Der Architekten-Deal

Subversive Aktion

Kurz vor den Wahlen im März 79 nach Christus erhält Gaius eine große Truhe. Gestiftet von Architekten, die seinen Wahlkampf sponsern wollen. Ein Geschenk der finanzstarken Gemeinschaft.

Seit der Naturkatastrophe hält die Konjunktur im Baugeschäft ungebrochen an. Die großen öffentlichen Aufträge vergeben die Behörden. Grund genug, Gaius in den Stadtrat zu puschen. Die Unternehmer brauchen einen Vertrauten, der ihre Interessen durchsetzt. Daher wollen sie den Kandidaten in den Thermen treffen und ihm ein Angebot unterbreiten.

Unklare Besitzverhältnisse

Trotz der großen Fortschritte bei der Rekonstruktion von Pompeji hat der Bauausschuss große Probleme. Die Besitzverhältnisse von vielen Immobilien liegen noch immer im Dunkeln. Dokumente existieren nicht mehr. Privatleute besetzen Grundstücke und Gebäude der Stadt. Dem Magistrat fehlt es an Kapital. Die alte Ordnung ist noch lange nicht wieder hergestellt. Daher entsendet Kaiser Vespasian einen Abgeordneten aus Rom - Suedius Clemens, einen Mann mit Handlungsvollmacht. Er ist der erste einer langen Liste von so genannten Kuratoren, die die katastrophale finanzielle Situation dort in Ordnung bringen sollen. Clemens kommt nach Pompeji, um Probleme zu beseitigen, er unterstützt die Aristokraten und die Stadträte. Er sollt klären, was privater und was öffentlicher Besitz war und die Besetzer von den öffentlichen Grundstücken vertreiben.

Clemens' Mission glückt, in Pompeji kehrt Ruhe ein. Zum Dank weihen die Bürger ihrem Kaiser Vespasian einen eigenen Tempel. Der Prachtbau beherrscht das Forum, das noch immer eine Großbaustelle ist - und das immerhin 17 Jahre nach dem verheerenden Beben. Die Privatleute hingegen leben schon längst wieder in prächtigen Villen. Doch für das Zentrum gibt es ambitionierte Pläne. Der renovierte Platz soll den alten Glanz bei weitem übertreffen.

Oasen der Entspannung

Die langen Bauarbeiten drängten das betriebsame Leben ab in die Seitenstraßen. Vor allem die Badehäuser konnten Besucherrekorde verzeichnen. Jedermann hatte dort Zutritt - selbst Sklaven. Ein Gong verkündete täglich die Öffnung der Thermen. Orte, die nicht nur der Hygiene dienten, sondern auch als gesellschaftlicher Treffpunkt. Ausgestattet wie eine Kaiserresidenz - weitläufig und luxuriös. Aber dennoch intim. In den Anlagen ließen sich die Gäste genüsslich verwöhnen. Bedienstete sorgten mit duftenden Ölen für leibliches Wohlbefinden. Oasen der Entspannung. Ob im Dampfbad oder der Sauna - die Menschen hatten Spaß, tauschten Klatschgeschichten aus und belauschten heimlich Gespräche.

Genau der richtige Platz für eine subversive Aktion. Gaius erscheint wie verabredet, um die unbekannten Gönner zu treffen. Ihm ist klar: Mit den Mäzenen im Rücken hat er das begehrte Amt so gut wie in der Tasche. Noch zögern die Investoren, ihre Identität preiszugeben. Denn dem Patrizier eilt ein schlechter Ruf voraus. Sie wollen ihn einer Prüfung unterziehen: sie konfrontieren ihn mit einem Lustknaben. Ein homophiler Anwärter käme für sie nicht in Frage. Doch Gaius besteht den Test. Die Zweifel der Architekten sind vom Tisch. Aber sie stellen Bedingungen. Sie wollen endlich die Gebäude auf dem Forum vollenden - zum Ruhme des Kaisers und des Staates. Die Kosten dafür soll der Hohe Rat übernehmen. Sie erwarten, dass die Aufträge für die Ausführung exklusiv an sie gehen.

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