Der Cheops-Felsen

Eine kleine Sensation

Der hoch aufragende Felsen des Cheops ist auf den ersten Blick nicht mehr als ein Haufen Schutt, bei näherer Betrachtung jedoch eine kleine Sensation.

An dem Fels befinden sich stilisierte Tierzeichnungen aus der Steinzeit, eindrucksvolle Nachrichten aus einer Epoche der Erdgeschichte, als die Wüste noch fruchtbar war. Darauf steht eine rote Figur mit erhobenem Arm.

Visitenkarte des Pharao

Das Motiv war in Ägypten lange ein Dauerbrenner. Es zeigt den Pharao, der den Feind mit der Keule erschlägt, als Symbol für die Unbesiegbarkeit der Herrscher vom Nil. Unweit davon die Namenskartusche eines Königs. Die Inschrift sagt: "Gold der Götter! Djedefre, möge er ewig mit seinem Leben, seiner Fortdauer und Freude begabt sein!" Djedefre ist der Sohn des berühmten Pharao Cheops. Hier am Ende der Welt, viele hundert Kilometer entfernt vom einstigen Machtzentrum am Nil, wurde der Name des Regenten eingemeißelt. Daneben ist sein prominenter Vater Cheops, der Erbauer der Großen Pyramide von Gizeh, im Fels verewigt. Er lebte vor mehr als 4500 Jahren. Die Reliefs zeigen: Der Arm des Pharao reichte bis in die menschenleere Wildnis.

Für die Wissenschaft sind die Inschriften ein bedeutsamer Fund, denn vom mächtigsten Pharao der 4. Dynastie ist kaum etwas bekannt. Nur eine Statuette mit seinem Portrait hat die Jahrtausende unbeschadet überdauert. 430 vor Christus, etwa 2000 Jahre nach dem Tod des Regenten, beschrieb der griechische Historiker Herodot den Pharao. Er stellte ihn dar als verhassten Tyrannen, der seine Untertanen zum Frondienst zwang. Heute dagegen glauben Experten, dass der erste Mann im Staat ein Wohltäter war, der das Land zu neuer Blüte brachte.

Totenprunk

Aus einem Schacht nahe einer Kammer mit dem leeren Sarkophag von Hetepheres, der Mutter von Cheops, wurden prächtige Grabbeigaben geborgen. Goldverzierte Möbelstücke künden vom Luxus der Königsfamilie. Um 1930 entdeckten amerikanische Archäologen auf dem Gizeh-Plateau die wertvollen Objekte. Gold, das Fleisch der Götter, lockte seit jeher skrupellose Räuber an. Selbst vor den letzten Ruhestätten machten sie nicht Halt. Wahrscheinlich deshalb wurden die Gegenstände aus dem Grab der Hetepheres in dem Schacht in Sicherheit gebracht.

Wie prächtig muss erst die Anlage des Gottkönigs eingerichtet gewesen sein, eines Mannes, der immerhin Jahrzehnte lang die Geschicke Ägyptens lenkte. Aber die Pyramide von Cheops ist leer. In dem Sarkophag in der Königskammer liegt keine Mumie. Auf dem Tonnen schweren Granitsarg fehlen die sonst üblichen Hieroglyphen. Daher zweifeln Wissenschaftler, ob der Verstorbene jemals darin gebettet lag.

Sein Erstgeborener Djedefre, Sohn einer Nebenfrau, trat die Thronfolge an. Schon bald aber übernahm der Halbbruder Chephren die Macht. Stolz setzte er seine Pyramide neben die seines Vaters. Später ergänzte Pharao Mykerinos das Ensemble aus Stein. Djedefre dagegen baute acht Kilometer vom Plateau entfernt. Die Anlage blieb unvollendet. Im Schatten der architektonischen Meisterwerke liegen Gräber hochrangiger Beamter.

Die Ruhestätte eines einflussreichen Priesters namens Kai ist bereits ausgegraben. Der Funktionär diente dem Cheops-Kult. Gemeinsam mit seiner Gemahlin ließ er sich dort vor viereinhalbtausend Jahren bestatten. Als prominenter Würdenträger genoss Kai das Privileg, in der Nekropole von Gizeh beerdigt zu werden. Am Eingang der Grabanlage sind die Königsnamen des Cheops-Clans zu lesen. Die gleichen Kartuschen, die Carlo Bergmann auf der Felswand weit draußen in der Wüste gefunden hat.

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