Der blonde Krieger

Botschafter aus einer längst vergangenen Zeit

Im Niemandsland des Altai-Gebirges starten die Archäologen einen zweiten Grabungsversuch. Auch diesmal stoßen sie nur auf eine leere Grube. Als sie die Hoffnung schon fast aufgegeben haben, macht das Team jedoch einen sensationellen Fund.

Altai bedeutet "unter dem Mond". Der Name kommt von dem Glauben der Einheimischen, nach dem die Bergspitzen die Erde mit dem Weltall verbinden. Auch in dieser Region macht sich der Klimawandel deutlich bemerkbar. Ein Vergleich der Landschaft mit den Karten zeigt, dass sich die Gletscher dramatisch zurückgezogen haben. Am Bachlauf des Olon Kurin Gol starten die Archäologen einen zweiten Versuch und machen sich an die Grabungen. Im Innern des Grabhügels haben die russischen Geophysiker einen Eisblock geortet.

Opfer von Grabräubern

Die Forscher kommen schnell voran und stoßen bereits in geringer Tiefe auf eine Steinplatte. Schon auf den ersten Blick erkennen sie, dass die Abdeckung von Menschenhand geschaffen wurde und entfernen die schwere Steinplatte. Nach wenigen Spatenstichen entdecken die Wissenschaftler ein Holzstück; doch in der eisigen Grabkammer wartet erneut nur eine große Enttäuschung.

Grabräuber sind den Archäologen schon vor Jahrhunderten zuvorgekommen. Die Wissenschaftler finden nur noch die Überreste der Grabbeigaben: einen Haufen Pferdeknochen. Das Loch im Schädel lässt vermuten, dass das Opfertier höchstwahrscheinlich mit einem Streitpickel erschlagen wurde. Es sollte seinen Herren auch im Totenreich begleiten, denn auch über das Leben hinaus bildeten Reiter und Pferd bei den Skythen eine beinahe mythische Einheit.

Aller guten Dinge sind drei

Trotz der Rückschläge geben die Forscher nicht auf. Hermann Parzinger entdeckt unweit des beraubten Grabes eine Reihe von Steinstelen, die im Abstand von mehreren Metern aufgestellt wurden. In ihrer Flucht liegt ein weiterer Kurgan - und die Untersuchungen der Geophysiker lassen hier ebenfalls eine Eisbildung vermuten. Dem archäologischen Instinkt folgend beschließen die Forscher, an diesem Kurgan ihren letzten Versuch zu starten.

In einer Tiefe von nur anderthalb Metern stoßen sie auf feste Holzbohlen: die Decke einer Grabkammer! Sie weist keinerlei Spuren von Gewaltanwendung auf. Zuerst bergen die Experten ein verziertes Schild und entdecken Schnitzereien sowie die Knochen zweier Pferde. Durch die Ritzen der Holzbohlen glitzert weißblaues Eis.

Die Mumie des Kriegers

Sorgfältig wird die Abdeckung entfernt und gibt den Blick auf den mumifizierten Leichnam eines Skythen-Kriegers - mit blondem Haar. Ein kunstvoll gefertigter Halsreif schmückt seine Brust und deutet auf die edle Herkunft des Mannes hin. In einen prächtigen Pelzmantel gehüllt, umgeben ihn zahlreiche Grabbeigaben: eine Schale mit Fleischresten als Proviant für die Reise ins Jenseits, daneben ein eisernes Messer, ein Dolch und ein Streitpickel.

Im Kopfbereich des Reiterkriegers entdecken die Archäologen geschnitzte Hirsch- und Pferdefiguren und dünne Goldbleche. Parzinger schließt daraus, dass der Skythe eine Haube, wahrscheinlich aus Filz, trug, die mit goldüberzogenen Holzfiguren verziert war. Der Mann muss zu Lebzeiten eine prachtvolle Erscheinung abgegeben haben.

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