zeigt, dass sich die Einwanderer den lokalen Traditionen angepasst und ihre Eigenständigkeit verloren haben.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet