Dem Abenteuer Afrika auf der Spur

Erlebnisse beim Dreh in Tansania

Das ZDF-Team mit Dirk Steffens auf Expedition: Die Filmaufnahmen für Faszination Erde werden unter anderem in der legendären Serengeti, am schneebedeckten Kilimandscharo und am Fuß von aktiven Vulkanen gemacht. Redakteurin Iris Zink hat während der Drehreise Tagebuch geführt und berichtet von Begegnungen mit Gnuherden und jagenden Löwen, von Elefantenfriedhöfen und von Abenteuern mit Tansanias letztem Buschmannvolk.

Dirk Steffens vor Teilen eines Elefantenskeletts
Dirk Steffens vor Teilen eines Elefantenskeletts Quelle: ZDF

Kaum angekommen, geht es schon los. Wenn man in Afrika schönes Licht haben möchte, sollte man um 7 Uhr morgens drehbereit sein. Das heißt für uns - Moderator Dirk Steffens, Kameramann Oli Rötz, Assistent John Carrtell und mich - um fünf Uhr aufstehen, dann duschen mit kaltem Wasser und in absoluter Dunkelheit, denn die Generatoren, die den Strom für warmes Wasser und Licht in den Unterkünften liefern, laufen erst ab sechs Uhr. So sehen wir immerhin nicht die zahllosen Insekten, die in unseren Zelten umherkrabbeln. Noch vor Sonnenaufgang starten wir in die Serengeti.

ZDF-Teamfoto beim Dreh in Tansania
ZDF-Team Dreh Tansania Quelle: ZDF

Endlose Grasebene

In der Sprache der Massai bedeutet Serengeti "endloses Land". Und genau so ist es auch: Auf einer Fläche so groß wie Nordrhein-Westfalen nichts als trockenes Gras. So weit das Auge reicht kein Berg, kein Baum, kein Fluss. Aber voller Leben: Gewaltige Herden ziehen grasend über die Ebene. In der Ferne schiebt sich ein schwarzes Band über den Horizont. Das sind sie: Gnus! Jedes Jahr brechen sie auf. Zu Hunderttausenden ziehen sie nach der Regenzeit, wenn das Gras der Serengeti verwelkt ist, von Tansania in Richtung Kenia. Diese große Tierwanderung gehört zu den eindrucksvollsten Naturschauspielen auf unserem Planeten, keine Frage.

Jetzt muss alles ganz schnell gehen, schließlich sollen die Gnus bei der ersten Moderation "mitspielen". Dirk Steffens springt aus dem Wagen und geht zu Fuß weiter, neben ihm ein Ranger mit geladener Waffe. Das ist Vorschrift wegen der vielen Raubtiere. Mitten in einer großen Gnuherde stehend drehen wir die erste Moderation.

Dreh am Kili

Der Kilimandscharo ist der Zauberberg Afrikas. Ein 6000 Meter hoher Vulkan mit schneebedecktem Gipfel - und das mitten im Afrika, direkt am Äquator. Aber die Gletscherkappe wird kleiner, sie droht, völlig zu schmelzen. Der Klimawandel hinterlässt seine Spuren, doch die Erklärung für die Veränderungen am Kilimandscharo ist nicht so einfach. Nach Meinung einiger Wissenschaftler wächst die Eiskappe in Zukunft sogar wieder.

Dirk Steffens beim Dreh der Moderation am Kilimandscharo
Dirk Steffens Kilimandscharo Quelle: ZDF

Für unseren Dreh müssen wir 150 Kilogramm Ausrüstung in eine Schlucht an der Flanke des höchsten Bergs Afrikas wuchten. Das Ziel sind die glitschigen Hänge des Nebelwaldes am "Kili" in 3000 Meter Höhe. Hier fängt der Vulkan die Wolken, sie regnen aus und das Wasser lässt einen üppigen Regenwald gedeihen. Eine ungewöhnliche Umgebung mit ungewöhnlichen Pflanzen, die es nur hier gibt.

Elefanten mit Zahnschmerzen

Am nächsten Tag werden wir vier Stunden auf den staubigen Buschwegen im Jeep durchgeschüttelt. Wir sind auf der Suche nach Elefantenskeletten und Hinweisen auf einen bekannten Mythos. Ein Elefantenbulle kreuzt unseren Weg. Die Tiere haben ein ausgefeiltes Sozialverhalten und eine eigene Sprache. Auch über Infraschall, der für den Menschen nicht hörbar ist, können sie sich verständigen. Beim Tod von Familienmitgliedern scheinen sie Trauer zu empfinden. Es soll geheime Orte geben, an die sich alte Tiere zum Sterben zurückziehen, die legendären Elefantenfriedhöfe. Was ist an der Geschichte dran?

Tatsächlich finden wir in Sichtweite zum Kilimandscharo einen Ort, an dem alle paar hundert Meter ein Elefantenskelett liegt. Inzwischen weiß man, was die Tiere am Ende ihres Lebens zu bestimmten Plätzen zieht: Sie haben Zahnschmerzen. Wenn ein Elefant ungefähr 60 Jahre alt ist, sind die letzten Zähne abgenutzt, und das Tier kann keine starken Äste und kräftige Blätter mehr zerkauen. Deshalb machen sich die alten Elefanten in Gebiete auf, in denen sie weiche Gräser zum Fressen finden. Dort sterben sie schließlich und verwandeln diese Regionen in einen Friedhof.

Geduld ist gefragt

Frühmorgens am Rande des Ngorongoro-Kraters, hoch über der Serengeti: Die ersten Sonnenstrahlen fallen auf das Grab von Bernhard und Michael Grzimek. Vater und Sohn haben hier gemeinsam geforscht und ihre berühmten Naturfilme gedreht. Sohn Michael kam dabei 1959 ums Leben, als sein Buschflugzeug abstürzte. 1987 wurde Bernhard Grzimek neben ihm bestattet. Von hier oben aus hat man einen sagenhaften Blick hinab in den Vulkankrater, der größer ist als Frankfurt am Main.

Jetzt liegt er noch im Dunkeln und verbirgt Zebras, Büffel, Giraffen und Antilopen, Nashörner, Flusspferde und Elefanten, Löwen und Leoparden. Schätzungsweise 25.000 von ihnen bevölkern den Ngorongoro-Krater, der die höchste Raubtierdichte Afrikas aufweist. Geduld ist gefragt, will man bestimmte tierische Statisten für die Moderationen einfangen. Stunden später und mit unzähligen Schnakenstichen gepeinigt haben wir schließlich alles im Kasten.

Besuch bei den Buschmännern

Auf dem Drehplan stehen als Nächstes die Hadzabe, das letzte Jäger- und Sammlervolk Tansanias. Die Buschleute leben in einem weitläufigen Gebiet am Lake Eyasi. Sie ziehen spontan um - deshalb weiß man nie genau, wo sie sich gerade aufhalten. Unser Übersetzer hat aber schon den Aufenthaltsort ausfindig gemacht und Kontakte geknüpft. Als wir dort ankommen, ist vom "Dorf" außer ein paar Blätterdächern nichts zu sehen - kein Hausrat, keine Menschen. Unser Kontaktmann meint, sie hätten wohl Hunger gehabt und seien wahrscheinlich beim Jagen.

Frauen des Hadzabe-Volksstamms
Hadzabe Frauen Quelle: ZDF

Am nächsten Morgen ein neuer Versuch. Es kommt zur Begegnung mit der gesamten Dorfgemeinschaft, mit stolzen, in ihren traditionellen Lebensweisen verwurzelten Menschen, die tief beeindrucken. Um ein Lagerfeuer sitzen in der aufgehenden Sonne etwa 25 Menschen. Sie tragen Lendenschurz, Pfeil und Bogen. Auf dem Feuer köchelt ein Gemisch aus verschiedenen Pflanzen. Ist die Flüssigkeit zu einer zähen Masse verkocht, dient sie als Pfeilgift, mit dem die Buschmänner größere Tiere jagen. Die giftige Masse wäre auch für Menschen tödlich. Ein Gegengift gibt es nicht, erzählt der Übersetzer.

Mutprobe in luftiger Höhe

Wir lassen uns von den Hadzabe in die Kunst des Überlebens einführen und streifen mit einer Gruppe junger Männer durch die trockene Savanne. In einem Affenbrotbaum, in etwa zehn Meter Höhe, haben sie ein Astloch entdeckt. Darin ist eine ihrer wenigen Quellen für Süßes: Honig. Aber die Höhle ist nicht leer. Tausende von Bienen verteidigen ihren Stock. Die Buschmänner machen innerhalb von einer Minute mit ein paar trockenen Zweigen und einem Stab Feuer.

Dirk Steffens zögert nicht lange und macht sich mit einer Fackel in der Hand auf den Weg: auf kurzen Aststummel klettert er in die Höhe. Selbst für den abenteuererprobten Moderator ist das eine echte Herausforderung. Trotz Qualm in den Augen und unzähligen Bienenstichen moderiert Dirk Steffens diesen Take schnell und fehlerfrei in zehn Metern Höhe. Die Moderation ist kaum abgedreht, da grinsen die Hadzabe zufrieden. Sie haben die kompletten Waben samt Honig und Maden in Sekundenschnelle verspeist. Aber probieren wollten wir eh nicht.

Tief gesunken

Um zehn Uhr morgens ist die Hitze bereits unerträglich. Drehort: das Aschefeld am Fuße des Vulkans Ol Doinyo Lengai. Kein Schatten weit und breit, die Sonne brennt, ein Regenschirm muss als Schattenspender für den Moderator reichen. Vor einem Jahr erschütterten heftige Eruptionen die Gegend. Man sieht noch genau, wo das Gras verbrannt ist. Als einziger Vulkan der Welt produziert der Lengai weiße Lava! Der Vulkanismus bringt Tansania Zerstörung und ist gleichzeitig Schöpfer von Naturwundern wie dem Natronsee. In seiner Lauge können nur spezielle Bakterien leben. Von ihnen ernähren sich die Flamingos, die den See wie einen rosa Saum umgeben. Zweieinhalb Millionen Flamingos werden hier satt. Dieser lebensfeindlich wirkende See ist also in Wahrheit eines der produktivsten Ökosysteme des Planeten!

Dirk Steffens steht knietief im Schlamm und sinkt während der Moderation immer tiefer ein. Dann hebt der Kameramann endlich den Daumen. Aus der klebrigen Masse kommt Dirk Steffens nur mithilfe einiger Massai heraus. Zur Belohnung nimmt der Kameramann seine Espressomaschine in Betrieb, ohne Strom versteht sich. Man braucht dazu nur Kaffee und heißes Wasser. Das System ist einfach: Mit einer Art Fahrradpumpe erzeugt man hohen Druck, das Wasser wird durch den Kaffee durchgepresst - ein echter Espresso läuft in den Campingbecher. Sogar besser als der in der ZDF-Kantine, meint jedenfalls Dirk.

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