Dawson City

Kanadas El Dorado am Yukon River

Der Goldrausch bricht aus wie ein Fieber. Als Fallensteller am 17. August 1896 in der Klondike Region am oberen Yukon auf Gold stoßen, verbreitet sich die Nachricht rasch. Buchstäblich über Nacht kennen mehr als fünfzigtausend Menschen nur ein Ziel: Alaska, wo der Traum von Reichtum und Freiheit zum Greifen nah scheint.

"Goldmann": Dawson Daily News
"Goldmann": Dawson Daily News Quelle: ZDF

Dawson City ist gewarnt: Die kleine Bretterstadt an der Mündung des Klondike in den Yukon River zählt im harten Winter von 1896 auf 1897 nur wenige Dutzend Einwohner. Sie haben nur ein Thema: George Carmacks und seine zwei indianischen Freunde haben am Fluss Gold entdeckt, Claims abgesteckt und ihr Besitzrecht im nahe gelegenen Ort Forty Miles registrieren lassen.

Der Sturm der Glücksritter

Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Irgendwie hat fast jeder in dem rauen, dünn besiedelten Land davon erfahren, und die meisten haben sich bereits ebenfalls einen Stück vom großen Kuchen gesichert. Sie wissen: Sobald das Frühjahr den Weg über die Berge und auf dem Fluss passierbar macht, werden Tausende nach Dawson City kommen. Goldsucher, Glücksritter und Abenteurer aus dem Süden und aus allen Teilen der Welt.

Karte von Alaska und Yukon-Gebiet
Karte von Alaska und Yukon-Gebiet Quelle: Google-Maps

Nach kurzem Frühjahr setzt Anfang Juni 1897 ein unablässiger Strom Zuwanderer ein. Sie alle haben nur eine Frage: Wo liegt das Gold? Sind noch Claims zu haben? Dawson City verwandelt sich in eine gewaltige Baustelle. Überall schießen Häuser aus dem Boden, Läden, Lager, Spielhallen und Restaurants. Um die Stadt herum wuchern überfüllte Zeltlager in alle Richtungen. Die Preise für Grundstücke, Lebensmittel und Ausrüstung steigen in schwindelnde Höhen.

Claims sind schnell abgesteckt

Handwerker unter den Neubürgern finden an Ort und Stelle gute Beschäftigung. Andere brechen sofort auf zu den Flußtälern zwischen Klondike und Indian River. Doch manche kommen bereits zu spät. Bald ist jeder Quadratmeter Boden vergeben. Wer keine Arbeit bei einem der Claimbesitzer oder in der Stadt findet, muss weiter ziehen oder aufgeben. Viele verkaufen ihre Ausrüstung und sehen, dass sie vor Wintereinbruch zurück zur Küste gelangen.

Vereine und Infrastruktur entstehen

Im Jahr darauf, 1898, erreichen allein im Mai 35.000 Goldsucher die Stadt. Das Geschäft mit dem Nachschub teilen sich zwei große Gesellschaften. Die "Alaska Commercial Company" und die "North American Trading Company" transportieren mit insgesamt sechzig Dampfschiffen, acht Schleppern und zwanzig Schuten Ausrüstung Lebensmittel und alle erdenklichen Luxusgüter nach Dawson City. Ärzte, Anwälte, Banken, Theater und ein Krankenhaus gibt es in der Stadt, und sogar einen Gesangverein. Läden und Restaurants bieten, was die Welt an ausgefallenen Genüssen zu bieten hat. An keinem anderen Ort der Welt wird in jenen Tage mehr Gold umgesetzt. Die besten Claims erbringen mehr als 40.000 Dollar Gewinn. Ein Goldsucher legt zwei Nuggets auf den Banktresen die mehr als 600 Dollar wert sind. Eine gute Pfanne bringt seinem Besitzer Gold für acht Dollar. Die beste Pfanne, von der die Zeitungen schreiben, geht mit mehr als 600 Dollar in die Geschichte ein.

Straße in Dawson City heute
Straße in Dawson City heute Quelle: ZDF

In den amerikanischen Städten an der Küste, Skagway und Dyea, von denen aus die Masse der Goldsucher den harten Weg zum Klondike antreten, herrschen Gewalt und Betrug. Anders in Dawson City: Hier hat die kandische Polizei das Sagen. Die Reiter der "Mounted Police" in ihren roten Uniformen sorgen dafür, dass in den Jahren des großen Booms kein schweres Verbrechen ungesühnt bleibt. Gewehre und Revolver müssten in der Stadt registriert werden, und Stichwaffen sind verboten.

Die goldene Stadt im Boom

Örtliche Zeitungen wie der "Klondyke Nugget" berichten über harte Strafen für Verstöße von denen besonders die Arbeit im Holzlager der Stadt gefürchtet war. Die Presse macht sich jedoch auch zum Anwalt der Bürger, indem sie gegen hohe Abgaben wetterte. Bis zu 20 Prozent ihres Gewinns müssen die Goldgräber an den Staat zahlen, ein Thema, das für Unruhe und Protest in den Kneipen der Stadt sorgt.

Das Gold aus den Claims landet in den Banken der Stadt. Manche verstauen es jedoch auch in großen Kisten und lassen es direkt nach San Francisco oder Seattle bringen. Einige halten es wie die ersten Glücksritter: Sie verstecken ihr Gold und nehmen es mit sich, in Satteltaschen, Beuteln oder Säcken in der Hoffnung auf eine sichere Rückkehr in die Heimat.

Dawson City brennt nieder

Straßenszene in Dawson zur Zeit des Goldrausches (Originalfoto)
Straßenszene in Dawson zur Zeit des Goldrausches (Originalfoto) Quelle: ZDF

Im Frühjahr 1899, dem dritten Jahr des großen Goldrausches von Alaska, bricht am 26. April in einem Saloon Feuer aus. Bei 43 Grad Kälte ist an Löschen kaum zu denken. In wenigen Stunden brennt Dawson City nieder. Zwar beginnt der Wiederaufbau umgehend, doch der alte Schwung ist dahin. Viele verlassen die Stadt, als weiter im Nordwesten bei Nome Gold gefunden wird und im Jahr darauf im Süden, in Nevada. Von den 30.000 Einwohnern der Stadt bleiben nur wenige zurück.

Was bleibt ist die Erinnerung an die einst größte Stadt im Westen nach San Francisco, in der es sogar bereits Straßenbeleuchtung gab. Als 1953 der Sitz der Bezirksregierung nach Whitehorse verlegt wird und ihre 800 Angestellten mit Familien den Ort verlassen, droht Dawson City das Schicksal einer Geisterstadt.

Neues Leben in der Geisterstadt

Doch in den sechziger Jahren erinnerte sich die Regierung an die historische Bedeutung der Stadt und beginnt, die alten Gebäude zu restaurieren. Heute leben wieder 2000 Menschen in der Goldgräberstadt und es kommen Touristen: Von Juni bis August erlebt Dawson City sommerliche Feste und einen bunten Besucherstrom, der fast ein wenig an den großen Ansturm von 1898 erinnert. Dank steigender Goldpreise kehren auch die Goldsucher zurück, die heute mit modernsten Methoden arbeiten.

Gold-Claims werden aus dem Helikopter abgesteckt
Gold-Claims werden aus dem Helikopter abgesteckt Quelle: ZDF

Modernen Goldsucher sondieren auf der Suche nach freien Claims das Gelände aus der Luft mit GPS. Haben sie ein aussichtsreiches Stück Land gefunden, müssen dort heute wie vor hundert Jahren Pflöcke eingeschlagen werden, der Claim muss "abgesteckt" werden. Und auch das ist gleich geblieben: Innerhalb von 60 Tagen muss das Schürfrecht im Mining Office der nächstgelegenen Stadt registriert werden. Es sind nicht viele, die heute mit der Goldsuche in Alaska ihren Lebensunterhalt verdienen. Doch der Yukon River nährt noch immer die Sehnsucht nach Freiheit und Abenteuer, so wie der Schriftsteller Jack London sie in seinen Büchern beschrieben hat.

Industrielle Goldsuche
Industrielle Goldsuche Quelle: ZDF

Und ein Geheimnis birgt die Klondike Region, von dem Einwohner nur hinter vorgehaltener Hand erzählen: Anders als beim Goldrausch in Kalifornien, wurde die Mutterader des Goldes nie gefunden. Davon, dass es sie gibt, sind alle in Dawson City überzeugt.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet