Der beste Platz an der Sonne

Die Erde, ein Glücksfall im Universum

Unsere Sonne zählt zu den "guten" Sternen in der Milchstraße. Sie strahlt lange und zuverlässig, ist weder zu groß noch zu klein. Ihr ist es zu verdanken, dass unser blauer Planet keine Eiswüste ist - und unter ihren Strahlen auch nicht verbrennt. Trotzdem: Unsere Nachbarplaneten Venus und Mars sind tote Wüsten. Warum konnte hier kein Leben entstehen?

Eine der beiden Grundbedingungen für die Entstehung von Leben ist die Energie der Sonne. Sie ist der Motor für die ineinander verwobenen Kreisläufe auf der Erde. Im Lauf der Evolution gelang es Organismen, Sonnenlicht für den Aufbau von Biomasse zu nutzen - eine Revolution. Denn erst die Fotosynthese machte den Weg frei für die Entwicklung höherer Lebewesen.

Erde, Venus und Mars

Die Erde und ihr "guter Stern" führen also eine glückliche Beziehung. Aber warum hat in unserem Sonnensystem nur ein Planet Leben hervorgebracht? Betrachtet man unsere Nachbarplaneten, hatte das Leben dort aller Wahrscheinlichkeit nach nie eine Chance, komplexe Organismen hervorzubringen. Denn die zweite Voraussetzung für die Entstehung einer Lebensvielfalt, wie sie auf der Erde herrscht, ist das Vorhandensein von flüssigem Wasser. Die Venus ist jedoch eine 450 Grad heiße Hölle und der Mars eine kalte und trockene Wüste.

Ansicht der Marsoberfläche
Die Marsoberfläche ist stark zerklüftet. Quelle: NASA

In Forschungsprojekten wird auf dem Mars nach Spuren früheren Lebens gesucht. Dabei werden die eigenartigen Strukturen auf seiner Oberfläche untersucht. Risse, die sich über mehrere Tausend Kilometer ziehen, bilden tiefe Schluchten und Canyons. Wissenschaftler sind überzeugt, dass es für diese Formen nur eine Erklärung geben kann: In der Frühzeit muss es dort Wasser in flüssiger Form gegeben haben. Obwohl der Mars nur halb so viel Sonnenenergie erhält wie die Erde, war wohl auch er einst ein blauer Planet.

Wasserbomben aus dem All

Doch woher kam das Wasser und wohin ist es entschwunden? Warum hat sich der Mars in eine kalte und trockene Wüste verwandelt? Die Erklärung führt zurück in eine Zeit, als es noch keine Planeten in unserem Sonnensystem gab. Damals herrschte in unserer Ecke der Milchstraße ein höllisches Durcheinander. Erst durch die Gravitation verklumpten Staubteilchen zu Brocken, und diese ballten sich schließlich zu Planeten zusammen. Manche dieser Brocken waren aus gefrorenem Wassereis. Immer wieder schlugen sie auf den jungen Himmelskörpern ein und brachten ihnen so das Wasser.

Auf Erde, Mars und Venus bildete sich eine Atmosphäre, die einen Teil der aufgenommenen Sonnenenergie auf den Planeten zurückhält. Dadurch wurde es wärmer. Dieser Vorgang - wir nennen ihn Treibhauseffekt - sorgt dafür, dass Wasser flüssig bleibt. Während der Treibhauseffekt auf der Venus so stark wurde, dass alles Wasser dort verdampft ist, war der Mars im Vergleich zur Erde von Anfang an im Nachteil. Denn der Mars besitzt nur ein Zehntel der Erdmasse, seine Gravitationskraft ist entsprechend geringer. Der Kriegsgott Mars ist in der Fachsprache der Planetenforscher "inkontinent". Er konnte seine Atmosphäre nur schwer halten, und das ständige Meteoritenbombardement setzte ihm mehr zu als der Erde. Jeder Einschlag wirbelte die Atmosphäre auf und riss einen Teil von ihr fort, in die Weiten des Alls.

Ungestümer Sonnenwind

Doch das ist nicht der einzige Grund, warum sich der Mars in eine Wüste verwandelte. Er hat noch einen anderen, übermächtigen Feind, der ihm den Todesstoß versetzte: die junge Sonne. Ihre Oberfläche gleicht einem heißen, brodelnden Inferno. Auf der jungen Sonne waren die Eruptionen viel heftiger als heute, und die Folgen für den Mars waren verheerend. Pro Sekunde kann die Sonne eine Million Tonnen ihrer Masse in Form von Ionen - elektrisch geladenen Teilchen - ins All blasen. Diesen Strom nennt man Plasmawind oder Sonnenwind.

Trifft der Sonnenwind auf die Atmosphäre des Mars, reißt er sie mit ins All. Ohne schützende Atmosphäre verdampft Wasser rasch und geht dem Planeten unwiederbringlich verloren. In relativ kurzer Zeit hatte sich so ein Großteil des Wassers auf dem Mars verflüchtigt. Leben hatte daher langfristig keine Chance.

Schutzschild der Erde

Erde mit Sonnenwind
Sonnenwind umströmt die Erde. Quelle: getty images

Diesem Schicksal ist die Erde entgangen, und das, obwohl sie dem gefährlichen Sonnenwind noch näher ist als der Mars. Denn sie besitzt einen Schutz, der sie vor dem gefährlichen Teilchenstrom bewahrt. Das Geheimnis liegt auch hier in der Entstehungsgeschichte der Erde. Dem ständigem Bombardement aus dem All ausgesetzt, kühlte die Erde nicht sofort ab, sondern blieb für einige Zeit ein Planet aus flüssigem Gestein. Die schweren Elemente, insbesondere Eisen, sanken in die Tiefe der glühend heißen Kugel. Im Innern unseres Planeten rotiert noch heute ein heißer Kern aus flüssigem Eisen und Nickel. Dieser Kern erzeugt das Magnetfeld der Erde, die sogenannte Magnetosphäre. Weder Venus noch Mars verfügen über diesen unsichtbaren Schutz.

Trifft der Sonnenwind auf die irdische Magnetosphäre, so wird er abgelenkt. Er streift an der Erde vorbei und verliert sich in den Tiefen des Weltalls. Die Atmosphäre der Erde bleibt intakt. Aber ganz spurlos zieht der Sonnenwind auch an der Erde nicht vorbei, er beschert uns nämlich ein wunderbares Schauspiel: An den Polen, dort, wo die Magnetfeldlinien senkrecht zur Erde stehen, können geladene Teilchen mit der Atmosphäre reagieren. Sie prallen in unterschiedlichen Höhen mit Stickstoff- und Sauerstoffmolekülen zusammen und regen diese zum Leuchten an. Die eindrucksvollen Polarlichter oder Auroren erinnern uns dann an die andere, tödliche Seite der Sonne. Und daran, dass die Erde, im kosmischen Maßstab betrachtet, ein beinahe unvorstellbarer Glücksfall ist.

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