Der Aufstieg der Khmer und ihre Gesellschaft

Mit riesiger Armee und dem Bau von Wasserspeichern zur Großmacht

Angkor ist nicht das erste Großreich auf dem Boden des heutigen Kambodschas. Bereits im 1. Jahrhundert unserer Zeitrechnung bildeten sich hier Staaten, die bekannt sind als die Reiche Funan und Chen-la. Erst zu Beginn des 9. Jahrhundet beginnt die Zeit des Köngreiches von Angkor.

Buddhistische Mönche am Ufer eines Bachs
Buddhistische Mönche am Ufer eines Bachs Quelle: ZDF

Im Jahr 802 lässt sich König Jayavarman II. zum "Weltherrscher" ernennen und ruht seither nicht, sein Imperium in vielen Kämpfen zu vergrößern. Nun ist er am Ziel: Er ist der König aller Khmer, in seinem Rang einem Gott gleichgestellt. Sein Namenszusatz -varman bedeutet "Schutz" oder "Panzer". Es ist auch für alle späteren Herrscher das Attribut der Königswürde. Jayavarman II. gilt als der Begründer des Reiches von Angkor, die Stadt Hariharalaya bei Roluos ist einige Zeit seine Hauptstadt.

Auf dem Weg zur Großmacht

Im Jahr 877 wird ein weiterer Grundstein für den Weg des Reiches zu einer wirklichen Großmacht gelegt, als König Indraarman I. mit dem Bau des ersten großen Wasserspeichers beginnt: dem Baray Indratataka bei Roluos. Unter seiner Herrschaft entstehen auch die Tempel Preah Ko und Bakong. Sein Sohn Yasovarman I. verlegt die Hauptstadt weiter nach Nordwesten und gründet dort die Vorläuferstadt von Angkor Thom: Yasodharapura.

Baray
Baray Quelle: ZDF

Die Geschichte des Reiches von Angkor ist gekennzeichnet von vielen Kriegen gegen die Nachbarvölker auf den Gebieten des heutigen Vietnam und Thailand, vor allem die Cham, die Dai Viet und die Siamesen. Es kommt zu Eroberungen weiterer Landstriche. Auf dem Gipfel der Macht verfügt das Reich der Khmer über die fünffache Fläche des heutigen Kambodscha. Es erstreckt sich von Myanmar im Norden bis zur Chinesischen See im Süden. Eine Überlieferung spricht von zwanzig Königen, die dem Königreich tributpflichtig sind. Eine Armee von fünf bis sechs Millionen Soldaten steht zur Verteidigung des Reiches zur Verfügung, und die königlichen Besitzungen erstrecken sich über mehr als 300 Meilen.

Machtkämpfe auch im Innern

Aber auch innerhalb des Reiches kommt es ständig zu Machtkämpfen, und Streitigkeiten um die Königswürde bestimmen die Geschicke des Reiches, denn die Thronfolge ist nicht klar festgelegt. Da die Herrschaft oft an denjenigen geht, der den Thron mit Gewalt an sich zu reißen vermag, begleiten häufig Mord und Totschlag den Weg zur Macht. Die Gesellschaft des Khmer-Reiches ist hierarchisch aufgebaut. Eine dünne Aristokratenschicht führt die große Masse des einfachen Volkes an. Trotz der Übermacht der steinernen Apsaras an den Tempeln spielen Frauen in der Khmer-Gesellschaft eine untergeordnete Rolle.

Khmer-Frauen
Khmer-Frauen treiben Handel Quelle: ZDF

Zwar übt die Hauptfrau des Königs großen Einfluss auf die Politik aus, aber die Gesellschaft der Khmer ist eine Männergesellschaft. Es herrscht Polygamie: Neben mehreren Ehefrauen können sich ausreichend betuchte Khmer noch zusätzliche Konkubinen zulegen. Frauen sind für den Haushalt und den Zusammenhalt der Familien zuständig, vor allem aber auch gute Händlerinnen, wie uns Zhou Daguan berichtet: "In diesem Lande befindet sich der Handel in den Händen der Frauen. Wenn ein Chinese in das Land kommt, nimmt er als erstes eine Frau; dadurch profitiert er unter anderem auch von der Fähigkeit der Frau im Handel."

Vom einfachen Volk wissen wir nicht viel. Über sein Leben kann man den steinernen Inschriften mit Ausnahme von Namenslisten, den so genannten Sklavenlisten, wenig entnehmen. Die Reliefs am Tempel Bayon zeigen uns einige Details. Zu ihren Aufgaben gehören neben dem Reisanbau und dem Militärdienst sicherlich auch der Bau und die Unterhaltung der Tempel sowie der Dienst an den Göttern. Claude Jacques, einer der besten Kenner der Khmerkultur, schreibt: "Über das niedere Volk gibt es kaum mehr Informationsmaterial als die Sklavenlisten. Ich glaube, dass diese Menschen vielmehr nur 'Sklaven' ihrer Götter waren. Man kann meines Erachtens aus diesen Dokumenten vor allem schließen, dass die Khmer eine bäuerliche Gesellschaft bildeten, die aufs Engste mit dem Tempelleben verbunden war, ähnlich wie auch in der neueren Zeit, in der die Pagode den Tempel ersetzt. So gibt uns wieder einmal die Moderne eine Vorstellung von der Vergangenheit."

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet