Der Beginn der Expedition

Die blauen Steine der Pharaonen

Im Juli 2001 bereitete der texanische Edelsteinhändler Gary Bowersox in dem pakistanischen Ort Peschawar seine dreißigste Expedition nach Afghanistan vor.

Auf dem Salzmarkt von Peschawar, dem Namak Mandi, wird seit Menschengedenken mit Waren aller Art gehandelt, auch mit Edelsteinen. Peschawar ist nicht nur Umschlagplatz für Rohlapislazuli, hier werden die Himmelssteine auch seit Urzeiten zu Gebrauchsgegenständen und Kunstwerken verarbeitet. Diese Filigranarbeit erfordert höchste Konzentration. Ein bis zwei Dollar verdienen Steinschneider und Schleifer; der Wert des Minerals wird durch ihre Arbeit um ein Vielfaches gesteigert.

In den geheimen Lagern der Händler

Bei den Händlern in den stillen Seitengassen geht es diskret zu. Nicht jeder erhält Zutritt zu den Horten des heiligen Steins. Wer jedoch zu den Auserwählten gehört, dem tun sich wahre Schatzkammern auf. Bowersox gehört seit einigen Jahren zum erlauchten Kreis und wird durch eine Reihe von Kellern zu einem geheimen Lager, einer Mischung aus Bunker und Aladins Höhle, geführt. In diesen Kellern sind 18 Tonnen Lapislazuli im Wert von 18 bis 90 Millionen Euro aufgetürmt, ein unfassbares Vermögen.

Königsblaue Steine

Selbst für Gary, der sämtliche Lapisvorkommen der Welt kennt, ist die Qualität der afghanischen Steine immer wieder überraschend. Während die chilenischen und russischen Funde meist durch Kalk verunreinigt sind, trübt nichts das fein verteilte Königsblau dieser Exemplare. Pyriteinschlüsse funkeln wie Sterne auf diesem steinernen Nachthimmel. Um einen Eindruck von der Farbe im geschliffenen Zustand zu erhalten, werden die Brocken von Staub gereinigt und angefeuchtet. Seit Jahrtausenden prüfen die Händler Pakistans auf diese Weise die Güte der wertvollen Mineralien und entscheiden über den weiteren Verwendungszweck.

An den Grenzposten vorbei

In Lala's Grill, einem Lokal, in dem bevorzugt Agenten und Spione verkehren, traf Bowersox sich mit seinem Führer, dem Afghanen Khudai Nazar Akbari, der über die Jahre der Zusammenarbeit ein Freund geworden war. Vor allem während der russischen Besatzung von 1979 bis 1989 war das Lokal eine regelrechte Drehscheibe der Geheimdienste. Dann planten die beiden die Expedition. Da sie den Kontrollen entgehen wollten, mussten sie sich teilweise abseits der Straßen durch ein Gebiet bewegen, in dem noch immer Millionen russischer Minen liegen. Die direkte Verbindung, der Khyber-Pass, war zu gefährlich, denn im Juli 2001 herrschten im Süden des Landes noch die Taliban. Gary plante stattdessen weiter nach Norden in die pakistanische Grenzstadt Chitral zu fahren und von dort aus in das Gebiet der afghanischen Nordallianz einzureisen.

Handel wie seit Urzeiten

Chitral ist seit Jahrhunderten ein strategisch wichtiger Punkt. Von hier aus lässt sich eine der ältesten Handelsrouten von Asien nach Europa kontrollieren. Auf dem Bazar versammeln sich wie seit Urzeiten Tadschiken, Mongolen, Paschtunen, Pakistani und Kaukasier. Auch hier ist der Handel mit dem begehrten Stein, dessen Name sich aus "lapis", lateinisch für Stein, und "azul", arabisch für Himmel, zusammensetzt, allgegenwärtig. Die Fahrt von Chitral bis zu den ersten Grenzposten bei Shasidim dauerte sechs zermürbende Stunden. Khudai fuhr voraus, um den Grenzübertritt vorzubereiten und Gary umging im Mondlicht auf abenteuerlichen Pfaden die Posten mit Hilfe eines ortskundigen Führers.

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