Der Bogenschütze von Amesbury

Hinweise auf Handelsbeziehungen zum Festland

Mit den Ausgrabungen der letzten zehn Jahre rückte die Entschlüsselung des Rätsels Stonehenge ein großes Stück näher. Im Mai 2002 führte ein Knochenfund die Archäologen auf eine neue Spur. In Amesbury, etwa fünf Kilometer von Stonehenge entfernt, entdeckte man ein Grab mit dem Skelett eines Mannes.

Von weiter Ferne

Amesbury Archer
Amesbury Archer Quelle: ZDF

Das Grab enthielt ungewöhnlich zahlreiche und üppige Grabbeigaben, darunter Pfeilspitzen und Armschutzplatten, die dem Toten den Namen "Amesbury Archer" (Bogenschütze von Amesbury) einbrachten. Der Haarschmuck des Bogenschützen gehört zu den ältesten Goldobjekten, die je in England gefunden wurden. Mit etwa 100 Objekten enthält es annähernd zehnmal so viele Beigaben wie vergleichbare Gräber aus jener Zeit. Aus der Fülle der Grabbeigaben schloss man, dass es sich um eine hochgestellte Persönlichkeit handeln musste. Die Altersbestimmung datiert das Skelett auf etwa 2400 bis 2200 vor Christus. Die weitere Untersuchung enthüllte: Der etwa 40 Jahre alte kräftig gebaute Mann hatte bei einem Unfall einige Jahre vor seinem Tod die linke Kniescheibe verloren und besaß seitdem ein steifes Bein, er war also ein gehbehinderter Edelmann. Als Forscher die Zusammensetzung seiner Zähne analysierten, machten sie eine sensationelle Entdeckung: Der Mann kam von weit her, aus Zentraleuropa, womöglich aus der heutigen Schweiz.

Fund eines prähistorischen Metallartefaktes
Fund eines prähistorischen Metallartefaktes Quelle: ZDF

Er ist nicht der einzige Fremde, der hier bestattet wurde. Die Funde veranschaulichen weitreichende Kultur- und Handelsbeziehungen am Übergang von der Jungsteinzeit zur Bronzezeit. Die Besucher aus Mitteleuropa brachten die Entdeckung mit, die auch die Welt von Stonehenge für immer verändern wird: Metallverarbeitung. Gegenstände wie Kupferdolche läuten eine ganz neue Ära ein.

Friedliche Begegnungen

Bei den ersten Begegnungen müssen die Insulaner die Festlandeuropäer für Zauberer gehalten haben. Metall bedeutete eine neue Art magisches Wissen, dass sicherlich mit Misstrauen betrachtet wurde. Obwohl die Fremden waffentechnisch überlegen waren, verliefen die Begegnungen offensichtlich friedlich. Der Grund dafür liegt wohl in der Bedeutung von Stonehenge. Offenbar pilgerten schon damals Besucher aus Kontinentaleuropa an diese heilige Stätte. In einer Welt, in der schon kleinste Verletzungen und banale Krankheiten tödlich enden konnten, besaß ein Ort, an dem man sich Hilfe von den Göttern erhoffte, eine ungeheuere Anziehungskraft.

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