Der deutsche Insel-Gouverneur

August Gissler als erfolgloser Schatzjäger

Der nächste "hot-spot" liegt vor der Nordküste der Insel. Die russischen Satellitenbilder zeigen Metall im Wasser an: am Roca Gissler, benannt nach dem Deutschen August Gissler, dem einstigen Gouverneur der Kokosinsel.

Mit einem Unterwasser-Metalldetektor sucht Steven Weston den Meeresboden großflächig ab. Ist ein Teil des Goldes den Piraten über Bord gegangen? Oder ist das Versteck im Wasser ganz bewusst gewählt worden? Der Detektor schlägt nicht an - die Überprüfung der Satellitenbilder liefert dieses Mal nur ein Ergebnis: Fehlanzeige.

Lockruf des Goldes



Die Erklärungsversuche des Historikers Arias verlieren zunehmend an Überzeugungskraft. Entweder die Suche mit dem Metalldetektor sei an der falschen Stelle erfolgt, oder - räumt er ein - der russische Satellit liefere doch keine exakten Daten und Positionen. Oder - und das wäre desillusionierend - es gibt kein Metall, keinen Schatz an diesem vorgelagerten Felsen in der Wafer Bay, dem Roca Gissler, benannt nach dem Deutschen August Gissler. Ein Rheinländer, den der Lockruf des Goldes ereilte. Der Deutsche lebte von 1889 bis 1908 auf der Kokosinsel. Beinahe 20 Jahre, getrieben vom Wahn, mit einem Spatenstich das große Glück zu machen.

Den Sohn eines Kaufmanns aus dem Rheinland ernannte die Regierung von Costa Rica 1897 sogar zum Gouverneur der Kokos-Insel. Zum ersten und einzigen. August Gissler ist besessen von der Vorstellung hier das ganz große Los zu ziehen. Er besitzt zwei Karten, von zwei verschiedenen Personen. Eine bekam er von Manoel Cabral, einem Portugiesen, die andere von einem alten Seebären, den Gissler nur unter dem Namen Old Mac kannte. Weil beide Karten fast deckungsgleich die Lage des Schatzes beschreiben, gibt es für Gissler, der selbst jahrelang zur See fuhr, kein Zögern mehr. Er gräbt ein meterlanges Tunnelsystem, das heute noch - trotz ständiger Erdbeben - betreten werden kann.

Zugang zu Schatzkarten

Gissler sucht offenbar nicht nur den Kirchenschatz von Lima, sondern seine Karten bezogen sich auf den Schatz eines Piraten mit dem klangvollen Namen Benito Bonito. Anfang des 19. Jahrhunderts soll Bonito vorwiegend spanische Schiffe vor der südamerikanischen Küste gekapert und hier seine Beute vergraben haben. Manisch muss der Deutsche Desperado mit wenigen Hilfsmitteln gegraben haben. Gissler versuchte offenbar, sich so wenig wie möglich in die Karten schauen zu lassen.

August Gissler führt ein karges Leben auf der Insel, voller Entbehrungen. Die Geldgeber für sein Projekt findet er auf dem Festland. Sie investieren in die "Cocos Plantation Company", eine Aktiengesellschaft, für die ein gutes Dutzend Familien auf die Insel ziehen. Sie leben dort gemeinsam mit Gissler und seiner amerikanischen Frau. Die kleine Kolonie pflanzt Tabak an, ernährt sich von Bananen, Zitrusfrüchten, Getreide, Gemüse und Kokosnüssen. Außerhalb der Zivilisation ist Gisslers Projekt von vornherein zum Scheitern verurteilt - ohne Arzt, ohne Schule - viele Siedler verlassen die Insel bald wieder. Nach 20 Jahren gibt auch Gissler auf - verarmt wird er 1935 in New York sterben.

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