De Launays Kapitulation

Bastille-Kommandant gibt auf, das Volk schwört Rache

An die tausend Handwerker und Arbeiter haben ohne Anführer eine aussichtslose Belagerung begonnen. Mit dem Eintreffen des ehemaligen Offiziers Hulin ändert sich die Lage. Das begreift auch de Launay: Als er die Kanonen sieht, bricht er innerlich zusammen.

Er ist schließlich Leiter eines Staatsgefängnisses und kein kriegserprobter Offizier. Niemand hat ihn darauf vorbereitet, die Bastille gegen einen Artillerieangriff des Volkes zu verteidigen.

Nur noch ein Ausweg

Auch Ludwig von Flühe, königstreuer Befehlshaber der Schweizer Garde, erkennt, dass in vorderster Front die Nationalgarde steht. Jetzt haben sie es mit gut ausgebildeten Soldaten zu tun. Flühe weiß: Der Gouverneur ist dieser Situation nicht gewachsen. De Launay sieht nur noch einen Ausweg: Er will die Festung und das ganze Viertel in die Luft sprengen, wenn die Kapitulation nicht angenommen wird. Flühe appelliert vergeblich an De Launays Pflichtbewusstsein, die Bastille zu verteidigen. Angesichts des drohenden Kriegsszenarios gegen die eigene Bevölkerung will De Launay auf jeden Fall der Forderung der Bürgerwehr nachgeben und die Kapitulation überbringen lassen.


(15.45 Uhr) Flühe hat für die Skrupel und Ängste des Gouverneurs kein Verständnis. Aber er muss seinem Befehl Folge leisten - obwohl er an der Kompetenz seines Kommandanten zweifelt. Für Flühe ist die Verteidigung der Bastille eine Frage der Ehre und der Treue zum König. Trotzdem lässt er die Kapitulation durch das Tor auf einer Degenspitze zu den Belageren hinausreichen.

"Wir nehmen die Kapitulation an"




Charpentier-Bericht: "Es wurde eine Botschaft herausgereicht. Wollten sich die Soldaten auf unsere Seite schlagen? Wollten sie uns warnen? Ohne der Menge mitzuteilen, was auf dem Zettel stand, stimmte Elie eigenmächtig zu: 'Beim Ehrenwort eines Offiziers der Bürgergarde. Wir nehmen die Kapitulation an. Lasst die Brücke runter. Es wird euch nichts passieren.'

"Ohne den Befehl De Launays abzuwarten, ließen die Festungssoldaten die Zugbrücke herunter. Nun gab es kein Halten mehr. Rufe nach Rache wurden laut - zu viele Tote hatte es gegeben. Doch nicht alle hatten gehört, dass Elie freien Abzug zugesichert hatte. Der ganze Zorn des Volkes entlud sich auf die Soldaten. Niemand von ihnen wehrte sich. Kampflos legten sie ihre Gewehre nieder. Der Wut des Volkes entgingen die Schweizer Gardisten. Da sie ihre Uniformen gewendet hatten, hielten wir sie für Häftlinge."

Lichte Turmzimmer statt dunkle Kerker



Bastille-Kommandant De Launay verlässt sich auf das Ehrenwort Elies: Er rechnet mit freiem Geleit. Doch die stürmende Menge denkt nicht daran. Sie verlangt vom Gouverneur die Herausgabe der Gefangenen. Die Menge macht sich auf die Suche nach den Häftlingen, die sie in den finsteren Verliesen der Bastille vermutet. Stattdessen findet sie lichte Turmzimmer und eine gut bestückte Bibliothek und ein Billardzimmer für die Gefangenen. Die berüchtigten Kerker in den Kellern, die auf vielen schaurigen Bildern angeprangert, wurden findet man jedenfalls nicht. Und auch nicht die Gefangenen des Königs, die man an eiserne Ketten geschmiedet glaubte. In ihrem Zorn plündern die Eroberer die Räume des Gouverneurs und werfen die Gefängnisakten aus den Fenstern.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet