Der Berg der Toten

Aus der Hölle ins Paradies

Der Ethnologe Peter Knecht hat sich in den Norden Japans aufgemacht. In die Provinz Aomori zum Osore, dem Berg der Toten. Zusammen mit seinem Kollegen Professor Takefusa Sasamori besucht Knecht einen heiligen Ort, an dem der Seelen verstorbener Kinder gedacht wird.

Im Inneren des buddhistisches Haupttempels von Kawakura befinden sich hunderte von Steinfiguren, die "Jizo" darstellen. Jizo ist für die Gläubigen ein Erleuchteter, der den Leidenden hilft. Jede Figur symbolisiert ein früh verstorbenes Kind, eine Fehlgeburt oder eine Abtreibung. Sie alle werden von ihrem Jizo in die andere Welt geleitet. Das ist für den Buddhisten sehr wichtig: Da die Kinder ihr Leben nicht erfüllen konnten, sind sie unbefreite, "hungrige" Geister, die alleine nicht in die Totenwelt gelangen können. Der in den Steinfiguren dargestellte Jizo hilft ihnen, sicher über den Totenfluss zu setzen um im Schattenreich Frieden zu finden.

Negative Kräfte

Es gibt einen ganz konkreten Ort, an dem diese Geister der Toten wohnen. Es ist der Vulkan Osore. "Osore" bedeutet "Furcht", und seine Kraterlandschaft symbolisiert mit ihren dampfenden Schwefelquellen die Hölle. Die negative Kraft des Ortes könne man durch Steinauflegen beruhigen, wurde dem Ethnologen erzählt. Die so entstandenen Wegmarkierungen führen den Wanderer aus der Hölle ins Paradies. Im Kratersee erkennen die gläubigen Japaner dieses Paradies.

Die Gegend rund um den Osore ist berühmt für die Zunft der "Itako", blinde Frauen, die auf für uns unerklärliche Weise in der Lage sind, die Geister der Toten zu rufen. Die Angehörige kann so direkt mit dem Toten kommunizieren. Die blinde Frau ist das Medium, durch ihren Mund spricht der Verstorbene. Meist eine sehr emotionsgeladene Situation, bei der Beobachter selten zugelassen werden. Ein Glücksfall für den Kulturforscher. Können die Menschen so vor drohenden Vulkanausbrüchen gewarnt werden, will Knecht später wissen. Die Itako nickt vielsagend und erzählt ihm eine zunächst unverständliche Geschichte von einem Fisch.

Der geheimnisvolle Fisch

Im Schrein von Kashima soll sich der geheimnisvolle Fisch befinden, bei den Schinto Priestern sei zu erfahren, was dieser Fisch mit Erdbeben und Vulkanausbrüchen zu tun habe. Shinto war lange Zeit die Staatsreligion in Japan. Bis heute gehen die Menschen an Festtagen in die großen Schreine. Die Priester genießen hohes Ansehen. Priester Tsuguo Hagiwara glaubt zu wissen, wovon die blinde Frau gesprochen hat. "Es hat schon lange kein Fremder mehr nach dem Fisch gefragt, die Geschichte kennen eigentlich nur noch ganz wenige", sagt er.

Am Ende eines einsamen Weges befindet sich ein bescheidenes Holztor: der Eingang zum heiligen Ort der Erdbeben und Vulkanausbrüche. Ein unscheinbarer Stein soll bis zur Mitte der Erde reichen und einen Wels unter sich begraben. Eine unsichtbare Gottheit hält den Stein zusätzlich, denn wenn es dem Fisch gelingt sich zu bewegen bebt die Erde, speien die Berge Feuer. So will es die alte Legende.

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